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10. März 2016
Pressekodex

Beibehaltung der Richtlinie 12.1 ist richtig

Eine Idee des DJV-Vorsitzenden Frank Überall aufgreifend, wird der Deutsche Presserat einen Leitfaden für die Handhabung der Richtlinie 12.1. des Pressekodex erstellen.

Der Presserat hatte gestern entschieden, dass die Richtlinie 12.1 des Pressekodex in der jetzigen Form bestehen bleibt. Dies kann man als Journalist nur begrüßen und insbesondere die Erklärung, dass man zeitnah einen Leitfaden für die Handhabung der Richtlinie erarbeiten wolle. Der Unsicherheit, die so manche Redaktion bei der Entscheidung hat, nenne ich die Täterherkunft oder nicht, kann damit vielleicht begegnet werden. Dies hatte Frank Überall u. a. in einem Beitrag für die FAZ gefordert.

Wichtig ist, dass man Journalisten und der Öffentlichkeit klar macht, dass die Richtlinie kein Maulkorb für die Presse ist, keine Selbstzensur und schon gar keine Bevormundung der Leser: Sie lässt für Journalisten die notwendige Freiheit zur Entscheidung, ob eine Nationalität oder Ethnie genannt wird oder nicht. Die Formulierung, dass eine Nationalität dann genannt werden kann, wenn es dafür einen ‚begründbaren Sachbezug‘ gibt, macht es für Journalisten notwendig jeden einzelnen Fall genau zu betrachten und dann zu entscheiden. Das ist nicht immer leicht, aber es ist ein Hinweis an die Redaktion, zu reflektieren, welche Information zum Verständnis des Vorgangs notwendig ist. Auch Heike Rost, die für den DJV im Presserat sitzt, hatte dies bereits beschrieben mit dem Hinweis, dass die Richtlinie kein Verbot sei, sondern eine „Aufforderung an Journalisten, sorgfältig abzuwägen“.

In den Tagesthemen machte Kai Gniffke gestern Abend in einem Kommentar noch einen Vorschlag, den man vielleicht auch beim Presserat durchaus in die Diskussion mit aufnehmen könnte: er schlägt vor, die Richtlinie um einen Satz zu ergänzen, der das Spannungsverhältnis zwischen der Glaubwürdigkeit der Medien und der Nicht-Nennung der Täterherkunft beschreibt. 

Und Stefan Niggemeier hatte schon am Tag vor der gestrigen Entscheidung an die Kritiker der Richtlinie eine schöne Zusammenfassung gebracht: „Medien wählen aus und lassen weg, was irrelevant ist, was die Öffentlichkeit nichts angeht, was ethischen Ansprüchen widerspricht. Man kann das, wie „Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch, „Selbstzensur“ nennen. Der übliche Ausdruck dafür ist: Journalismus.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Ein Kommentar von Ella Wassink

 

 

 


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