Journalistische Ausbildung an Hochschulen

Die Diskussion um die Reform der Journalistenausbildung in den 1970er Jahren war verbunden mit der Suche nach Alternativen zum Volontariat. Die  gestiegenen Anforderungen an Journalisten legten dabei die Ausbildung an Hochschulen nahe. Die traditionellen Publizistik-Studiengänge allerdings waren von ihrer Zielrichtung her – und damit auch von Inhalten und Organisation des Studiums – nicht auf eine praxisbezogene Journalistenausbildung eingestellt. Angestrebt wurden daher neue Modelle mit einer Verbindung von Theorie und Praxis des Journalismus, von Studium mit einem integrierten Volontariat. Die ersten dieser universitären Ausbildungsgänge entstanden in Dortmund und  München.

 

Akzeptanz in den Redaktionen

Die anfängliche Skepsis auf Seiten der Praxis (ihr waren "Diplom-Journalisten" zunächst suspekt) wich schon nach wenigen Jahren einer breiten Akzeptanz. Die Anbindung der Stu diengänge an die Praxis (durch Volontärspraktika für Studierende einerseits und Lehraufträge für journalistische Praktiker  andererseits) ließ Befürchtungen der Journalisten und Verleger vom praxisfernen universitären "Elfenbeinturm" in den Hintergrund treten. Die Hochschulen entwickelten bald weitere Formen der Journalistenausbildung: Aufbau-Studiengänge, die sich an journalistischen Nachwuchs mit abgeschlossenem Studium wenden, und Nebenfach-Studiengänge, in denen durch Kombination des (Neben-) Fachs Journalistik mit anderen  Hochschulfächern die optimale Verbindung von Fach- und Sachwissen gefördert werden soll. Und auch traditionelle Publizistik- bzw.  kommunikationswissenschaftliche Studiengänge öffneten sich zum Teil den praktischen Berufsanforderungen: Mit Praktika, Medienlaboren oder -projekten ermöglichen beispielsweise die Universitäten Berlin, Bochum, Dresden,  München, Münster oder Stuttgart-Hohenheim auch Einblicke in das  journalistische Berufsfeld.

Inzwischen sind die Studienangebote im Bereich Journalismus fast unüberschaubar. Viele Universitäten, Fachhochschulen und private Akademien machen sich das große Interesse an Medienberufen zunutze und schaffen Angebote auch für Randbereiche des Journalismus. Einzelne dieser Angebote sind über die normalen Studiengebühren hinaus kostenpflichtig. Bewerber/-innen müssen zum einen darauf achten, dass die Studieninhalte breit genug angelegt sind, um für den praktischen Journalismus zu qualifizieren, und zum anderen darauf, dass der Studiengang in der Praxis akzeptiert ist. Der DJV bietet eine Checkliste zur ersten Einschätzung von Studienangeboten.

Praktikum hat große Bedeutung

Wichtiger Aspekt bei der hochschulgebundenen Ausbildung ist die Praxisphase. Durch die Einbettung dieser Praxisphase in den Studiengang soll sowohl eine gründliche Vorbereitung auf die journalistische Arbeit als auch – im weiteren Studienverlauf – eine umfassende Aufarbeitung dieser Erfahrungen ermöglicht werden. In der Regel haben die Hochschulen mit den Verlagen und Rundfunkanstalten Vereinbarungen getroffen, um Praktikumsplätze für die Studierenden zu sichern. In der Vergangenheit hat es aber gerade an dieser Schnittstelle zwischen Universität und Praxis die meisten Schwierigkeiten  gegeben – sei es, dass nicht genügend Plätze zur Verfügung standen bzw. von Verlagen Auflagen bezüglich der Bewerber/-innen gemacht wurden, oder sei es, dass Praktikanten nicht mehr zur Universität zurückkehrten, weil sie in den Redaktionen gleich übernommen worden waren. Schwierigkeiten mit Praktikumsplätzen gibt es auch heute noch; diese Probleme haben teilweise zu Veränderungen von Aufnahmebedingungen und Prüfungsordnungen geführt. Über den aktuellen Stand geben die jeweiligen Hochschulen Auskunft.

Für Journalistik-Studiengänge mit integriertem Volontariat oder langer Praxisphase gilt dasselbe wie für andere Ausbildungsformen: Die Bewerberzahlen übersteigen bei weitem die Kapazitäten. Strenge  Auswahlverfahren sind die Folge, über die die jeweiligen Institute Auskunft geben.

 

Bologna-Prozess

Im Zuge des sogenannten Bologna-Prozesses, der Studiengänge europaweit vergleichbar machen soll, stellen nun auch die bewährten Journalistik-Institute Curricula und Abschlüsse von Magister oder Diplom auf Bachelor und Master um. Diese Studienreformen laufen derzeit, und nicht alle Konzeptionen sind bereits abgeschlossen oder gar offiziell akkreditiert. Wie diese neuen Studiengänge bei den Medienunternehmen ankommen, ob potenzielle Arbeitgeber eher den  Bachelor oder den Master bevorzugen werden, ist ebenfalls noch offen.

Von den breit angelegten, grundständigen Diplom-Studiengängen Journalismus hat die Dortmunder Uni ihr bewährtes Modell mit integriertem Volontariat im Akkreditierungsverfahren halten können und in die Bachelor- und Master-Ausbildung übertragen. Andere Journalistik-Studiengänge stellten ihr Konzept im Zuge des Bologna-Prozesses um: die Uni München auf den Bachelor in  Kommunikationswissenschaft, die Uni Leipzig auf den Master Journalistik, der ein abgeschlossenes Studium voraussetzt.

Eine Übersicht über akkreditierte Studiengänge bietet die  Hochschulrektorenkonferenz mit dem Hochschulkompass unter den Stichwörtern Journalismus, Journalistik, Kommunikation oder Medien. Darin sind auch Bewertungen der einzelnen Studiengänge enthalten. Es ist empfehlenswert, sich sowohl dort als auch auf den Internet-Seiten der einzelnen Studienangebote aktuell zu informieren.