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http://www.djv.de/index.php?id=59&type=98 | Druck: 22.05.12 07:46:21 |
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Checkliste für freie Journalistinnen und Journalisten
Wer gerade mit der Ausbildung fertig ist, steht vor der Frage: Will und kann ich als freie Journalistin bzw. freier Journalist arbeiten? Oder soll ich mich doch lieber um eine Festanstellung – notfalls in einem branchenverwandten Bereich – bemühen?
Anbei eine Checkliste, die eine erste Entscheidungshilfe anbietet:
- Will und kann ich als freie Journalistin/als freier Journalist arbeiten?
- Wo will ich arbeiten?
- Für wen will ich arbeiten?
- Kann ich es mir leisten, frei zu arbeiten?
- Wer hilft bei Fragen?
1. Will und kann ich als freier Journalist arbeiten?
Es ist auch eine Typfrage: Kann man mit der Unsicherheit leben? Denn die ist in den ersten Jahren der ständige Begleiter. Auch wenn man schon mit ein paar Kontakten startet, garantiert das nicht das finanzielle Überleben in der Anfangszeit. Selbst wenn in dem einen Monat genügend Honorare auf dem Konto sind, kann es im nächsten schon anders sein.
Der Start in die Selbständigkeit fällt leichter, wenn finanzielle Rücklagen vorhanden sind oder man sich um eine Existenzgründungsförderung beziehungsweise einen Kredit bemüht. Das nimmt dem Anfänger ein wenig den Druck, so dass er sich ganz auf die Arbeit konzentrieren kann, anstatt ständig darüber nachdenken zu müssen, wie man die Miete zahlen soll. Sicher ist: Sich als selbständiger Journalist zu etablieren dauert mindestens drei Jahre.
Die freie Arbeit hat natürlich auch Vorteile: Man kann sich die Zeit selbst einteilen, sich seine bevorzugten Themen aussuchen und versuchen, sich in diesem Bereich einen Namen zu machen.
2. Wo will ich arbeiten? - Zu Hause vs. Journalistenbüro
Beides hat seine Vor- und Nachteile: Wer zu Hause arbeitet, hat keine zusätzlichen Bürokosten. Dafür fehlt der Austausch mit Kollegen, denn ein Journalistenbüro ist meist ein gutes Netzwerk. Auch in lockeren Bürogemeinschaften fällt immer mal wieder ein Auftrag ab, werden Kontakte ausgetauscht und können alltägliche journalistische Fragen schnell geklärt werden: Wie würdest du das Thema angehen? Kennst du einen Experten zu diesem oder jenem Thema?
Der Vorteil am Büro außerhalb der eigenen Wohnung ist auch, dass dadurch eine feste Struktur entsteht, der freie Journalist wie ein Angestellter ins Büro geht – und vor allem irgendwann auch mal Feierabend macht. Gerade das Abschalten von der Arbeit fällt schwer, wenn das Büro in der eigenen Wohnung ist. Wer von zu Hause arbeitet, kann leicht in eine Endlosschleife geraten. Der Nachteil bei Journalistenbüros sind natürlich die zusätzlichen Kosten, die je nach Stadt und Ausstattung pro Monat zwischen 100 und 300 Euro betragen können.
Wer sich noch nicht sicher ist, ob er der Typ für ein Journalistenbüro ist, kann es für ein paar Monate ausprobieren. Freie Plätze werden in einigen DJV-Landesverbänden im Internet auf dem "Schwarzen Brett" mitgeteilt, auch auf Seiten wie www.journalismus.com können kostenlos Gesuche oder Angebote ins Netz gestellt werden.
Manche Freie gründen direkt ihr eigenes Journalistenbüro. Wer diesen Schritt geht, muss sich jedoch bewusst sein, dass es einige Monate dauern kann, bis man in einem fertig eingerichteten und mit Telefon- und Internetanschluss ausgerüsteten Büro sitzt. In der Zeit der Bürogründung ist das Arbeiten nur bedingt möglich, auch hier bedarf es einiger finanzieller Rücklagen, um diese Zeit überbrücken zu können. Dafür arbeitet die neue Bürogemeinschaft dann mit den Kollegen zusammen, die man sich selbst ausgesucht hat.
3. Für wen will ich arbeiten?
Meist bestehen durch die Ausbildung, vorherige Jobs oder Praktika schon Kontakte zu einzelnen Redaktionen. Dadurch hat auch ein Anfänger erste Erfahrungen, wie in einzelnen Bereichen gearbeitet wird - und wie Redakteure mit Anfragen von freien Journalisten umgehen. Zunächst einmal sollte sich der Freie bei allen Redakteuren in Erinnerung bringen, für die er schon mal gearbeitet hat.
Dabei gilt: ruhig sagen, dass man sich gerade selbständig macht. Besonders ehemalige Freie können sich noch gut an die erste Zeit erinnern und helfen jungen Kollegen meist mit Kontakten. Denn genau darum geht es ja auch: sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. Manch ein Redakteur kennt vielleicht noch aus früheren Jobs Journalisten, die dem Neuling helfen können.
Wer genau weiß, in welchem Bereich er arbeiten möchte, sollte auch gezielt darauf hinarbeiten. Wenn diese Ziele noch in weiter Ferne sind, sollte er sich überlegen, welche kleineren Aufträge ihn in die richtige Richtung bringen. Wer sich zum Beispiel als Wissenschaftsjournalist einen Namen machen möchte, sollte sich auf den interessanten Events blicken lassen, dort neue Kontakte knüpfen, Ideen sammeln. Dann heißt es, erst mal kleine Beiträge in dem Bereich zu veröffentlichen, um sich in der spezifischen Branche einen Namen zu machen und Arbeitsproben zu sammeln, mit denen man sich später bei den großen Zeitungen oder Sendern vorstellen kann.
4. Kann ich es mir leisten, frei zu arbeiten? Und auf was lasse ich mich ein?
Wer gerade mit der Ausbildung fertig ist, sollte sich nicht dazu hinreißen lassen, zu oft in Redaktionen weitere Praktika zu machen. Denn die werden meist schlecht, manchmal gar nicht bezahlt. Wenn es um die Honorare geht, heißt es oft in den Redaktionen: "Wir würden Sie gern beschäftigen, haben aber kein Budget für Honorare. Sie können uns aber jederzeit unentgeltlich Texte oder Beiträge liefern, dadurch können Sie sich auch einen Namen machen." Ganz wichtig ist: Wer als Journalist ausgebildet ist, muss immer ein Honorar für seine geleistete Arbeit einfordern. Es schadet dem eigenen Ruf und allen anderen freien Kolleginnen und Kollegen, wenn man sich auf solche Deals einlässt.
Wenn die Aufträge in der ersten Zeit nicht ausreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Förderungen (siehe www.djv.de Rubrik Freie / Existenzgründung), um in der ersten Zeit über die Runden zu kommen. Wer zuvor einen anderen Beruf erlernt und Möglichkeiten hat, in diesem Beruf noch zu arbeiten, sollte überlegen, ob er dies nebenbei noch macht, um eine gewisse finanzielle Grundsicherung zu haben. Manche Journalisten wechseln in Zeiten knapper Budgets halbtags die Seiten und arbeiten in der PR-Branche oder in Pressestellen. Dabei ist es aber wichtig, klare Grenzen zu ziehen: Wer PR für ein Unternehmen macht, kann nicht zwei Wochen später einen Fernsehbeitrag zu diesem Thema produzieren oder ein Unternehmensporträt für eine Zeitung schreiben.
5. Wer hilft bei Fragen?
Als Einstieg hilft das DJV-Buch "Von Beruf Frei – Ratgeber für freie Journalistinnen und Journalisten" Weitere Informationen gibt es auch auf dieser Website in der Rubrik "Freie".