Thema des Tages
Sarrazin und die Autorisierung
03. Sep. 2010 – (Ex?)Bundesbanker Thilo Sarrazin wollte ein Interview mit Michel Friedman nachträglich bearbeiten. Nicht nur seine Antworten auf Friedmans Fragen gefielen ihm bzw. seinem Verlag nicht, als sie schriftlich zur Autorisierung vorgelegt wurden. Auch die Fragen sollten freundlicher und harmloser daherkommen, als Friedman sie im Auftrag der B.Z. gestellt hatte. Die Redaktion entschied daraufhin, auf den Abdruck des Interviews zu verzichten. Heute hat die B.Z. die Vorgänge um das Interview mit Sarrazin dokumentiert. Bild hatte zuvor Wind von der Geschichte bekommen und sie samt der Beleidigung Sarrazins gegenüber Friedman gebracht. Der Fall steht nicht allein da. Autorisierungen von Interviews sind immer wieder strittig. Klar ist: Es gibt das Recht am eigenen Wort. Klar ist auch, dass Journalisten in Interviews selten das Ziel verfolgen, den Gesprächspartner aufs Kreuz zu legen. Fairness ist also angebracht. Und dazu gehört auch die Autorisierung. Aber nicht zu dem Zweck, Kritik glattzubügeln. Und was auf keinen Fall geht, ist die Veränderung der Fragen. Hier hat Thilo Sarrazin überzogen. Unverständlich, dass sein Verlag die Spielregeln offenbar nicht kannte.Hendrik Zörner






