Netzwerk für Freie: Das Journalistenbüro

Sie heißen "Schön & Gut", "Journalistenetage", "Autorenwerk" oder "Plan17". Manche sehen sich eher als loses Netzwerk, andere arbeiten in ihren Büros auch an gemeinsamen Projekten. Ein Journalistenbüro ist die Alternative für freie Journalisten, die nicht von zu Hause arbeiten wollen. Hier finden sie Gleichgesinnte, mit denen sie sich austauschen können: Sei es einen Kollegen, der schnell noch mal einen Artikel gegenlesen kann, bevor er an den Auftraggeber rausgeschickt werden muss - oder ein Tipp hat bei der Suche nach einem Experten. Im geschützten Rahmen eines Journalistenbüros werden Kontakte gern weitergegeben.

Bevor so ein Büro gegründet ist, bedarf es eines gewissen Maßes an Organisationstalent und am besten finanzieller Rücklagen, um in Ruhe nach den geeigneten Räumen suchen zu können. Vor allem aber braucht der Journalist Zeit. Denn so eine Bürogründung dauert meist länger als zunächst gedacht. Auch eine neu zu installierende Telefonanlage nimmt den Bürogründer im schlimmsten Fall über Tage in Beschlag. Sind all diese Hürden gemeistert, kann die eigentliche Arbeit aufgenommen werden.

Die Mitglieder einer Bürogemeinschaft finden sich meist über Rundmails oder private Kontakte. Einige DJV-Landesverbände haben eine Art "Schwarzes Brett", auf dem Angebote und Gesuche per Mail weitergeleitet werden. Manche Bürogemeinschaften holen sich bewusst Fotografen und Grafiker mit ins Boot, um den Auftraggebern eine größere Angebotspalette offerieren zu können. Andere Büros bestehen nur aus Journalisten.

Das "Journalistenbüro Berlin" im Berliner Bezirk Mitte deckt die ganze Bandbreite der Branche ab: Einige Journalisten aus der Bürogemeinschaft arbeiten für Zeitungen und Magazine, andere fürs Radio oder Fernsehen. Auf fast 170 Quadratmetern haben sich insgesamt 11 Journalisten und zwei Übersetzerinnen zu einer Bürogemeinschaft zusammengeschlossen. "Das hört sich viel an, doch nur selten sind auch wirklich alle da", sagt Anke Nolte, die als Medizinjournalistin arbeitet und Mitbegründerin des "Journalistenbüro Berlin" ist.

Nolte war zuvor auch als Festangestellte im Verlag tätig, doch sie merkte, dass sie darauf keine Lust mehr hatte. Auch Mobbing war ein Thema, sagt sie. Also kam sie vor gut neun Jahren auf die Idee, als Freie zu arbeiten und mit einer Kollegin ein eigenes Büro zu gründen: "Freiheit gegen wirtschaftliche Unsicherheit", nennt Nolte es. Heute hat sie im Bereich Medizin ihre Nische gefunden.

Anders als in einigen Journalistenbüros macht hier jeder seine eigenen Sachen. Das Büro tritt nicht als geschlossene Einheit auf, so ist zum Beispiel bis heute nicht jeder Kollege auf der eigenen Internetseite www.journalistenbuero-berlin.de vertreten. Manchen ist es nicht wichtig, andere haben selbst ihre eigene Website. Der Vorteil eines solchen Internetauftritts ist, dass sie sich professioneller präsentieren können und eine Interviewanfrage etwa beim Bundesgesundheitsministerium nicht mehr mit einer privat anmutenden web.de oder gmx.de E-Mailadresse abschicken müssen.

Anke Nolte teilt sich ihr Zimmer mit einer Kollegin, andere sitzen in einem Einzelzimmer. Die Miete staffelt sich je nach Raumgröße – zwischen 100 und 130 Euro pro Person, dazu kommen noch die Telefonkosten. Jeder hat seinen eigenen Anschluss, da muss man sich nicht mit komplizierten Telefonanlagen herumschlagen – oder die monatlichen Rechnungen auseinander rechnen.

In den Zimmern herrscht der jeweilige Stil des Büroinhabers. Journalist Gunnar Leue lebt frei nach dem Motto: Solange ich noch alles finde, ist es doch okay. Für den Journalisten war das freie Arbeiten zunächst eine Notlösung. "Heute empfinde ich das als Vorteil, denn ich kann machen, was ich will. Wenn ich manchmal mit den fest angestellten Redakteuren telefoniere, jammern sie über die schlechte Stimmung in ihren Häusern."

Das ist der Vorteil an Journalistenbüros: Man kann sich die Kollegen selbst aussuchen. Im Nebenraum arbeiten Mirko Heinemann und Christina Jäger, in einer Ecke ihres Büros steht eine riesige alte Radio-Bandmaschine inklusive Archiv. "Die Vorgängerin zahlt noch immer Miete, damit sie ihr Prachtstück stehen lassen kann", sagt Mirko Heinemann. Er arbeitet unter anderem für "Das Parlament", das Stadtmagazin "Zitty" sowie für diverse Radiosender. Seit einem Jahr ist er nun Teil der Bürogemeinschaft.

"Während eines Gesprächs mit den Kollegen entstehen manchmal richtig gute Ideen", sagt Heinemann. Das schätzt er am Büro. Seine Kollegin Christina Jäger ist Parlaments-Korrespondentin für die "Hamburger Morgenpost". Sie lebt und arbeitet erst seit kurzem in Berlin. Auch sie profitiert vom Netzwerk – und der Nähe des Büros zum Deutschen Bundestag.

Jedes Mitglied der Bürogemeinschaft ist auch Hauptmieter. "So ist garantiert, dass es keine Hierarchien gibt", sagt Anke Nolte. Die Kollegen Leue und Heinemann schmunzeln, es hört sich sehr nach Idealismus und WG-Leben an. Und in der Tat, es hat dann doch etwas von einer WG, wie sie da im Gemeinschaftsraum zusammensitzen und sich an eine gelungene Geburtstagsfeier erinnern.

Der Alltag ist klar geregelt: Versicherung, Strom- und Wasserabrechnung, Mietüberweisungen – jeder hat seine Aufgaben. "Es ist in all den Jahren noch nie vorgekommen, dass die Miete mal nicht überwiesen wurde", sagt Nolte. Im Journalistenbüro läuft eben viel auf Vertrauensbasis – und so viele Journalisten es mittlerweile auch geben mag, die Branche ist dann doch übersichtlich. Nur eines wurde noch nicht organisiert: ein Putzplan. Doch bisher ging es auch so.