
Beatrice Dernbach
Leiterin des Internationalen Studienganges Fachjournalistik, Hochschule Bremen
1. Ein (Fach-)Journalist muss lernen...
komplexe und komplizierte Sachverhalte kurz und dennoch richtig, verständlich und dennoch nicht trivial an Experten und interessierte Laien gleichermaßen vermitteln zu können. Er muss seine unterschiedlichen Publika Ernst nehmen, ihre Interessen aufgreifen, die Fakten sorgfältig recherchieren, selektieren und formulieren. Er darf sich dabei nicht gemein machen mit den Interessen anderer und vor allem nicht mit denen seiner (Experten-) Quellen. Er muss in der Lage sein, seine Themen für mehr als ein Medium aufbereiten zu können.
2. Die beste Ausbildung zum (Fach-)Journalist ist...
eine gute Mischung zwischen journalistischer Fachkompetenz, Sachwissen in einem Gebiet und einer auf gutem Allgemeinwissen basierenden Vermittlungskompetenz. Den Königsweg gibt es nicht und wird es nicht geben. Jeder sollte aus der Zahl möglicher Ausbildungswege (Fachstudium, Journalistik-Studium, Volontariat, Journalistenschule/ -akademie
) denjenigen heraussuchen, der seiner Eignung und Neigung am besten entspricht. Für die Wahl eines Studiums beispielsweise sollten Profil und Inhalt des Studienangebots ausschlaggebendes Motiv sein.
3. Praktika sind im (Fach-)Journalismus...
unerlässlich! Wichtig sind Praktika in unterschiedlichen Medienformen und – je näher der Berufseinstieg rückt, umso wichtiger – die Erfahrungen in einem Medium des gewählten Spezialgebietes.
4. Der Berufseinstieg gelingt am besten, wenn...
eine klare Orientierung als Entscheidungsgrundlage dient. Die kann nur eine gute Ausbildung bieten. Wer sich querbeet um Praktika bewirbt, kann seine Stärken nicht glaubwürdig vermitteln. Wer sich allerdings schon zu früh auf den Traumjob fokussiert, landet möglicherweise schnell in der Ich-warte-noch-auf das-ideale-Angebot-Falle. Eine gute Mischung also aus Life-long-Lernbereitschaft, Selbstbewusstsein, Souveränität, Wissen, Kenntnissen und Fertigkeiten, die nachweislich in den Jahren der Ausbildung erworben und gefestigt worden sind, bedeutet eine gute Ausgangsposition.
5. Auf keinen Fall sollte ein angehender Journalist...
den künftigen Beruf als Job betrachten, in dem man immer nur Spaß hat und viel Geld verdient. Journalisten haben gesellschaftliche Verantwortung, die sie täglich wahrnehmen müssen. Sie müssen informieren, zur Meinungsbildung beitragen, kritisieren und kontrollieren und - ja! - auch unterhalten. Diese normativen Funktionen in Medien umzusetzen, die ökonomisch unter Druck stehen, wird künftig nicht einfacher werden. Gut ausgebildeten Journalisten, die wissen, worin ihre Rechte und Pflichten liegen, und die wissen, wie das Mediensystem funktioniert, kann niemand so schnell ein X für ein U vormachen.





