DJV-Verbandstag 2006

 

 

Verbandstag beendet

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken hat den DJV-Verbandstag 2006 in Mannheim am Mittwochnachmittag offiziell beendet. In seinem Schlusswort sagte er: "Der DJV ist gesund. Er ist inhaltlich und strukturell auf dem richtigen Weg." Er appellierte an die Delegierten, weiter den engen Kontakt zur Basis zu halten. Die Dokumentation des DJV-Verbandstags wird zum Wochenende auf der Homepage veröffentlicht.

 

 

Schutz in Krisengebieten

Medienbetriebe und Gesetzgeber sollen nach Willen des DJV-Verbandstags für eine bessere Vorbereitung freier Journalisten bei Einsätzen in Kriegs- und Krisengebieten sorgen. Insbesondere müssten die Journalisten spezielle Weiterbildungsmaßnahmen durchlaufen. Zudem müssten geeignete Versicherungen angeboten werden. Die verbesserte Vorbereitung müsse auch für Kollegen gelten, die aus eigener Initiative zu Einsätzen aufbrechen und ihre Beiträge erst später verkaufen.

 

 

Neue Ehrenmitglieder

Zu Ehrenmitgliedern des DJV hat der Mannheimer Verbandstag am Mittwochmorgen Werner Lüchow und "Schorsch" Klein ernannt. Der Hamburger Lüchow habe sich in besonderem Maße über viele Jahre hinweg für den Journalismus und das Ehrenamt eingesetzt. "Schorsch" Klein war lange Jahre Vorsitzender des Saarländischen Journalisten-Verbandes und Mitglied des DJV-Gesamtvorstandes.

 

 

Kein Product Placement

Die EU-Kommission soll nach Willen des DJV-Verbandstags die im Entwurf zur neuen EU-Fernsehrichtlinie vorgesehene Legalisierung von Product Placement zurückziehen. Gleiches müsse für die geplante Lockerung der Werberegeln gelten. Einen entsprechenden Antrag verabschiedeten die Delegierten am heutigen Mittwochvormittag. In einem zweiten Antrag forderte der Verbandstag die EU-Kommission auf, die Gebührenfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland für mit EU-Recht vereinbar zu akzeptieren. Die deutsche Rundfunkgebühr sei Voraussetzung für einen staatsfernen, die publizistische Grundversorgung sichernden öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

 

 

Gegen Leserreporter

Der DJV-Verbandstag hat am Mittwochmorgen die Verlage aufgefordert, sich von dem neuen Instrument des "Leserreporters" wieder zu verabschieden. Berichte, Reportagen und Artikel müssten von gelernten Journalisten stammen. Sonst seien Qualität und Glaubwürdigkeit der Medien in Gefahr.

 

 

Verbandstag geht weiter

Der Mannheimer DJV-Verbandstag wurde am Mittwochmorgen fortgesetzt. Im Mittelpunkt steht heute die Debatte der Anträge und Resolutionen. Die rund 300 Delegierten haben sich für den Erhalt des Urheberrechts ausgesprochen. Die Urheber müssen auch weiterhin von ihren Werken leben können. In einem weiteren Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert, das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz zu verändern, damit Journalisten nicht in Leiharbeitsfirmen gedrängt werden können.

 

 

Pressefreiheit stärken

Der DJV-Verbandstag hat die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und der Länderparlamente zum uneingeschränkten Einsatz für die Pressefreiheit aufgefordert. Die Delegierten bezogen sich dabei insbesondere auf die Beratungen über die möglichen Verschärfungen der Antiterrorgesetze. "Keinesfalls", so die Delegierten, "dürfen Journalistinnen und Journalisten, beispielsweise durch die Aufweichung des Zeugnisverweigerungsrechts, zu Erfüllungsgehilfen der staatlichen Strafverfolgungsbehörden degradiert werden."

 

 

Für Tarifverträge

Der DJV-Verbandstag 2006 in Mannheim fordert Verlage und Sender dazu auf, die geltenden Tarifverträge einzuhalten. Die fast 300 Delegierten kritisierten damit die zunehmende Umgehung von Tarifverträgen. "Es kann nicht hingenommen werden, dass auch namhafte Medienhäuser geltendes Tarifrecht brechen oder ignorieren", hieß es in einem Beschluss des Verbandstags zur Tarifpolitik. Journalistinnen und Journalisten dürften nicht zu schlechteren, nicht tarifkonformen Arbeitsbedingungen beschäftigt werden. Der DJV werde in den jeweiligen Betrieben Maßnahmen ergreifen, die die Einhaltung der Tarifverträge sicher stellen, forderte der DJV-Verbandstag.

 

 

DJV berät Anträge

Seit Dienstagmittag widmen sich die Delegierten des DJV-Verbandstages in Mannheim der Antragsdiskussion. Den Anfang machten innerverbandliche Anträge. Zur Abstimmung steht etwa die Frage, ob die DJV-Verbandstage künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Im Anschluss daran diskutieren die DJV-Delegierten Anträge zur Tarifpolitik, zur Pressefreiheit und zu vielen weiteren Themen des Journalismus.

 

 

Wahl zum Presserat

Der DJV-Verbandstag wählte am Dienstagmittag sieben DJV-Mitglieder in den Deutschen Presserat: Claudia Bechthold, Redakteurin der Offenbach Post (DJV Hessen), Bildjournalist Hartmut Beifuß (DJV NRW), Dr. Ilka Desgranges, Redaktionsleiterin der Saarbrücker Zeitung (Saarländischer Journalisten-Verband), Ursula Ernst-Flaskamp, Redakteurin der Augsburger Allgemeinen Zeitung (BJV), Sergej Lochthofen, Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen (DJV Thüringen), die freie Bildjournalistin Heike Rost (DJV Rheinland-Pfalz) und Kathrin Saft, Redakteurin der Sächsischen Zeitung (DJV Sachsen) werden den DJV in den kommenden zwei Jahren im Deutschen Presserat vertreten.

 

 

Konken-Rede

Mit der Grundsatzrede des DJV-Bundesvorsitzenden wurde am Dienstagmorgen der DJV-Verbandstag 2006 in Mannheim fortgesetzt. Konken setzte in seiner Rede den Schwerpunkt auf die Qualität des Journalismus. Sie sei durch wachsenden Arbeitsdruck in den Redaktionen, durch Einsparungen in Verlagen und Sendern sowie durch die schwieriger werdende Lage freier Journalisten gefährdet. Konken hob die Erfolge der DJV-Kampagne Journalisten 21 hervor, die die Zukunft des Journalistenberufs und die Aus- und Weiterbildung im Fokus hatte. Als wichtiges Thema des DJV für das kommende Jahr bezeichnete er die Pressefreiheit. Sie müsse im Interesse aller Journalisten gestärkt werden.

 

 

Oettinger spricht Grußwort

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger sprach am Nachmittag des 6. November zu den Delegierten und Gästen des DJV-Verbandstags in Mannheim. "Guter Journalismus soll Ausweis regionaler Zeitungen bleiben", forderte er. "Die Politik in Baden-Württemberg will sich für den Erhalt der Medienvielfalt einsetzen." Die DJV-Kampagne Journalisten 21 bezeichnete er als sehr wirkungsvoll. "Der DJV hat hervorragende Lobbyarbeit nach innen und außen geleistet", sagte Oettinger. Unabhängige und starke Medien seien unverzichtbar für die Demokratie. "Unabhängigkeit muss gelebt werden. Wir haben eine gute Kultur der Partnerschaft auf Distanz zwischen Politik und Medien."

Er warb für einen Ausbau der medienpädagogischen Erziehung von Kindern und Jugendlichen. "Die Tageszeitung gehört noch viel stärker in die Familien."

Die Bedeutung der europäischen Politik für die Medien werde zu wenig beachtet, kritisierte er. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stehe gewaltig unter europäischem Druck. Deshalb müsse die Lobbyarbeit gegenüber der EU-Kommission verbessert werden. Deutlich sprach er sich gegen Product Placement im Rundfunk aus.

Oettinger rief die DJV-Delegierten dazu auf, ihre Medien stärker auf Kinder und Jugendliche auszurichten. "Kinder und Jugendliche müssen mit der Medienüberflutung klar kommen." Er lud die Journalisten ein, in den Schulen Baden-Württembergs mit den Schülern über das Thema Medien zu arbeiten. Ein entsprechendes Modellprojekt solle im nächsten Jahr starten.

Digitale Medien würden Zeitungen nicht ersetzen, sondern ergänzen. "Der DJV bündelt einen Berufsstand, der für Demokratie steht und eine wichtige Zukunft vor sich hat." Oettinger sagte zu, sich für den unversehrten Erhalt der Meinungs- und Pressefreiheit einzusetzen.

 

 

Pressefreiheit im Fokus

Vom 6. bis 8. November 2006 kommen die Delegierten des Deutschen Journalisten-Verbandes wieder zu ihrem jährlichen Verbandstag zusammen. An den drei Tagen werden sie in Mannheim ein vorläufiges Fazit der DJV-Kampagne Journalisten 21 zur Zukunft des Journalistenberufs ziehen und zahlreiche Anträge zur Medienpolitik und zum Journalismus beraten. Die Themen versprechen spannende und engagierte Diskussionen: Die künftige Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht ebenso auf der Tagesordnung wie die Forderung nach sofortigem Stopp von Outsourcing und Leiharbeit in Zeitungsverlagen. Der DJV-Verbandstag wird Antworten auf die Frage nach dem journalistischen Berufsbild von morgen suchen und konkrete Forderungen zur Weiterbildung von Journalistinnen und Journalisten formulieren. Das Kernthema des DJV-Verbandstages 2006 wird jedoch die Pressefreiheit sein. Nach den Durchsuchungen bei der Zeitschrift Cicero, nach der Überwachung von Telefonverbindungsdaten bei der Wolfsburger Allgemeinen und der BND-Affäre gilt es, sich grundsätzlich mit dem Stellenwert der Pressefreiheit in Deutschland auseinander zu setzen. Vor diesem Hintergrund erwarten die Delegierten mit Spannung die Rede von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, der am Eröffnungstag in Mannheim zu den versammelten Journalisten sprechen wird.