Thema des Tages
Spitzeln mit System
06. Sep. 2010 – Vor inzwischen mehr als zwei Jahren wurde bekannt, dass die Deutsche Telekom systematisch die Verbindungsdaten von Managern und Journalisten ausgespäht hat. Wer mit wem wann telefonischen oder E-Mail-Kontakt hatte, welches private Umfeld Journalisten pflegten, die über die Telekom berichteten, war für das Unternehmen offenbar von größtem Interesse. Spitzeln mit System hatte unter Vorstandschif Kai Uwe Ricke, der von alledem nach seinen eigenen Worten nichts wusste, Methode. Der DJV forderte im Mai 2008 lückenlose Aufklärung, die Telekom-Chef René Obermann dem DJV-Vorsitzenden Michael Konken persönlich zusagte. Er wolle alles dazu beitragen, so Obermann im Mai 2008, dass die ermittelnde Bonner Staatsanwaltschaft die ungeheuerlichen Vorwürfe aufklären könne. Gut gebrüllt, Löwe! Allzu viel ist seitdem nicht geschehen. Erst jetzt kam heraus, dass bei der Telekom eine Software existierte, mit deren Hilfe die Verbindungen von Telekom-Nutzern angezeigt wurden. Sie soll zahlreichen Mitarbeitern des Unternehmens zugänglich gewesen sein. Und jetzt? Wer garantiert, dass die Verbindungen von Journalisten heute sicher sind? Etwa wieder Herr Obermann mit persönlichen Zusagen? Darauf ist, wie wir heute wissen, wenig Verlass.Hendrik Zörner
Kommentare
Mark Nierwetberg
06. Sep. 2010 16:07
Es werden keine Verbindungsdaten von Einzelpersonen oder Journalisten mit der Software ausgewertet, sondern Transaktionsmuster auf Missbrauch und Betrug analysiert. Von der datenschutzkonformen Funktion dieser Missbrauchserkennungs-Software haben sich verschiedene Experten überzeugt.
Hintergrund: Wie alle anderen Anbieter von Telekommunikationsdiensten, verfügt die Deutsche Telekom über bei der Bundesnetzagentur sowie dem Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit angezeigte Systeme und Anwendungen, mit denen Bestands- und Verkehrsdaten von Teilnehmern und Nutzern auf Grundlage des Telekommunikationsgesetzes (§ 100 TKG) zum Erkennen, Eingrenzen und Beseitigen von Störungen oder Fehlern an Telekommikationsanlagen sowie zum Aufdecken und Unterbinden telekommunikationsspezifischer Missbrauchsfälle eingesetzt werden. Ein Beispiel: aus der Vergangenheit vielleicht vielen bekannt - die sogenannte Dialerproblematik. Wählt ein Anschluss ständig eine Mehrwertnummer bei der hohe Kosten für den Kunden entsteht, wird ein Ticket generiert, das dem Kundenservice den Auftrag gibt, den Kunden zu informieren und zu fragen, ob er Kenntnis davon hat. Es geht also nicht um die Überprüfung von Personen, sondern um das Erkennen von solchen Transaktionen - die oft durch Missbrauch entstehen.
Gerne sind wir bereit, Ihnen weitere Informationen zur Verfügung zu stellen. Leider hat der DJV im Vorfeld dieser Pressemitteilung der Deutschen Telekom keine Möglichkeit gegeben, diese Behauptungen und Anschuldigungen zu kommentieren oder richtig zu stellen.
Mit freundlichen Grüßen
Mark Nierwetberg
Deutsche Telekom AG
Pressesprecher
Friedrich-Ebert-Allee 140, 53113 Bonn
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