Online: Tarife und Honorare
Internetzeitungen, E-Mail-Newsletter, Online-TV und Netzradio: eine große Palette journalistischer Arbeitsgebiete ist durch die digitale Vernetzung entstanden. Die Kolleginnen und Kollegen in diesen Bereichen haben häufig noch die Haltung von Pionieren, die ein neues Terrain auskundschaften und mit seinen Möglichkeiten experimentieren.
So steht mit jedem neuen Relaunch immer noch ein neues Abenteuer bevor: Auseinander fliegende Layouts, abstürzende Redaktionssysteme, stumme Server, verwirrte und begeisterte Alt- und Neu-User, - und darin eine Redaktion, die sich (auch noch) um die Inhalte kümmern darf. Hinzu kommen viele freie Mitarbeiter, die von Außen zuliefern oder in Tagesschichten mitarbeiten - häufig an mehreren Projekten gleichzeitig.
Unterschiedliche Bedingungen
Die tarifliche Situation im Onlinebereich ist sehr unterschiedlich. In den traditionellen Medienhäusern, die ihre Mitarbeiter für die hauseigene Abteilung Online einsetzen, finden die geltenden Tarifverträge Anwendung. So werden zahlreiche Onlineredakteure nach den Tarifverträgen für Tageszeitungen, Zeitschriften, öffentlich-rechtliche und private Rundfunksender eingestuft. Freie Mitarbeiter an Rundfunkanstalten fallen entsprechend unter die Tarifverträge für arbeitnehmerähnliche Mitarbeiter.
Rechtliche Aspekte
Schwieriger ist die tarifliche Situation allerdings bei juristisch unabhängigen Tochterfirmen tariflich gebundener Medienunternehmen. Hier finden Tarifverträge juristisch in den meisten Fällen nur im Falle von Ausgliederungen für die übernommenen Mitarbeiter lediglich einzelvertragliche Anwendung. Bei neuen Mitarbeiter dagegen ist in der Regel überhaupt keine tarifvertragliche Bindung gegeben. Das gilt erst recht bei neugegründeten eigenständigen Unternehmen. Der DJV fordert hier den Abschluss von Online-Tarifverträgen, die sich an den geltenden Tarifverträgen der Branche orientieren. Das gilt insbesondere auch für den Abschluss eines Online-Tarifvertrags für Volontäre, für den der DJV bereits einen Entwurf vorgelegt hat.
Verbesserung der Situation
Eine Voraussetzung für die Verbesserung der Situation in den neuen Onlinefirmen ist die Gründung von Betriebsräten, die vom DJV unterstützt wird. Weiterhin gilt aber auch in den traditionellen Medienhäusern, dass die Mitarbeiter aus den Onlinebereichen sich in Betriebs- und Personalrat engagieren müssen, wenn ihre Belange Beachtung finden sollen. Das gilt hier insbesondere für Arbeitszeitfragen, die Eingruppierung und gesundheitliche Fragen, insbesondere die Ausstattung der Bildschirmarbeitsplätze.
Stichwort: Rezession
Die wirtschaftliche Rezession, die sich im Jahresverlauf 2001 immer deutlicher abzeichnete, hat zur Einstellung von Angeboten oder Kündigungswellen bei zahlreichen Onlinediensten geführt. Hintergrund ist ganz besonders die oft unbefriedigende Situation bei den Anzeigenerlösen bzw. die entsprechende Erlössituation bei den Mutterfirmen. Hier zeigt sich häufig, wie schutzlos Beschäftigte sind, wenn sie keinen Betriebsrat gewählt haben: Mangels Sozialplanpflicht die Kündigungen mitunter ohne jede Abfindung vollzogen.
Die Situation der Freien
Die freien Onlinejournalisten sind von der Krise ebenso betroffen: Zum einen fallen Auftraggeber fort, zum anderen werden offene Rechnungen nicht mehr beglichen. Hinzu kommt, dass einige Auftraggeber die komplette Abtretung aller Rechte an ihren Beiträgen ohne gesondertes Honorar verlangen. Damit ist die betriebswirtschaftlich eigentlich notwendige Mehrfachverwertung nicht mehr möglich. Der DJV setzt sich daher für die Reform des Urhebervertragsrechts ein, durch die ein gesetzlicher Anspruch auf angemessene Vergütung geschaffen wird.
Der DJV hilft
Freie Onlinejournalisten sind in der Regel in der Künstlersozialkasse versicherungspflichtig; der DJV berät hier seine Mitglieder und vertritt sie in Streitfällen. Auch in Fragen von Zusatzversicherungen, Steuern, rechtlichen Fragestellungen und betriebswirtschaftlichen Aspekten bietet der DJV Beratungshilfen. In der Übersicht "Vertragsbedingungen und Honorare finden sich aktuelle Übersichten und Empfehlungen für den Onlinebereich. Im DJV-Ratgeber "Von Beruf: Frei finden sich weitere Informationen.
Der neue Fachausschuss Online
Der DJV hat auf seinem Verbandstag in Lübeck im November 2001 die Einrichtung eines eigenen Fachausschusses Online beschlossen. Hier werden Kolleginnen und Kollegen aus den Landesverbänden in Zukunft über alle tariflichen und berufspolitischen Fragen diskutieren.






