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http://www.djv.de/index.php?id=1896&type=98 | Druck: 22.05.12 07:28:56 |
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Dokumentation
DJV-Fachtagung "Zukunft des Rundfunks: Qualität"
3./4. September 2007, IFA Berlin
Begrüßung:
Lothar Kaiser (Vorsitzender DJV-Fachausschuss Rundfunk)
Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen. Willkommen in der schönen neuen Medienwelt, auf der Internationalen Funkausstellung, auf der wir heute und morgen zu Gast sind. Sie werden auf der IFA ein paar neue Verpackungen kennenlernen. Die Inhalte sind Ihnen, den Medienmachern, hinlänglich bekannt. Die Inhalte sind nicht immer neu, und sie sind erst recht nicht immer schön.
Deshalb hat der Bundesfachausschuss Rundfunk des Deutschen Journalisten-Verbandes die Qualität im Rundfunk in den Mittelpunkt dieser Tagung gestellt - einem Forum zur Diskussion, Reflexion und Planung für einen Rundfunk, der Qualitätsmaßstäbe und professionelle Standards setzt. Was braucht Rundfunk, um Qualität bieten zu können? Welche Finanzierung, welche medienrechtlichen und -politischen Rahmenbedingungen, welche Arbeitsbedingungen für hauptberufliche und für freie Journalisten? Darüber wünsche ich mir an diesen beiden Tagen lebhafte Diskussionen zwischen Medienexperten, verantwortlichen Programmmachern und Redakteuren "aus dem Maschinenraum", wie ein Abteilungsleiter des WDR zu sagen pflegte.
Vom früheren WDR-Intendanten Fritz Pleitgen stammt das Zitat: "Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist die Qualität ganz klar die Nummer Eins, erst danach folgt die Quote." In den Sitzungen des Bundesfachausschusses Rundfunk hörte sich das in jüngster Zeit leider oft ganz anders an. Aus den Sendern wird oft ein Negativ-Trend gemeldet: Emotionen statt Informationen, Schwund der Worte im Hörfunk, Infotainment als publikumwirksames Format, Vernachlässigung der Recherche, wenig Rücksicht auf journalistische Standards und Techniken. Also doch eher Quote als Qualität?
Nun ergibt sich aber der öffentliche Auftrag nicht aus der Wunschliste der breiten Masse. Und selbst die Masse scheint nicht mehr zufrieden zu sein, wie eine aktuelle Befragung von 1000 Personen über 14 Jahren zeigt, die eine große Programmzeitschrift in Auftrag gegeben hatte. Demnach fanden 60 Prozent der Befragten, die Fernsehprogramme seien "dümmer" geworden. Wer seinem Publikum ein inhaltlich flaches Programm bietet, nimmt es nicht ernst. Gerade das Fernsehen gerät zunehmend in den Ruf, mit flachen Programmen die Zuschauer dumm und aus der Politik herauszuhalten. Selbst in landespolitische Sendungen schleichen sich inzwischen die Kalauer ein. Ich will hier nicht dem "Redakteursfernsehen" der 60er Jahre das Wort reden. Aber ebenso wenig einem formatierten Programm in Radio und Fernsehen, das teilweise schon mehr von den Vorgaben des Marketings in den Sendern bestimmt zu sein scheint als von Zielvorstellungen der Redaktionen.
Im privaten Rundfunk kommen ganz andere Faktoren hinzu. Hier haben zum Teil Finanzinvestoren die Regie übernommen. Für die sind Sender Spekulationsobjekte, die sie dereinst gewinnbringend verkaufen wollen. Da sind Redaktionen lästige Kostenfaktoren, die es zu begrenzen, wenn nicht gar abzuschaffen gilt. Abzuschaffen wie die Nachrichtensendungen aus einem Programm, das sich den Medienwächtern als privilegiertes Vollprogramm vorgestellt hat. Und das so auch lizenziert wurde. Nunmehr legen die Medienwächter den Begriff des Vollprogramms zu den Akten, weil er ohnehin nicht so recht handhabbar sei und rechtlichen Prüfungen nicht standhalte. Wo bleibt der gesellschaftliche Auftrag der Medien, insbesondere des Rundfunks? Das Medienmagazin "journalist" konstatierte im Juli-Editorial, dass in den vergangenen Jahren die professionellen Grenzen schwammiger wurden gegenüber Unterhaltung, Technik, Werbung und PR, aber auch gegenüber politischer Macht und Laienjournalismus. Das Rollenverständnis vom gesellschaftskritischen Journalismus tendiere hin zum begleitenden Mainstream, einem Mainstream, der "im Sensationsjournalismus gipfelt und sich dort auf ein reines Dienstleistungsverständnis reduzieren lässt". Wie weit sind Journalisten an der schleichenden Entwertung ihres Berufs beteiligt? Wie weit haben Journalisten Rückgrat und Selbstbewusstsein verloren?
An Themen für den gewünschten Diskurs sollte an diesen beiden Tagen in Berlin also kein Mangel bestehen. Ich freue mich darauf und bin gespannt.