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http://www.djv.de/index.php?id=1972&type=98 | Druck: 22.05.12 22:12:20 |
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Über das Geschäft mit Bildern - ein Interview mit Eric Bach (superbild)

- Screenshot superbild.de
DJV: Herr Bach, wie lange sind Sie jetzt im Bildgeschäft tätig?
Eric Bach: Seit Oktober 1964, während meines Studiums der Journalistik in London, arbeitete ich als Freelancer für englische, amerikanische und japanische Presseagenturen. 1982 eröffnete ich meine erste Pressebild-Agentur. 1986 folgte SUPERBILD in Deutschland, 2002 das Internet-Portal A1PIX.com in London.
DJV: Ihr Team, Ihre wichtigsten Mitarbeiter bei superbild, wie viele Personen sind mit Ihnen zusammen in etwa tätig?
Eric Bach: 27 Personen, davon 10 in Teilzeit. Nahezu die Hälfte der Mitarbeiter sind bereits 15 Jahre und länger in der Firma.
DJV: Können Sie uns einige Ihrer wichtigsten Kunden nennen?
Eric Bach: Burda, Bauer, Springer. Superbild hat in Deutschland insgesamt 8798 Kunden. Mit den 30 besten Kunden erwirtschaften wir jährlich 625.000 Euro.
DJV: Welche Bilder braucht der Bildermarkt heute?
Eric Bach: Bilder mit klarem Inhalt, Richtung Featurebild und vor allem mit Citizen-Fotografen für Bildjournalisten mit aktuellem oder Tageszeitungshintergrund.
DJV: Sie haben kürzlich eine größere - ich glaube sechsstellige Summe - in den Relaunch Ihrer Datenbank investiert und dazu sogar eigene Programmierer beschäftigt. Warum genügt für den Bilderverkauf kein Kostenlos-Freeware-Programm aus dem Internet?
Eric Bach: Heute ist Globalität und schnelle Übertragungstechnik erste Priorität im Bildgeschäft. Da wir international anbieten, werden wir wie die amerikanischen Globalplayer datenbankmäßig von unseren Kunden gemessen. Unser Investment in unsere englische A1PIX.com Datenbank mit 15 Sprachen und 1,6 Millionen Keywörtern liegt bei 470.000 EUR. Der Kunde geht heute nur in Portale, die viele Suchkriterien bieten. Das kann nicht mit Freeware-Programmen funktionieren.
DJV: Immer öfter ist die Rede von den "Microstock"-Agenturen, die Bilder ab 0,99 Euro anbieten. Ist das eine reelle Konkurrenz oder nur viel heiße Luft?
Eric Bach: Ja, sie bieten Bilder ab 59 Cent an und versprechen den Fotografen, dass sie 25 Cent pro Bild erhalten. 750 Bilder zum Downloaden zum Monatspreis von 159 EUR. Mir sind bereits 29 Microstock-Agenturen bekannt. Auch im Textilbereich gibt es Massenware zu Schleuderpreisen, hochwertige Markenware und Haute Couture. Alle haben sich seit Jahrzehnten nebeneinander behauptet. Für gute Werbung werden nach wie vor angemessene Preise bezahlt. Dieser Bereich stellt hohe Anforderung an Qualität und möglichst viele Pixel, oft 80 MB und mehr pro Bild. Wo die Authentizität gleichgültig ist wird es funktionieren, bis die Urheber aufwachen.
DJV: Die großen Wettbewerber am Markt heißen Getty und Corbis: Haben mittlere und kleinere Anbieter hier überhaupt noch eine Chance?
Eric Bach: Auch große Mitbewerber liefern nicht jedes Bild, das der Markt fordert. So wird es für kleine Bildanbieter, wenn sie global aufgestellt sind, auch immer Nischen geben. Arbeiten denn die Globalen mit Gewinn???
DJV: Sie sind seit langem im Bildgeschäft tätig. Was bedeutet Ihnen die Mitgliedschaft im DJV - und was würden Sie sich mehr von ihm wünschen?
Eric Bach: Der Journalistenverband ist eine starke Gemeinschaft – das haben die Festen und Freien auch erkannt. Ein Verband kann nur so gut sein wie der Zusammenhalt seiner Mitglieder.
DJV: Weil Sie DJV-Mitglied sind, bieten Sie Ihre Bilder auch über das DJV-Bildportal an. Warum?
Eric Bach: Jedes Bildportal, in das man seine Bilder zu vernünftigen Preisen einbringen kann, ist für Urheber Überlebensstrategie. Das sollte sich jeder Bildjournalist hinter die Ohren schreiben, der heute vielleicht noch bei einigen Auftraggebern gut verdient. Es kann morgen schon anders sein! Das DJV-Bildportal bietet hier eine reale Chance für die Zukunft unseres Berufes.
DJV: Das DJV-Bildportal ist vor einem Jahr gestartet. Bisher haben sich rund 50 Kolleginnen und Kollegen dran beteiligt. Was sagen Sie den vielen, die immer noch abwarten?
Eric Bach: Wenn ich im DJV-Bildportal recherchiere, stelle ich fest, dass gerade die aktuellen Featurebilder fehlen, z. B. die Hand einer alten Frau mit Geld, die Tiefgaragen-Einfahrt, Autos in der Warteschlage, Schneeketten anlegen oder alles aus dem technischen Bereich in close-up. Alles Bilder, die jeder Journalist kostenlos aufnehmen kann. Viele Journalisten fotografieren nur selten und dann meist im Auftrag. Aus eigener Erfahrung habe auch ich bei Auftrags- produktionen weitere Themen mit fotografiert, auch wenn es nur das Stadtbild war oder Details von Menschen.
Aus der eigenen Bildagentur ist mir bekannt, dass viele Bildjournalisten ihre besten Bilder für sich behalten. Sie "lieben" ihre guten Bilder, das ist das Verhängnis, und geben die second Quality weiter. Der Markt jedoch fordert erste Qualität an Bildinhalt, Farbe, Ausschnitt!
DJV: Sind 200 Euro Anmeldegebühr, 250 Euro für die Software und 30 Euro monatlich heutzutage nicht zu viel Geld für eine Internetpräsenz?
Eric Bach: Sicher sind für einen Urheber, der nur 10 bis 30 Bilder ins Portal einstellen will, 450 EUR Einstand + Monatsgebühr zu viel. Aber hat denn ein Bildjournalist wirklich nur 30 gute Bilder? Dann soll er einmal bei einem Sonntagsausflug fotografieren!
DJV: Wenn meine Bilder nicht abgerufen oder gedruckt werden, was raten Sie mir als Bildjournalist, in welche Richtung muss ich eventuell umdenken?
Eric Bach: Immer wieder sehe ich, dass 10 bis 15 identische, nur leicht variierte Bilder geliefert werden. Der Kunde sucht nur das beste Bild! Möglichst breit gestreute Themen fotografieren und, wie gesagt, Qualität und nicht Quantität. Keine vermoosten alten Autos in USA oder einen zerfallenen Baumstumpf mit Blatt. Solche Bilder verkaufen sich fast nie.
DJV: Angesichts der heutigen Markt- und Mediensituation: Würden Sie, wenn Sie Wahl hätten und wieder 25 wären, wieder ins Bildergeschäft gehen?
Eric Bach: Das kann ich nicht sagen! Als ich anfing, gab es über 5000 arbeitslose Fotografen in Deutschland. Ich ging mit 30 DM nach Köln zur Kunstakademie! Mein Nebenjob "Fotografie" brachte mich nach London. Mit 57.000 DM kam ich vom Journalistenstudium zurück.
DJV: Die Zukunft des Bildermarktes: Spannender? Aussichtsloser? Beliebiger? Größer (mehr Nachfrage)? Kleiner (weniger Nachfrage)?
Eric Bach: Sie haben bereits die wichtigsten Positionen aufgelistet. Spannender? Ja - Beliebiger? Ja - Größer? Ja - aber auch härter. Die Luft wird dünner. Jeder muss sich der täglichen Herausforderung mit voller Kraft stellen. Der Tag hat 86.400 Sekunden und die verlorene Zeit wird nicht gut geschrieben.
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