Dokumentation
DJV-Fachtagung "Zukunft des Rundfunks: Qualität"
3./4. September 2007, IFA Berlin
Arbeitsbedingungen und Qualität im Rundfunk
Workshop 1: Hörfunk
Zusammenfassung Workshopergebnisse:
Andrea Grotke:
Die Zeit ist natürlich viel zu kurz. Das wird den anderen sicherlich genauso gegangen sein. Es wurden sehr viele Themen angeschnitten. Bei uns waren sehr, sehr viele Kollegen von den öffentlich-rechtlichen Anstalten, aber auch einige Kollegen von den Privaten. Es haben sich vier Themenkomplexe herauskristallisiert, die Einfluss auf Qualität haben. Diskutiert wurde über die Rolle der Redakteure, die Rolle der freien Mitarbeiter, die Technik wurde angesprochen und auch der Hörer. Bei den Festmitarbeitern fiel das Wort, man mag es mir verzeihen, man sollte "mehr Arsch in der Hose" haben, das heißt, mehr Verantwortung übernehmen, auch für die schlechten Beiträge. Das heißt, Redakteure sollten auch den Mut haben zu sagen: "Nein diesen Beitrag sende ich nicht, weil er aus diesen und diesen Gründen nicht meinem Qualitätsanspruch gerecht wird". Dann wurde gesagt, dass auch alt eingesessene Redakteure nicht alles können, obwohl sie das manchmal meinen. Jeder sollte nur das machen, war das Stichwort, was er auch wirklich kann, darauf sollte geachtet werden.
Es ging auch um die freien Mitarbeiter, vor allen Dingen um die Frage, wie mit ihnen umgegangen wird. Da fielen die Beispiele des Norddeutschen Rundfunks und auch des RBB. Langjährige Zugehörigkeit sollte nicht ignoriert, sondern anerkannt werden. Es ging auch darum, dass Kollegen nach zwölf oder 15 Jahren einfach gehen müssen und nach einer gewissen Pause wieder kommen können, aber dann noch mal von vorne anfangen. Das hat natürlich auch Auswirkung auf die Qualität von Beiträgen, die sie machen. Zudem ging es um die Recherche, dass vor allen Dingen die Recherche bei freien Mitarbeitern honoriert werden muss. Es kann also nicht sein, dass nur die Länge des Beitrags honoriert wird, sondern man sollte auch schauen, wie der Aufwand war, wie lange der Mitarbeiter an diesem Stück gesessen hat.
Für beide Gruppen gilt, dass es eine gute Ausbildung geben muss, denn die ist ausschlaggebend für die Qualität. Man sollte also Nachrichten und Kommentare voneinander unterscheiden können, das wäre schon ganz wichtig. Manche Volontariate würden diese Namen allerdings nicht verdienen, denn manchmal sind Volontäre einfach nur billige Arbeitskräfte und Ersatz. Auch die Technik wurde angesprochen. Gute Beiträge im Hörfunk sollten nicht nur Worte enthalten, sondern eben auch Geräusche, O-Töne. Das alles muss zusammengemischt werden. Und dafür, wurde plädiert, sind Techniker notwendig, die das auch wirklich gut können und nicht einfach von Journalisten ersetzt werden. Eine Kollegin stellte die Frage: Wer entscheidet, welche Welle auf welcher Frequenz gesendet wird? Manche Info-Programme würden nicht gut gehört, obwohl sie sehr gute Beiträge produzieren und auch ausstrahlen, weil sie auf schlechten Frequenzen ausgestrahlt werden.
Dann ging es auch um den Hörer. Es wurde die Frage gestellt: Für welchen Hörer senden wir eigentlich? Die Journalisten müssten sich die Frage stellen, für wen sie ihr Produkt eigentlich machen. Was will der Hörer? Wo lebt er? Versteht er überhaupt die Sprache, die ich spreche? Muss ich mich ihm annähern mit meiner Sprache, auch damit er versteht, was ich von ihm will und was ich ihm eigentlich mitteilen will? Und daraus wurde dann abgeleitet, dass man natürlich Zwei-Minuten-Beiträge, Vier-Minuten-Beiträge senden kann, aber auch 30-Minuten. Das ist abhängig davon, für wen ich sende. Zum Schluss wurde diskutiert über die Formvielfalt bei Beiträgen im Hörfunk. Authentizität und die Wahrhaftigkeit dürfen nicht darunter leiden. Da wurde ein Beispiel angeführt, dass es eben vorgefertigte Beiträge oder Interviews gibt, die gesendet werden und der Moderator tut so, als wenn er dieses Interview gerade führen würde. Darunter leidet natürlich die Qualität, sprich die Authentizität und ihre Wahrhaftigkeit.





