DJV-Kongress "Wert des Journalismus"

- DJV-Kongress "Wert des Journalismus". Alle Fotos: Bernd Lammel
Um den Wert des Journalismus ging es am 2. und 3. Februar 2012 zwei Tage lang bei einem Kongress, den der DJV gemeinsam mit der Bayerischen Landesvertretung in Berlin durchgeführt hat. Welche Bedeutung haben die oft als vierte Gewalt bezeichneten Medien tatsächlich? Wie sieht der Arbeitsalltag von Journalistinnen und Journalisten aus? Können Medienschaffende noch ihren Informationsauftrag erfüllen? Was tut sich im Online-Journalismus? Mit diesen Fragestellungen hatten DJV und Bayerische Landesvertretung eingeladen. Über 100 Journalistinnen und Journalisten fanden den Weg nach Berlin-Mitte.
Den Auftakt machte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Er sagte, welch eine große Bedeutung der Wert des Journalismus als Leitthema für den DJV habe. Und er schlug den Bogen zur Rolle der Journalisten im Zusammenhang mit den Affären von Bundespräsident Christian Wulff: „Das Aufdecken der Verfehlungen in der Affäre um Bundespräsident Wulff war unsere Aufgabe und Pflicht, unser demokratisches Werteverständnis auch in der Betrachtung unserer Ansprüche an politische Ämter. Handeln müssen jedoch andere.“
Das war das Stichwort für Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung. Am Beispiel der Wulff-Affäre zeigte er auf, was journalistische Aufklärung leisten muss und wo die Berichterstattung in Klatsch und Tratsch abzurutschen beginnt. „Aufklärung ist Pflicht, nicht Kür“, hieß sein Impulsreferat. Es wurde unversehens zum Plädoyer für einen kritischen, unvoreingenommenen und leidenschaftlichen Journalismus. Dass es ambitionierte Kolleginnen und Kollegen mitunter schwer haben, diesen Ansprüchen zu genügen, verhehlte Leyendecker nicht. Aber er ließ auch keinen Zweifel daran, dass der Journalismus immer noch eine der schönsten Professionen im Berufespektrum ist.
„Plauderecke oder fünfte Gewalt – Qualitätsjournalismus und Internet.“ Das war der Titel der anschließenden Podiumsdiskussion. Unter der Moderation der freien Journalistin Sabine Prokscha diskutierten die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär, der Leiter der Deutschen Journalistenschule Jörg Sadrozinski, der Online-Journalist und Vorsitzende des DJV-Fachausschusses Online Thomas Mrazek, der Blogger und Betreiber von netzpolitik.org Markus Beckedahl, Michael Krechting von der Neuen Osnabrücker Zeitung und Rainer Kurlemann von der Rheinischen Post. Während Politikerin Bär die Vorzüge von Twitter und Facebook lobte und die Notwendigkeit veränderten Kommunikationsverhaltens in der Politik betonte, lief die Diskussion zeitweise auf den klassischen Gegensatz zwischen Print und Online hinaus. Das Fazit lautete schließlich: Wenn Print wie Online ihre Stärken ausspielen, ergänzen sie sich. Den Nutzen davon haben der Journalismus und Leser wie User gleichermaßen.
Thomas Kreuzer, Bayerischer Staatsminister und Leiter der Staatskanzlei, hieß schließlich die Gäste als Hausherr herzlich willkommen. Er ließ keinen Zweifel an der Bedeutung des Journalismus: „Demokratie braucht Qualitätsjournalismus.“ Als bayerischer Medienminister versprach Kreuzer: „Sie können sich auch in Zukunft auf die Unterstützung durch die Bayerische Staatsregierung verlassen. Wir machen uns stark für Ihre Anliegen.“
Am 3. Februar startete der Medienwissenschaftler Prof. Michael Haller mit seinem Impulsreferat „Journalismus zwischen Qualität und Kostendruck“ ins Programm. Haller räumte mit der Vorstellung auf, dass mehr Personal in den Redaktionen und üppig gefüllte Honorartöpfe automatisch zu mehr Qualitätsjournalismus führen müssten. Der Auflagenschwund der Zeitungen habe lange vor dem Internet eingesetzt. „Journalistische Qualität lässt sich daran messen, ob sich möglichst viele Menschen über das aktuelle öffentliche Geschehen so ins Bild gesetzt fühlen, dass sie es durchschauen und verstehen.“ Im Internetzeitalter sollten die Journalisten „tiefen Respekt vor dem Informationsinteresse ihres Publikums zeigen“.
Drei Workshops behandelten nach Hallers Einstieg die praktischen Aspekte der Wertediskussion. „Was tut sich im Online-Journalismus?“ fragten der Onliner Thomas Mrazek und DJV-Bundesvorstandsmitglied Peter Jebsen als Referenten ihres Workshops. „Mehr Qualität im Lokaljournalismus – Recherche für Profis“ schrieb sich David Schraven, Leiter der WAZ-Recherchegruppe, in seinem Workshop auf die Fahnen. Und Schulleiter Jörg Sadrozinski und die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser postulierten „Die Besten in die Medien – Journalistenausbildung heute.“ Die über 100 Teilnehmer des zweiten Kongresstages hatten die Möglichkeit, an zwei der drei Workshops teilzunehmen. So unterschiedlich die Themen waren, eines hatten alle drei Gruppen gemeinsam: Die veranschlagte Zeit von jeweils 90 Minuten war zu knapp bemessen – so groß war der Anteil an Informationen und Fragen.
Bei allen Gegensätzen herrschte zunächst viel Harmonie in der Podiumsdiskussion „Verlagsrendite contra Qualitätsanspruch?“, die der freie Journalist und DJV-Schatzmeister Frank Überall moderierte. Alexander Schmid-Lossberg vom Springer-Konzern und Joachim Kopatzki von der WAZ-Mediengruppe versuchten in ihren Diskussionsbeiträgen deutlich zu machen, dass Rendite und Qualität keine Gegensätze seien. Der Augsburger Zeitungsjournalist Richard Mayr und die Mannheimer Journalistin Annika Wind berichteten aus ihrem Berufsalltag, dass übersteigertes Renditestreben von Verlagen auf Kosten journalistischer Sorgfalt gehen könne. Die freie Medienjournalistin Ulrike Simon betonte, dass sie ihre Recherchen dank Pauschalverträgen führen könne.
Die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser hob in ihrem Schlusswort den Zusammenhang von Qualität und dem Wert des Journalismus hervor. Den Kongress sah sie als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu mehr journalistischer Qualität. Für den DJV versprach sie: „Die Arbeit hat begonnen.“
Am Nachmittag des 3. Februar 2012 begaben sich die Teilnehmer wieder ins winterliche Berlin, um ihren Heimweg anzutreten. Jedoch nicht ohne vorher noch einen Blick in die Fotoausstellung zu werfen, die zeitgleich mit dem DJV-Kongress in der Bayerischen Landesvertretung zu sehen war. Der Bayerische Journalisten-Verband hatte die Siegerfotos seines Wettbewerbs „Pressefoto Bayern“ mit nach Berlin gebracht – passend zum Thema und zum Ort des Kongresses.
Hendrik Zörner





