Erfahrungsberichte aus den Printmedien

Ausgenutzt in der Lokalredaktion 

von: Anonym

Wir sind vier Volontärinnen. Jede von uns hat eine eigene Redaktion. Das heißt, dass jede von uns täglich eine eigene Seite produzieren muss - eigenverantwortlich. Betreut werden wir im Prinzip von niemandem. Auf uns vier Volos kommen zwei Redakteure. Wir haben keinen Ausbildungsplan, keinen Ausbildungsredakteur und sitzen zwei Jahre in der Lokalredaktion. Mantelstationen machen wir nicht. Selbst das Angebot eines Voloaustauschs mit unserem "Mutterschiff"; hat unser leitender Redakteur abgelehnt (ist ja auch klar, weil er dann wahrscheinlich selbst arbeiten müsste). Wo wir auch schon beim nächsten Thema sind: unser Chef. Er ist nie da, kommt morgens um acht und geht um zwölf in die "Mittagspause", kommt danach meist aber nicht mehr wieder. Er betreibt Gefälligkeitsjournalismus und zieht uns da mit rein. Das bedeutet, dass Texte von gewissen Leuten oder Institutionen oberste Priorität haben. Unsere Leser sind natürlich nicht doof und merken das. Wir werden schon privat darauf angesprochen. Er ruiniert ganz nebenbei also auch den Ruf der Zeitung. Zudem muss man sagen, dass unser Chef bis auf die eigene noch keine andere Redaktion von innen gesehen hat. Wie er an den Job gekommen ist? Vitamin B. Wir haben eine ca. 50 Stunden Woche ohne Abendtermine und Wochenenddienste und arbeiten so gut wie jedes Wochenende. Ausgleiche gibt es so gut wie gar nicht.

Tipps und Infos: In solchen Fällen raten wir DJV-Mitgliedern dringend, sich an ihren jeweiligen DJV-Landesverband zu wenden. Dort wird man prüfen, was getan werden kann um diese offensichtlich untragbaren Zustände zu ändern.

 

Ausgenutzt im Volontariat

von: Christina

Ich arbeite seit knapp zehn Monaten in einer kleinen Redaktion für ein Veranstaltungsmagazin, doch ich überlege schon seit Längerem, ob ich mich nicht lieber nach etwas anderem umsehen sollte. Ich habe das Gefühl (ähnlich wie die anderen Mitarbeiter), ausgenutzt zu werden. Ich muss sehr viel arbeiten, d.h. die ersten zwei Drittel des Monats 40 Stunden pro Woche, das letzte Drittel arbeiten wir quasi rund um die Uhr. Samstag und Sonntag arbeiten wir sowieso, manchmal sogar bis morgens um 7 Uhr. Die zahlreichen Überstunden werden mir aber in keinster Weise angerechnet oder gezahlt. Das war von Anfang an eine Selbstverständlichkeit.

Ich verdiene außerdem nur 800 Euro, bin aber als Volontärin die einzige Festangestellte, die schreibt. Das ganze Heft bzw. beide Hefte (da wir zwei Ausgaben haben) schreibe ich allein. Ein Vertrag wurde nie mit mir gemacht. Ich habe 21 Tage Urlaub im Jahr, wovon ich nur ein paar Tage am Stück und die nur Anfang des Monats nehmen darf, da ab Mitte eines jeden Monats der Redaktionsschluss naht. Fortbildungen gibt es keine und der Chef ist teilweise recht respektlos seinen Mitarbeitern gegenüber. Irgendwie sind das alles Gründe für mich keine volle zwei Jahre dort zu verharren.

Tipps und Infos: In diesem Fall kann man sicherlich von Ausnutzung sprechen. Ein Vertrag sollte jedem Volontariat zu Grunde liegen, eine angemessene Bezahlung müsste deutlich höher liegen, Überstunden, insbesondere wenn es so viele sind wie in diesem Fall, sollten ausgeglichen werden und Urlaub sollte möglichst zusammenhängend gewährt werden, da er der Erholung dient. Außerdem sollten Volontäre auf keinen Fall Redakteure ersetzen. Viele Punkte, die auch die DJV-Checkliste zum Volontariat vorsieht, sind in diesem Fall nicht umgesetzt. Leider erfüllen nicht alle Angebote, die sich Volotariat nennen, die Anforderungen, die Journalisten und Gesellschaft an qualifizierte Ausbildung stellen. Manchmal dienen Volontäre nur als billige Lückenfüller und werden höchstens kurz angelernt, nicht aber wirklich ausgebildet. Daher ist es trotz und gerade wegen der angespannten Lage auf dem Ausbildungsmarkt wichtig, die Qualität des Angebotes vor Beginn der Ausbildung möglichst genau zu prüfen. Und auf einen Vertrag, in dem alle wichtigen Ausbildungsgrundlagen geregelt werden, sollte jeder Volontär bestehen.

 

Eigeninitiative von Volontären

von: Heiko

Ich bin Redakteur bei einer Tageszeitung und fühle mich mit meinen 32 Jahren noch sehr jung. Neulich stand ein Volontär aus der Nachbarredaktion bei uns in der Tür und langweilte sich. Er sprach vom Sommerloch, außerdem stamme er ja nicht aus dem Verbreitungsgebiet, weshalb ihm die Themenfindung schwer falle. Wir nahmen ihn zur Seite und hatten in fünf Minuten bereits zehn mögliche (Reportage-) Themen zusammen.

Was ist passiert? Einerseits haben natürlich die erfahrenen Kollegen im direkten Umfeld versagt, denen eine gewisse Trägheit nicht abzusprechen ist. Aber auch der Volontär sollte sich fragen, ob ihm nicht etwas Entscheidendes fehlt: die Neugier! Gerade, wenn er nicht aus der Region stammt, ist für ihn alles neu und interessant. Das ist doch eine große Chance!

Es hilft also nicht, wie im Fall unseres Volontärs, ein super-tolles Studium, journalistische Erfahrung und die Begabung einer guten Schreibe mitzubringen. Entscheidend ist, etwas daraus machen zu wollen. Es muss ja nicht jeden Tag ein preiswürdiger Text werden.

 

Ausgenutzt im Praktikum


Von: Markus


Hallo, ich bin Schüler der deutschen Journalistenschule, habe regelmäßig gute Erfahrungen in Praktikumsunternehmen gemacht. Aber ich erlebte auch negative Beispiele: Während meines Praktikums bei einer Tageszeitung arbeitete ich vier Wochen im Lokalressort, manchmal sogar an den Wochenenden. Ich veröffentlichte fast täglich längere Meldungen und Geschichten. Die Redaktion zahlte nicht einen Cent, und kaum ein Redakteur unterstützte meine Arbeit. Nicht einmal eine Bestätigung meines Praktikums wurde mir auf den Weg gegeben. Heute bin ich froh, dass ich dort nicht mein Volontariat machen muss, denn da wäre ich vermutlich ähnlich ausgenutzt worden. 

Tipps und Infos: Es ist nicht leicht, ein gutes Praktikum schon im Vorhinein von einem schlechten oder missbräuchlich angebotenen zu unterscheiden. Deshalb hat der DJV eine Checkliste erarbeitet, die dabei helfen soll, herauszufinden, wann Ihnen ein Praktikum nutzt – und wann Sie lieber die Finger davon lassen. Zudem haben DJV, dju und Jugendpresse Deutschland gemeinsame Richtlinien für journalistische Praktika veröffentlicht.

 

Volontär füllt Seiten in Überstunden

Von: Stefan


Ich bin Volontär bei einer Tageszeitung. Ein Trost für mich, dass ich nach Tarif entlohnt werde. Aber dafür muss ich was auf mich nehmen: Ein Volontär muss sich damit abfinden, Überstunden zu leisten. Darüber war ich mir vorher im Klaren. Dass es so ausartet, hätte ich aber nie gedacht. Zuweilen verlängern sich meine 40-Stunden-Wochen um 20 Stunden. Nicht, weil ich meine Arbeit erledigen muss, sondern weil ich als Urlaubsvertretung die Aufgaben der Kollegen mit übernehme. Das ist bei mir ein Dauerzustand. An zwei Tageszeitungsseiten arbeite ich als Volontär eigenverantwortlich. Zudem soll ich so oft es geht an eigenen Geschichten schreiben.

Tipps und Infos: Die Arbeitszeiten von Journalisten sind häufig ungeregelt, und Überstunden sind in den Redaktionen keine Seltenheit.  Jeder Redakteur und jeder Volontär hat allerdings ein Recht darauf, dass die Arbeitszeitregelungen aus Tarifverträgen, Arbeitsverträgen und Arbeitszeitgesetz auch Anwendung finden. In der Praxis kann es helfen, Buch über die geleisteten Überstunden zu führen, damit auf die Vorgesetzten zuzugehen und um Ausgleich der geleisteten Mehrarbeit zu bitten. Weitere Tipps und Infos zum Thema Überstunden finden Sie hier...

 

Kein Honorar, sondern Kosten


Von: Jürgen


Im Wirtschaftsressort einer Tageszeitung habe ich während meines Studiums ein Praktikum gemacht. Meine Arbeit dort wurde nicht honoriert und obendrein musste ich die Anreise zu Terminen selbst zahlen. Auch wenn man während des Praktikums viel lernt, dürfte zumindest eine Fahrkarte für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel drin sein.

Tipps und Infos: Der DJV fordert eine leistungsgerechte Vergütung von Praktikanten. Diese Forderung hat er auch in den gemeinsamen Richtlinien der Praktika-Offensive festgeschrieben. In der Realität ist es leider tatsächlich so, dass viele Praktika nicht vergütet werden. Schuld daran ist das Spardenken der Arbeitgeber genauso wie die große Konkurrenz um die angebotenen Praktikaplätze. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber vor Beginn des Praktikums auf die Vergütung an, zeigen Sie ihm die Richtlinien der Praktika-Offensive. In jedem Fall aber sollten Sie mit ihm vor Beginn des Praktikums vereinbaren, dass Fahrtkosten zu Terminen übernommen werden.

 

Stationen beim Volontariat


Von: Hans


Ich habe ein Volontariat bei einem Fachverlag absolviert. Die Ausbildung war in mehrere Module eingeteilt. Alle Volos durchliefen mehrere Fachzeitschriften-Redaktionen sowie die Online-Redaktion. In jeder Station bleibt man sechs Monate. Wer sich bewusst ist, dass er für Fachzeitschriften aus verschiedenen Handwerksbereichen schreibt, ist mit einem Volontariat bei diesem Verlag gut aufgehoben. Man erhält die üblichen Konditionen und Fortbildungen und hat die Möglichkeit, die fachjournalistische Arbeit aus vielen Blickwinkeln kennenzulernen.

Praktikum bei einer Tageszeitung / Lokalteil


Von: Rafaela


Ich bin Absolventin einer Deutschen Journalistenhochschule und habe bei einer Tageszeitung ein Praktikum gemacht, insgesamt war das sehr positiv. Gerade was die Praktika im Lokalteil angeht, wo es zwar kaum Geld (100 Euro), dafür aber eine Wohnung und einen individuellen Mentor gibt.

 

Praktika bei einer Tageszeitung aus Sicht der Redaktionsleitung


Von: Marianne


Ich war Redaktionsleiterin bei einer Tageszeitung. Die Praktikanten durften selten etwas schreiben oder Nachrichten auswählen, in der Regel bearbeiteten sie Fotoreportagen und kleinere Aufträge. Es war wegen der chronischen Unterbesetzung nicht möglich, sie wirklich etwas ausprobieren zu lassen, weil eine intensive fachliche Betreuung für sie selten möglich war. Praktikanten wurden auch als Umzugshelfer und Altpapier-Entsorger herangezogen (schwere körperliche Arbeiten). In der Regel erhielten sie keine Fahrtkostenerstattung von ihrem Wohnort zur Arbeitsstelle. Praktikanten arbeiteten montags bis freitags täglich acht Stunden. Es wurde ihnen jedoch im Einzelfall gewährt, dass sie früher gehen durften. Da wir Schichtdienst leisteten, waren Praktikanten gelegentlich auch zwei bis drei Stunden völlig allein in der Redaktion tätig. Von allen mir bekannten Praktikant/inn/en hat sich nur für eine einzige das Praktikum gelohnt: Sie erhielt eine Volontärsstelle beim Verlag, wurde anschließend jedoch nicht als Redakteurin übernommen. Nach meiner Meinung handelt es sich bei den Praktikanten in der Regel um motivierte junge Leute, die sich für das Berufsfeld Journalismus/Online-Journalismus ernsthaft interessieren.

 

Praktikum bei einer Tageszeitung / freie Mitarbeit

 


Ich wurde bei meinem Tageszeitungspraktikum von Anfang an in die Redaktionskonferenzen eingebunden, hatte eigene Termine. Meine Texte wurden von verschiedenen Redakteuren gelesen und korrigiert. Auch als Praktikantin habe ich bereits Zeilengeld erhalten.

Von: Stefanie