DJV-Startblock

Erfahrungsberichte
Auf den folgenden Seiten finden Sie Berichte über Erfahrungen, die junge und angehende Journalisten bei ihrem Einstieg in den Beruf gemacht haben. Es handelt sich um Berichte, die uns junge Kolleginnen und Kollegen weitergeleitet haben - positive wie negative.
Diese Seiten leben durch Ihre Beiträge. Wenn auch Sie uns über ihr Volontariat, Ihr Praktikum oder Ihre Erfahrung an einer Journalistenschule berichten wollen, freuen wir uns sehr über Ihre E-Mail. Wann immmer passend, begleiten wir die Berichte durch Tipps, Infos und Ideen zum jeweiligen Inhalt.
Erfahrungsberichte aus Journalistenschulen
Thema: Gute Schule für das Journalistenleben
von: Jörg
Eine gute Schule für das Journalistenleben – so kann ich meine Zeit in einer Journalistenschule zusammenfassen. Neun Monate Ausbildung in Theorie, sechs Monate Praktika (wahlweise in Print-, Online-, Radio- oder Fernsehredaktionen) standen auf dem Lehrplan. Unsere Seminare waren praxisnah ausgerichtet. Einer theoretischen Einführung in Themen wie investigative Recherche, Kommentar, Selbstmarketing oder Reportage folgten mehrtägige Übungen. Wir schrieben Reportagen, füllten und layouteten eigene Zeitungsausgaben in den Ressorts Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik, produzierten Radiosendungen und drehten Fernsehbeiträge. Die Ergebnisse wurden in großer Runde besprochen, oft hart kritisiert, manchmal gelobt. Immer war es ein konstruktives Feedback - nicht selbstverständlich im stressigen Redaktionsalltag. Als freier Journalist profitiere ich mittlerweile davon. Die Trial-and-error-Methode ist gut – aber man muss auch Hinweise bekommen, in welche Fehlerquellen man tappt.
Die Journalistenschule kann ein Sprungbrett in eine Festanstellung sein, doch ist sie heutzutage keine Garantie mehr dafür. Dennoch: Die Ausbildung hat mich auf den hart umkämpfen Markt der freien Journalisten gut vorbereitet. Ich bin multimedial ausgebildet, kann also ein Thema sowohl einer Zeitung als auch einem Radiosender anbieten. Und: Ich habe ein funktionierendes Netzwerk aus Dozenten, Lehrredaktionskollegen und Ehemaligen. Zudem ist die Journalistenschule immer noch eine herausragende Referenz im Lebenslauf. Redaktionsleiter wissen: Hier hat jemand ein hartes Auswahlverfahren überstanden und hunderte Bewerber hinter sich gelassen. Insofern lohnt die Bewerbung auf jeden Fall. Wer sich das Auswahlverfahren nicht zutraut, dem sei gesagt: Nicht abschrecken lassen! Die anderen kochen auch nur mit Wasser. Je besser vorbereitet man ist, desto größer sind die Chancen.
Tipps und Infos: Der DJV hat eine Übersicht über Journalistenschulen in Deutschland samt Kontaktdaten und Informationen über die Inhalte und Dauer der Ausbildung, Aufnahmevorraussetzungen und die Kapazitäten zusammengestellt.
Erfahrungsberichte aus Printmedien
Ausgenutzt in der Lokalredaktion
von: Anonym
Wir sind vier Volontärinnen. Jede von uns hat eine eigene Redaktion. Das heißt, dass jede von uns täglich eine eigene Seite produzieren muss - eigenverantwortlich. Betreut werden wir im Prinzip von niemandem. Auf uns vier Volos kommen zwei Redakteure. Wir haben keinen Ausbildungsplan, keinen Ausbildungsredakteur und sitzen zwei Jahre in der Lokalredaktion. Mantelstationen machen wir nicht. Selbst das Angebot eines Voloaustauschs mit unserem "Mutterschiff"; hat unser leitender Redakteur abgelehnt (ist ja auch klar, weil er dann wahrscheinlich selbst arbeiten müsste). Wo wir auch schon beim nächsten Thema sind: unser Chef. Er ist nie da, kommt morgens um acht und geht um zwölf in die "Mittagspause", kommt danach meist aber nicht mehr wieder. Er betreibt Gefälligkeitsjournalismus und zieht uns da mit rein. Das bedeutet, dass Texte von gewissen Leuten oder Institutionen oberste Priorität haben. Unsere Leser sind natürlich nicht doof und merken das. Wir werden schon privat darauf angesprochen. Er ruiniert ganz nebenbei also auch den Ruf der Zeitung. Zudem muss man sagen, dass unser Chef bis auf die eigene noch keine andere Redaktion von innen gesehen hat. Wie er an den Job gekommen ist? Vitamin B. Wir haben eine ca. 50 Stunden Woche ohne Abendtermine und Wochenenddienste und arbeiten so gut wie jedes Wochenende. Ausgleiche gibt es so gut wie gar nicht.
Tipps und Infos: In solchen Fällen raten wir DJV-Mitgliedern dringend, sich an ihren jeweiligen DJV-Landesverband zu wenden. Dort wird man prüfen, was getan werden kann um diese offensichtlich untragbaren Zustände zu ändern.
alle Erfahrungsberichte aus Printmedien...
Erfahrungsberichte aus Nachrichtenagenturen
Thema: Urlaub für zusätzliche Bildung
Von: Nina
Ich bin Nachrichtenvolontärin bei einer Agentur. Während meiner Ausbildung habe ich zwar ein Seminar besuchen dürfen, musste mir aber für zusätzliche Bildungsangebote, die ich nutzen wollte, Urlaub nehmen.
Tipps und Infos: Die Dauer der von den Arbeitgebern gewährten außerbetrieblichen Bildungsmaßnahmen von Volontären sollte nach Ansicht des DJV mindestens sechs Wochen betragen. In den Tarifverträgen für Volontäre an Tageszeitungen und Zeitschriften sind diese außbertrieblichen Bildungszeiten enthalten. In Medienbereichen, in denen solche tarifvertraglichen Regelungen nicht existieren, sollte der angehende Volontär darauf achten, dass die Weiterbildung im Arbeitsvertrag festgeschrieben wird. Damit jeder Arbeitnehmer eine bestimmte Anzahl an bezahlten Arbeitstagen im Jahr für seine individuelle Fort- und Weiterbildung vom Arbeitgeber freigestellt wird, gibt es darüber hinaus in fast allen Bundesländern Bildungsurlaubs- bzw. Bildungsfreistellungsgesetze, die den Anspruch der Arbeitnehmer auf Freistellung und Lohnfortzahlung regeln.
Erfahrungsberichte aus Fernseh- und Hörfunksendern
Thema: Volo-Träume
Von: Anonym
Ein Volontariat in der Medienbranche zu finden, ist kein leichtes Unterfangen.
Umso glücklicher war ich, als die Zusage für einen Volontariatsplatz bei einem privaten Fernsehsender in Süddeutschland kam. Das Glücksgefühl hielt jedoch nicht allzu lange. Statt einer fundierten Ausbildung blieb es bei Lippenbekenntnissen. Eine Ausbildung, die diesen Titel auch wirklich verdient hätte, fand trotz mehrfachen Nachfragens nicht statt. Stattdessen blieb das ungute Gefühl, lediglich billige Arbeitskraft zu sein und nicht ein Auszubildender, dem die Chance gegeben wird, wirklich etwas dazu zu lernen und sich weiterzubilden. Einfach fiel die Entscheidung nicht, die Konsequenzen zu ziehen und das Volontariat abzubrechen. Und doch war es ein Gefühl der Befreiung, als es vollzogen war. Ich bereue diese Entscheidung nicht. Was genau in einem Volontariat an Wissen vermittelt werden muss, ist in Deutschland leider nicht festgelegt. Der Leitfaden des DJV zur Volontärs-Ausbildung bietet allerdings einen guten Überblick. Abschließend kann ich jedem in der gleichen Lage nur raten, sich nicht mit einer solchen Situation abzufinden. Ein Volontariat, das nur auf dem Papier besteht, qualifiziert nicht für die Anforderungen im Medienbereich.
alle Erfahrungsberichte aus den Rundfunksendern...
Erfahrungsberichte aus Onlineredaktionen
Thema: Harte Kritik nach Praktikum
Von: Ines
Ich habe ein Praktikum in der Internetredaktion einer Tageszeitung absolviert. Dort durfte ich sofort an der Redaktionskonferenz teilnehmen; die Mitarbeiter zeigten, dass sie froh um die Unterstützung waren. Die weitere Betreuung war jedoch nicht besonders intensiv und auch die Aufträge der Redakteure wurden mit der Zeit immer weniger. Lediglich mit zwei von zehn Redakteuren war die Zusammenarbeit so, dass ich das Gefühl hatte, etwas zu lernen. Nach einigen Wochen hatte ich ein Feedbackgespräch mit zwei Redakteuren, deren Kritik wenig konstruktiv, aber hart war. Dieses Gespräch entsprach meiner Meinung nach dem gesamten Betriebsklima.





