Workshop 1

"Wo bin ich? Eine Stärken – Schwächen – Analyse"

Referentin: Helen Hannerfeldt

Helen Hannerfeldt griff das Thema spielerisch auf. Alle Workshopteilnehmer bekamen zu Beginn vier Karten zugeteilt, auf denen Eigenschaften zu lesen waren, die blau, grün, gelb oder rot unterlegt waren. Wer sich mit diesen vier Wesenszügen identifizieren konnte, war gut dran. Wem das nicht gelang, der konnte mit anderen tauschen – und sich so z.B. statt dem blauen "objektiv" ein rotes "vertrauensvoll" organisieren. Der Sinn der Übung wurde schnell klar: Es ging nicht nur um Wesenszüge, sondern vor allem um Stärken – um persönliche Stärken.

Die Wirtschaftspsychologin erläuterte den jungen Journalisten, dass es wichtig sei zu erkennen, in welchen Bereichen die eigenen Stärken liegen: Neben dem rationalen Ich (Farbe blau) gebe es das sicherheitsbedürftige Ich (grün) sowie das experimentelle Ich (gelb) und das fühlende Ich (rot). Diese Analyse der eigenen Fähigkeiten sei nicht nur im Vorfeld einer Bewerbung hilfreich, sondern generell im Leben. Wer sich mit sich auseinandersetze (Was kann ich? Was will ich?), komme leichter an sein Ziel (welches wiederum definiert sein sollte). Zudem empfahl Hannerfeldt, sich mehr mit seinen Stärken als mit seinen Schwächen auseinanderzusetzen, denn: "Stärken stärken, Schwächen schwächen."

In einer weiteren Übung konnten die Teilnehmer die "AHA-Technik" ausprobieren – eine Methode, mittels derer man sich eigene Stärken erarbeiten kann und Erfolge besser einzuschätzen lernt. Dafür galt es folgende Fragen zu beantworten: "Welcher Aufgabe habe ich mich angenommen? Wie bzw. durch welche Handlungsweise habe ich die Aufgabe gelöst? Wie sieht das Arbeitsergebnis meines Handelns aus und wie zufrieden bin ich damit? Hannerfeldt gab den Teilnehmern diesbezüglich zwei Erfahrungen mit auf den Weg: Erstens: Die Stärken, die sich bei dieser Übung (die man mehrmals täglich anwenden kann) herauskristallisieren, sind Schlüsselqualifikationen und damit der Schlüssel zum (beruflichen) Erfolg. Zweitens: In der Regel arbeite jeder Mensch mit einer handvoll Schlüsselqualifikationen, ergänzt durch einige Nebenqualifikationen. Die Referentin brachte abschließend eine Reihe eigener Erfahrungen zu diesem Thema mit ein – und sorgte nicht zuletzt dadurch für sehr kurzweilige anderthalb Stunden.

(Text: Regina Raedler)

Workshop 2

"Wo will ich hin?"

Referentin: Cordula Nussbaum

Die freiberufliche Journalistin und Trainerin begrüßte die Teilnehmer des Workshops mit den Worten "Herzlich willkommen in der Zukunft!". Wenn man sich auf die Zukunft vorbereiten wolle, brauche man eine Strategie für mehr Erfolg im Leben. Jedoch nütze die beste Strategie nichts, wenn man sein(e) Ziel(e) nicht kenne. "Erfolgreiche Menschen haben Ziele", brachte es Nussbaum auf den Punkt. Neben Strategien und Zielen ging es im Workshop auch um das Thema Selbstmarketing.

Nussbaum stellte eine erprobte Formel vor: Statt MvG (mehr vom Gleichen) solle man 4 x A + B anwenden: Alles anders als andere + besser. Dies erfordere drei Grundschritte:

  1.  Nachdenken
  2.  Entscheiden
  3.  Tun

Nussbaum führte diese Überlegungen genauer aus. Als erstes müsse man seine Eigenleistung erkennen bzw. das Produkt, das man anbieten möchte. Anschließend gelte es, sich über die eigenen Fähigkeiten bzw. Kompetenzen klar zu werden. Könne man seine Leistung realistisch einschätzen, müssen Ziele definiert werden. Ganz wichtig sei es, diese nicht nur zu formulieren, sondern sich mit ihnen zu identifizieren. Im nächsten Schritt könne man dann potenzielle Abnehmer bzw. Arbeitgeber recherchieren, diese konkret ansprechen und ihnen eine bestimmte Leistung bzw. ein bestimmtes Produkt anbieten.

Dieses "Handwerkszeug" funktioniere immer wieder, betonte Nussbaum - vor allem dann, wenn derjenige, der seine Leistung anbiete, einen Nutzen für sich erkenne. Dazu gehöre eine große Portion Selbstbewusstsein, genauer: Selbst-Bewusst-Sein.

Zudem riet Nussbaum, nicht über Schwächen zu jammern, sondern die eigenen Potenziale zu erkennen. In einer praktischen Übung machten sich die Workshopteilnehmer Gedanken über die Stationen ihres Lebens. Anschließend formulierten sie Ziele für die nächsten fünf Jahre ihres Lebens. "Jedes Ziel ist erreichbar", stellte Nussbaum fest. Es empfehle sich jedoch, Ziele zeitlich zu terminieren. Nussbaum plädierte dafür, Ziele in Etappen zu zerlegen, nach der Zielsetzung innerhalb von 72 Stunden den ersten Schritt zu wagen, ab und zu über die gesetzten Ziele nachzudenken und sie u.U. zu ändern – und erreichte Ziele richtig zu feiern. (Text: Timo Stoppacher)

Workshop 3

"Wo gehe ich hin und mit wem?"

Referent: Wolfgang Kiesel

In diesem Workshop ging es um das Bilden von Netzwerken, das Finden von Nischen – und Alternativen. Eingangs beschäftigte sich der Referent mit der Frage nach dem Wohin? Er verwies einerseits auf die schwierigen Rahmenbedingungen innerhalb der Branche, um überhaupt als Freiberufler Fuß zu fassen, andererseits nähmen Kommunikationsprozesse zu, die mehr Journalisten, und diese vor allem immer weniger in festen Positionen, verlange.

Um als Freiberufler zu arbeiten, gäbe es verschiedene Formen der Arbeitsorganisation: zu Hause, als Pauschalist, in einem Netzwerk, als fester Freier, in einem Pressebüro oder in einer eigenen Firma. Für alle Formen der Arbeitsorganisation trug er Vor- und Nachteile zusammen.

Vorteile der Bauchladen-Arbeit sah der Referent zum Beispiel bei fachlicher und zeitlicher Unabhängigkeit, größerer Mobilität, wechselnden Zusammenarbeiten oder der Einzelprofilierung. Nachteile beschrieb er mit einem hohen technischen Aufwand der eigenen Ausstattung, wenig Sozialkontakten sowie mangelnder Vertretungsmöglichkeit. Deshalb zeigte der Referent den Nutzen von Netzwerken auf, die sich auf einer losen Bedarfsgemeinschaft gründen, Sozialkontakte und Erfahrungsaustausch ermöglichten, keine räumliche Zuordnung benötigten. Denn es bündeln sich unterschiedliche Kompetenzen, es besteht die Möglichkeit der Vertretung und man könne sich eher an größere Projekte wagen. Als Beispiel nannte der Referent zum Beispiel Plan 17 oder 4medien.de. Auch Hinweise zur Gründung einer Firma und deren verschiedene Rechtsformen kamen zur Sprache.

In der Diskussion nach dem Vortrag wurden Themen besprochen wie die Arbeitsorganisation in Mischformen. Besonders wichtig erschien den Workshop-Teilnehmern das Problem der Selbstvermarktung. Wie lerne ich meinen Marktwert einschätzen? Wie trete ich als Unternehmer auf? Wie ermittle und pflege ich mein Profil? Der Referent reduzierte dieses komplexe Thema auf die Frage: Was will der Markt von mir? Interessant und anregend erschien den Zuhörern auch die These des Referenten, dass es sich bei der aktuellen Lage der Branche nicht um eine Medienkrise, sondern um eine Umstrukturierung der gesamten Branche handelte, die neue Anforderungen, neue Chancen und Risiken für Journalisten und vor allem Freiberufler stelle.

(Text: Katja Müller)

Workshop 4

"Was muss ich können? Qualität, Recherche und gute Ideen"

Referent: Ekkehard Sieker

Der Fragestellung des Workshops IV "Was muss ich können? Qualität, Recherche und gute Ideen" begegnete Ekkehard Sieker vor allem mit Gesellschaftskritik. Er sprach über Verflechtungen von Politik und Wirtschaft, daraus resultierenden Abhängigkeiten sowie der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Medien. Der journalistische Nachwuchs solle alles kritisch hinterfragen, so die Prämisse Siekers für einen "ordentlichen" Journalismus.

Der ehemalige "Monitor"-Redakteur berichtete über seine Erfahrungen: Sieker hatte zuvor beispielsweise die Einstein-Agentur der Bundesregierung zum Einsteinjahr geleitet. Diese Agentur, die de facto PR für den Forschungsstandort Deutschland betrieb, belieferte die Wissenschaftsredaktionen überregionaler deutscher Tageszeitungen. Die Texte erschienen jedoch mit den Autorenzeilen namhafter Autoren der Blätter. Ein Beispiel für die ökonomische Abhängigkeit – in diesem Fall: Sparzwang – und damit Beeinflussbarkeit der Medien.

In einem Praxisbeispiel ließ Sieker die Teilnehmer seines Workshops die Glaubwürdigkeit einer fiktiven Pressemitteilung überprüfen. Die Mitteilung des Generalbundesanwalts bezog sich auf die Ergreifung von Terroristen in Deutschland. Der Mitteilung war ein Foto des Heimathauses der mutmaßlichen Täter samt dem potenziellen Fluchtwagen beigefügt. Das Ergebnis der Überprüfung: Die Mondphase auf dem Bild stimmte nicht mit der angegebenen Aufnahmezeit des Bildes überein. Fazit: Die Mitteilung sei daher nicht verlässlich. Einige Teilnehmer empfanden diesen Part des Workshops als realitätsfremd. Insgesamt zeigte der Workshop jedoch, welche Tugenden Journalisten wichtig sein sollten und stimmte diesbezüglich nachdenklich.

(Text: Daniel Bouhs)

Workshop 5

Existenzgründung

Referentin: Petra Kaufmann

Während des Workshops versuchte Petra Kaufmann u.a. auf folgende Fragen einzugehen:

  • Wie bekomme ich Aufträge?
  • Wie beantrage ich Überbrückungsgeld?
  • Wie sieht ein Business-Plan für diesen Antrag aus?
  • Welchen Versicherungsschutz brauche ich als Freiberufler?
  • Wie sorge ich für die Rente vor?

Die Referentin wies darauf hin, dass jeder angehende Freiberufler klare Ziele haben müsse, wie hoch seine Einnahmen im Monat sein sollten. Eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung könne dabei helfen.

Einen Schwerpunkt im Gespräch bildete das Thema Versicherungen, besonders Kranken-, Privathaftpflicht- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen, aber auch Berufsunfähigkeitsvorsorge. In der Diskussion ergaben sich deshalb auch Fragen rund um die Rente: Riester oder Rürup? Fonds oder Versicherung? Die Referentin riet, sich auch bei Verbraucherzentralen und unabhängigen Beratern zu informieren.

Weiterhin warnte die Referentin in der abschließenden Diskussion vor Scheinselbständigkeit und verwies auf die Clearing-Stelle bei Zweifelsfällen; riet jedoch grundsätzlich zu festen Verträgen, da sie das monatliche Rechnen erleichterten. Wichtig sei es darüber hinaus, jede Gelegenheit zu nutzen, um Kontakte zu knüpfen, zu pflegen – und im Zweifelsfall auch zweimal an einer Tür zu klingeln.

(Text: Katja Müller)