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21. Januar 2016
Beschwerderekord beim Presserat

Ziffer 12 des Kodex keine Vorschrift, sondern Aufforderung zum Abwägen

Der Deutsche Presserat und sein Pressekodex sind gerade wieder sehr präsent in den Medien. Doch auch ohne die aktuell geführte Debatte um die Diskriminierungs-Ziffer hat der Presserat von Jahr zu Jahr mehr zu tun.

Im vergangenen Jahr gab es wieder einen neuen Rekord zu vermelden: mehr als 2.300 Beschwerden sind bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Medien eingegangen – und damit fast 1000 mehr als noch zwei Jahre zuvor. Diese Beschwerdeflut zu bewältigen ist eine Mammutaufgabe für die Geschäftsstelle des Presserats. Aber auch für die Journalisten und Verleger, die ehrenamtlich in den Gremien dort tätig sind und die Beschwerden in den drei Beschwerdeausschüssen behandeln.

Auch der DJV hat sieben Vertreter in den Gremien des Presserats entsandt. Sie alle müssen sich in den nächsten Wochen mit Beschwerden auseinandersetzen, die über die Berichterstattung rund um die Silvestervorkommnisse in Köln entstanden sind, so z. B. mit dem Focus-Cover der vorletzten Woche.

Die Fotografin Heike Rost ist eine der DJV-Vertreterinnen beim Presserat. Sie sagt zu der aktuellen Debatte um die Ziffer 12 des Pressekodex: „Wer die Ziffer 12 als Vorschrift interpretiert, offenbart sein grundlegendes Missverständnis des Pressekodex. Die Richtlinie 12.1. ist kein Verbot, sondern eine Aufforderung an Journalisten, sorgfältig abzuwägen: Ist die Information über Nationalität, Religion, ethnische Zugehörigkeit relevant, um einen Vorgang oder eine Straftat verständlich zu erklären? Oder ist sie komplett unwichtig? »Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar«, schrieb Ingeborg Bachmann. Das gilt für Journalisten in besonderem Maße. Trotz ihrer Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit darf Berichterstattung jedoch eines nicht: verallgemeinern, pauschalisieren, Vermutungen Vorschub leisten - und damit Vorurteile und Rassismus fördern.“

Diesen wunderbaren Zitaten von meiner Kollegin und Ingeborg Bachmann brauche ich nichts hinzuzufügen.

Ein Kommentar von Ella Wassink


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