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13. Oktober 2015
Politiker-Interviews

Herr Gabriel, was soll das?

Sigmar Gabriel kann's nicht lassen: Die drei Begriffe "ZDF", "Interview" und "Moderatorin" reichen aus, damit er aus der Haut fährt.

Sceenshot ZDF

Am Sonntagabend war es mal wieder so weit: Das deutsche Fernsehpublikum wurde in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" Zeuge einer nicht enden wollenden Anmache der Moderatorin Bettina Schausten durch den Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland. Schon Schaustens Einstiegsfrage nach seiner Haltung im Koalitionsstreit um die Flüchtlinge fand er "total merkwürdig". In diesem Stil ging es weiter - Tenor: Ich verbitte mir kritische Fragen.

 

Hatte Gabriel einen schlechten Tag? Vielleicht, aber dann war es nicht sein erster. Vor zwei Jahren hat er sich schon mal eine ähnliche Redeschlacht vor laufender Fernsehkamera mit Marietta Slomka vom ZDF-heute journal geliefert. Auch damals passten ihm die Fragen nicht.

 

Auf welchem Stern leben Sie, Herr Vizekanzler? Auf dem weißrussischen, wo sich Journalisten nur in gebückter Haltung ihrem Präsidenten nähern dürfen, der zeitgleich mit Gabriels ZDF-Interview die Medien über seine triumphale Wiederwahl informierte? In Deutschland jedenfalls müssen sich Politiker kritische Journalistenfragen gefallen lassen, selbst wenn sie fast an der Spitze des Staates stehen.

 

Sagt das dem Mann eigentlich niemand? Immerhin arbeiten ihm gleich zwei Pressestellen zu: die der SPD und die des Wirtschaftsministeriums.

 

Hendrik Zörner


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