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DJV Blog

23. März 2015
Neue BILD-Kampagne

Diekmann kann's nicht lassen

Nach der Selfie-Kampagne gegen Griechenland legt BILD jetzt nach: Die Bundestagsabgeordneten sollen sagen, wie sie es mit Unterstützungsleistungen für das Land halten wollen.

BILD-Chefredakteur Kai Diekmann und Griechenland - das ist eine Hassliebe. Hass, weil Diekmann regelmäßig ausflippt, wenn zusätzliche Hilfszahlungen für das Land auf der deutschen Agenda nur als Schemen auftauchen. Und Liebe, weil jedes neue Poltern der BILD gegen Griechenland dem Blatt zusätzliche Publicity beschert. Diekmann will nicht geliebt, sondern beachtet werden.

 

Die Beachtung ist ihm mit seiner neuen Aktion gewiss. Die BILD schrieb in der vergangenen Woche alle Bundestagsabgeordneten an und fragte sie, "ob sie auch einem möglichen dritten Hilfspaket für Griechenland zustimmen würden". Wie im Bundestag sollten die Politiker mit Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung antworten. Das mag noch als normale Recherche daher kommen. Nicht jedoch die Ankündigung, jede Antwort, auch jede fehlende Rückmeldung zu dokumentieren. Und als ob die Abgeordneten das nicht wüssten, wies das Blatt darauf hin, dass die Politiker nur an ihr Gewissen und nicht an Weisungen gebunden seien. Für die inhaltliche Einordnung gab es noch einen Hinweis: "Für den deutschen Steuerzahler stehen bereits 71 Milliarden Euro auf dem Spiel. Das sind rund 850 Euro für jeden Bürger Deutschlands – und nach Aussage des Bundes der Steuerzahler insgesamt mehr, als Griechenland allen seinen privaten Gläubigern weltweit schuldet."

 

Die Grünen-Politikerin Tabea Rößner war nicht die einzige, die darin eine neue Anti-Griechenland-Kampagne sah. An BILD schrieb sie zurück und fragte, "ob die BILD-Zeitung beabsichtigt, ihre andauernde Kampagne, in der pauschal ein ganzes Volk stigmatisiert und diffamiert wird, fortzuführen – und wie begründen Sie das?" Das wüssten wir auch gern. Falls Kai Diekmann antwortet, sollte er seine Mail im cc an den DJV schicken.

 

Hendrik Zörner


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