Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
Service-Bereich

Neues aus dem DJV-Bildportal

Das DJV-Bildportal

Im DJV-Bildportal können Bildredaktionen Bilder direkt von Kollegen beziehen. Freie Bildjournalisten können Bilder anbieten. Mehr unter www.djv-bildportal.de

Macht es Sinn, Bilder über das Bildportal zu verkaufen?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Für viele Bildjournalisten macht es keinen Sinn, denn wer Bildportal macht, muss Direktvermarktung machen. Es handelt sich um eine Plattform ohne Redaktion und Angestellte für den Vertrieb. Das ist von den Teilnehmern gewollt, denn sonst müssten die Gebühren ein Vielfaches betragen.

Für die Qualitätssicherung, die Auswahl der Bilder und deren Verschlagwortung sind Sie als Anbieter selbst verantwortlich. Auch der Abruf durch Kunden ist im Datenbankgeschäft keine Selbstverständlichkeit. Bildjournalisten müssen sich und ihre Präsenz im Bildportal ständig vermarkten, das Bildmaterial sollte möglichst groß sein (10.000+) und gleichzeitig zielgenau, ohne Dubletten und sonstiges problematisches Material.

Bildvermarktung direkt ist, wie die letzten Jahre immer wieder gezeigt haben, ein Geschäft, das nur für Bildjournalisten funktioniert, die breit aufgestellt sind, Partner haben, die ihnen im Büro den Rücken frei halten, die auch schon andere zahlreiche Kunden haben.

Wenn Sie Berufseinsteiger sind oder schon jetzt wirtschaftliche Probleme beim Absatz haben, sollten Sie am DJV-Bildportal nicht teilnehmen. Es ist kein Hilfsportal, sondern ein Absatzweg (unter mehrerern, Sie sollten sich nie allein auf das Bildportal verlassen) für Profis, die bereits eigene Märkte haben.


Häufige Fragen zum Bildportal von Redaktionen und Bildjournalisten

1. Ich möchte ein Bild in meiner Zeitschrift verwenden. Was muss ich tun?

Sie gehen unter den Punkt "Anmeldung" und melden sich beim Bildportal an. Das Bildportal (die DJV-V&S) schaltet Sie dann frei und schickt Ihnen Zugangsdaten zu. Damit können Sie die Datei in druckfähiger, hoher Auflösung herunterladen.

2. Was kostet mich ein Bild?


Im Regelfall wird nach den Honorarsätzen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing abgerechnet. Allerdings ist die Honorarvereinbarung jeweils individuelle Verhandlungssache zwischen Medium und Bildjournalisten, so dass die Frage der Honorierung vor der Verwendung mit dem Bildjournalisten zu klären ist.

3. Entstehen neben der Nutzungsgebühr weitere Kosten?

Beim Download durch Redaktionen wird vom Bildjournalisten eine Downloadgebühr (zur Deckung der technischen Bereitstellungskosten) erhoben. Diese beträgt 9 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer) pro hoch aufgelöstem Bild. Dieser Betrag ist an den Bildjournalisten zu zahlen.

4. Muss ich Gebühren an das DJV-Bildportal zahlen?


Nein. Die DJV-V&S, die das Bildportal betreibt, erhebt von Ihnen keine separaten Gebühren. Alle Kosten entstehen ausschließlich gegenüber dem Bildjournalisten, der die Bilder anbietet.

5. Kommt eine Gebührenpflicht gegenüber anderen in Betracht?

Beachten Sie, dass Honorarzahlungen an freie Fotografen zur Künstlersozialabgabe verpflichten, die derzeit (2012) 3,9 % des Honorars beträgt. Die Künstlersozialabgabe darf laut § 32 SGB I nicht in Abzug von Ihren Honorarzahlungen an den Journalisten gebracht werden, sondern ist mindestens einmal jährlich direkt an die Künstlersozialkasse zu zahlen (www.kuenstlersozialkasse.de).

6. Wer ist mein Vertragspartner, wenn ich ein Bild im Bildportal kaufe?


Soweit es die Rechte am Bild angeht, ausschließlich der jeweilige Bildjournalist, der das Bild anbietet. Die DJV-V&S vermittelt diese Bilder nur technisch; nur in Hinblick auf diese technischen Vermittlungsleistung ist die DJV-V&S Ihr Vertrags- und Ansprechpartner. Allerdings finden sich im Vertrag über die technische Vermittlungsleistung bestimmte allgemeine Festlegungen über den Umfang der Nutzungsrechte und mögliche Haftungsprinzipien hinsichtlich der Bildnutzung und weitere generelle Modalitäten im Verhältnis zwischen Ihnen und dem Bildjournalisten, damit Sie diese nicht jeweils individuell noch einmal und unterschiedlich vereinbaren müssen. Diese allgemeinen Festlegungen ändern aber nichts daran, dass der eigentliche Bildnutzungsvertrag nur zwischen Ihnen und dem Bildjournalisten besteht.

7. Welche technische Software benötige ich, um ein Bild herunterzuladen?


Keine besonderen. Sie können die Bilder direkt über Ihren Browser (z.B. Internet Explorer oder Firefox) herunterladen.

8. Was kann ich tun, wenn ein Bild meiner Ansicht nach unzulässig in der Datenbank befindlich ist?


Grundsätzlich ist Ansprechpartner der Bildjournalist, der das Bild in das System eingestellt hat, da keine Bildauswahl durch die DJV-V&S erfolgt. Sofern Sie eine Rechtsverletzung geltend machen, sollten Sie allerdings gleichwohl auch die DJV-V&S benachrichtigen, damit diese prüfen kann, inwieweit sie hier zu einem Einschreiten verpflichtet sein kann. Bitte senden Sie eine entsprechende Mail daher zunächst an den jeweiligen anbietenden Bildjournalisten und zusätzlich an bildportal-support@djv.de.

9. Ich bin Bildjournalist und würde gerne Bilder über das DJV-Bildportal verkaufen. Wie geht das?


Zunächst müssten Sie DJV-Mitglied sein. Weiterhin benötigen wir von Ihnen einen unterschriebenen Vertrag (finden Sie unter "Anmeldung"). Anschließend würden wir Sie zu einem Einführungsseminar einladen, das in die Technik des Bildportals einführt. Was sind die Kosten? Eine einmalige Anmeldegebühr von 200 Euro und 30 Euro monatlich, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Sofern Sie mehr als 3.000 Bilder einstellen, werden pro weiterem Bild einmalig 3 Cent erhoben. Sofern heruntergeladene Bilder auch veröffentlicht werden, müssen Sie 12 Prozent Umsatzbeteiligung zahlen, die für den technischen Betrieb erhoben werden und direkt an den technischen Dienstleister confessMEDiA gehen.

10. Benötige ich besondere Software?


Nein. Sie benötigen grundsätzlich nur einen handelsüblichen (kostenlosen) Internetbrowser und ein FTP-Programm (gibt es zum Teil auch kostenlos). Es gibt allerdings auch das Programm Imagia, das speziell auf die Nutzung im DJV-Bildportal zugeschnitten ist. Es ermöglicht Ihnen neben einer schnellen Verwaltung (IPTC-konform) und einem zügigen Upload der Bilder eine Nachverschlagwortung von bereits hochgeladenen Bildern, die einen erneuten, zeitaufwändigen Upload überflüssig macht. Die Software Imagia kostet für DJV-Mitglieder im Bildportal 249 Euro (zzgl. MwSt). Den Umgang mit der Software vermitteln wir Ihnen im Rahmen der Einführungsschulung Bildportal. Allerdings ein Hinweis für Mac-User: Die Mac-Version für Lion & höher ist noch in der Bearbeitung. Insofern gelten oben stehende Aussagen derzeit (Juli 2012) nur für Windows.

11. Was muss ich bei der Verschlagwortung beachten?

Pflichtfelder für die Bilddatei sind:

  • Zuweisung zu Kategorien
  • Verschlagwortung (Keywords)
  • Erstellungsdatum (Aufnahmedatum)
  • Ort
  • Urheber
  • Credit (Inhaber der Nutzungsrechte)
  • Information zum Umfang der Nutzungsrechte
  • Headline
  • Caption (Geschichte zum Bild)


12. Welche Bilder darf ich einstellen?


Grundsätzlich sollen Sie in erster Linie die von Ihnen selbst angefertigten Bilder einstellen. Sofern Sie auch Bilder von Kollegen anbieten wollen, muss dies in einem Zusatzvertrag extra vereinbart werden, der hierfür besondere Konditionen vorsieht.

13. Ich habe schon eine Bilddatenbank. Gerne würde ich auch irgendwie unter der Marke DJV-Bildportal auftauchen. Wie geht das?

Wir können auch externe Datenbanken in das Bildportal einbinden, ohne dass Sie Ihre bisherigen Upload- und Verwaltungswege ändern müssen. Wenden Sie sich an bildportal-supportspamfilter@djvspamfilter.de für einen Kostenvoranschlag; teilen Sie dabei Ihre technischen Spezifikationen mit.

14. Wo kann ich mich anmelden?


Unter "Anmeldung" im Bereich "Service" auf djv-bildportal.de

Sind Bildjournalisten ein Auslaufmodell, Herr Reinhard?

Viele freie Bildjournalisten haben wegen der gnadenlosen Honorarsenkung durch Redaktionen kaum noch ein Auskommen. Viele bangen um ihre Zukunft, Jüngere fragen sich, ob der Beruf überhaupt noch Zukunftsperspektiven bietet. Wir fragten Hans Reinhard, der unter der Agentur “Reinhard-Tierfoto” als Bildjournalist tätig ist, nach seiner Einschätzung und Strategie in einem der härtesten Märkte des Journalismus.

bildjournalisten:
Herr Reinhard: Der Bildjournalismus ist tot, es leben die 1-Euro-Agenturen. Ein bekannter Kollege hat kürzlich sein gesamtes Archiv verkauft und Schluss gemacht, mit Hinweis auf diesen Preisverfall. Anders gefragt: Sie sind Sie ein Auslaufmodell im Journalismus, wann steigen Sie denn aus?

Reinhard: Ich glaube nach wie vor nicht, dass der Bildjournalismus tot ist. Ein Gutes Bild ist immer noch ein gutes Bild. Viele andere Faktoren spielen heute allerdings auch noch eine Rolle und dabei ist die Vermarktung gar nicht vorrangig zu nennen. Die Themen von heute sind Erkennbarkeit/Individualität und Vernetzung. Kundenpflege und Service sind wichtiger denn je, automatische Abwicklung ohne Profil machen ja schon die Anderen. Außerdem bin ich “erst” 41 (bisschen zu jung für ein Auslaufmodell), es gibt noch jede Menge zu fotografieren und mir hat noch keiner den entsprechenden Gegenwert für mein Archiv geboten.

Eine Katze schaut aus einem leeren Blumentopf

bildjournalisten: Einige Kollegen haben kürzlich die drastische Feststellung gemacht, der Berufsstand sei erledigt. Wie sind Ihre Beobachtungen in Ihrem Umfeld, bei Kollegen, die Sie von früher kennen, auch außerhalb der Fachfotografie?

Reinhard:
Ja, kein Zweifel, es wird schwieriger. Die Kunden werden weniger, und zahlen wollen Sie meistens auch immer weniger. Die neuen Kunden im Netz wollen oft gar nichts mehr zahlen - nach dem Motto: “freie Daten für alle”. Es ist an uns Profis, den Wert eines Bildes wieder mehr zu betonen. Natürlich erschafft ein Bildjournalist nicht Fotokunstwerke am laufenden Band, aber zur richtigen Zeit am richtigen Platz mit adäquater Technik und dem nötigen know how ist dann eben doch meistens kein Blogger von Bild, sondern ein erfahrener Bildjournalist. Ich bekomme ständig fantastische Motive aus aller Welt gezeigt, verbunden mit der Frage:”Warum hast Du denn sowas noch nicht gemacht?” Meine Antwort:”Fantastisches Bild - Gratulation.Tut mir leid, ich kann eben nicht überall sein.”

bildjournalisten:
Tierfotografie kann ja kaum ein Markt für viele Fotografen sein. Es gibt ja viele andere Fachthemen in Magazinen und Zeitungen. Wie schätzen Sie die Perspektiven fachbezogenen Bildjournalismus ein?

Reinhard:
Natürlich ist die Tierfotografie (wir haben schon seit Jahren unser Spektrum erweitert und widmen uns inzwischen allen Aspekten der Natur) ein Nischenmarkt. Ich habe vor einigen Jahren gelesen, Tierfotografie hat in den Publikationen einen Stellenwert von ca. 3 %, Tendenz eher fallend.

In der Tierfotografie haben wir uns nie als reine Abbilder verstanden, wir wollten immer auch Schützer und Dokumentaristen sein. Dafür sind wir oft harsch kritisiert worden, nach dem Motto wir würden nur Heile-Welt-Fotografie abliefern. Wir haben allerdings immer versucht, die Natur in ihrer ganzen Schönheit darzustellen, als schützens- und erhaltenswert. Heute sind diese Bilder oft Dokumente für eine vergangene inzwischen zerstörte Natur.

So verändern sich oft Themen und genauso hat ein Fachjournalist die Möglichkeit, ich würde sogar sagen die Pflicht, Themen anzustoßen und zu dokumentieren. Der fachbezogene Bildjournalismus, egal in welchem Bereich, bereichert unser Wissensspektrum und ist in einer von Medien und Meinungen überfluteten westlichen Welt auch wichtiger denn je.

 

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bildjournalisten: Was raten Sie Kollegen, die den Fokus auf andere Nischen setzen wollen? Gibt es eine Art Philosophie, mit der man/frau vorgehen sollte? Es gibt Kollegen, die wissen gar nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Wie finde ich überhaupt zu einem Fachthema, das mir liegt?

Reinhard:
Wie bereits erwähnt sind Nischen ein guter Einstieg, da man (natürlich je nach Größe der Nische) eine bessere Chance hat sie auszufüllen und sich darin zu profilieren. In unserem Beruf finden oft nicht die Journalisten die Nische, sondern die Nische findet den Journalist. Von der krampfhaften Suche nach einem Betätigungsfeld kann nur abgeraten werden, jeder Journalist weiß um seine Stärken und Schwächen und sollte hoffen, ja hoffen, dass der nächste Auftrag eher auf der starken Seite liegt. Am Ende muß immer ein für den Kunden gutes Ergebnis stehen.

Egal welche Nische, der Kunde sollte am Ende sagen: “Wow, toll, so hätte ich das nie hingekriegt.” Wir haben uns im Lauf der Jahre ständig erweitert, etwas Neues ausprobiert, uns neue Themenbereiche erschlossen. Wir sind von der Tierwelt Deutschlands quer durch die ganze Welt gezogen, haben immer öfter auch Pflanzen fotografiert und arbeiten heute verstärkt in den Bereichen Gartengestaltung und Wellness. Sie sehen, wie groß das Spektrum/die Nische geworden ist. Ich erinnere mich an Yann Artus-Bertrand, der damit anfing französischen Nutztierrassen ein Gesicht zu geben und danach die Welt von oben betrachtet hat, auch kein vorhersehbarer logischer Weg.

 


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bildjournalisten: Sie vermarkten ihre Bilder über das DJV-Bildportal. Welche Rolle spielt dieser Vertriebsweg für Sie, setzen Sie andere Vertriebsplattformen und Agenturen ein?

Reinhard:
Das DJV-Bildportal hat für uns eine stark zunehmende Bedeutung als Vermarktungsplattform. Wir stehen natürlich auch direkt mit unseren Kunden in Verbindung und haben Agenturen, die unsere Arbeiten vertreten. Das DJV-Bildportal ist für uns eine geradezu ideale Möglichkeit für unsere Kunden im Netz präsent zu sein. Es ist unser Baby, von den Fotografen für Ihre Kunden, Top-Qualität aus allen Themenbereichen, schnell und zuverlässig.

bildjournalisten:
Können Sie grob sagen, welche Prozentsätze Ihre Vertriebswege haben (Portalvermarktung, Agenturvermarktung, Direktvertrieb/FTP/Mail an Zs/Tz…)?

Reinhard:
DJV-Bildportal 10%, Agenturen 30%, direkter Kundenkontakt 60%.

bildjournalisten:
Kann man eigentlich alleine arbeiten, oder muss man auf ein Team (Ehe-/Lebenspartner, Angestellte, Kinder) setzen, das einem beim Vertrieb hilft?

Reinhard:
Ein funktionierendes Team macht es auf jeden Fall einfacher. Wir sind ja doch öfter über längere Zeiträume einfach weg, so etwas kann man keinem Kunden zumuten. Wie das Team aussieht, entscheidet natürlich die jeweilige Lebenssituation, aber auch das zu bewältigende Arbeitsaufkommen und der Geldbeutel.

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bildjournalisten: Welche Rolle spielt die Verschlagwortung bei der Arbeit? Hauptsache? Lästige Nebensache? Anspruchsvoller Job oder überschätzter Hype?

Reinhard:
Mein Lieblingsthema. In unserem Bereich ist eine gewissenhafte, von Fachleuten durchgeführte Verschlagwortung unerlässlich. Das ist eben eines der Merkmale, das wir verstärkt nutzen müssen, um uns am Markt abzuheben. Wir müssen für unsere Kunden mitdenken, was könnte wann gesucht werden. Auch eine punktuelle Nachverschlagwortung ist unerlässlich, sollten neue Teilaspekte eines Themas aktuell werden. Man muss einen Schritt zurücktreten und einmal rund um das Motiv laufen und versuchen, möglichst viele Aspekte der Aufnahme in den Schlagwörtern zu erfassen. Ich weiß, das gelingt nicht immer in Perfektion, oft ist auch einfach die Zeit zu knapp, aber jeder sollte sich der Bedeutung dieses Instruments bewusst sein.

bildjournalisten:
Muss man heute bloggen, twittern, facebooken als Bildjournalist - oder geht es auch (weitgehend) noch ohne?

Reinhard:
Wir sind nicht so stark an die tagesaktuellen Themen gekoppelt, wie viele unserer Kollegen. Ich wüsste auch nicht genau, ob ich mit einem Blog wirklich sinnvoll meine Kunden erreichen würde. Ich nutze es privat, um mit Freunden Kontakt zu halten, beruflich fehlt mir leider oft jegliche Zeit, um eine weitere Baustelle aufzumachen. Denn darüber sollte sich jeder im Klaren sein, mit einer bloßen Präsenz ist es nicht getan. Jede neue Darstellung muss gepflegt werden, jeder Comment muss geschrieben oder gelesen werden, nur da sein ist nicht genug.

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bildjournalisten: Ich bin Bildredakteur, brauche ein gutes Foto. Kann - oder sollte ich sogar - einmal bei Ihnen ganz unverbindlich zum Plausch anrufen - oder stört das (in der Produktion)? Kommt das sogar öfter vor?

Reinhard:
Ich freue mich immer, wenn ein Redakteur anruft, wahrscheinlich natürlich auch, weil diese Anrufe so selten geworden sind. Heute sind nicht nur die Produktionsprozesse aufgespalten, sondern auch die Herstellungsprozesse. Nur in wenigen Fällen, sprich bei wenigen Publikationen, liegen alle Fäden noch in einer Hand. Die Bildbestellung erfolgt aus zentralen Bildredaktionen, die oft in anderen Städten liegen wie die eigentlichen Redaktionen, oft sogar über externe Bildbeschaffer. Der Grafiker sitzt auch nicht an derselben Stelle, hat aber ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Oft weiß der Bildredakteur auch gar nicht so genau, was der Redakteur sich eigentlich vorstellt. Wünsche werden präzisiert, ganze Themenblöcke werden kurzfristig gecancelt, weil die Farbe der Blume nicht zur Grafik passt. Alles muss natürlich immer ganz schnell gehen und als Nachrichtenbasis fungiert die E-Mail. Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand. Nachrichtensicherheit, einfaches Weiterleiten, Präzision und Schnelligkeit.

bildjournalisten:
Sie sind wieder 19 Jahre alt. Würden Sie noch einmal als Bildjournalist starten?

Reinhard:
Mit 19 sah meine Lebensplanung noch leicht anders aus. Ich arbeitete im Krankenhaus, wollte Krankenpfleger werden. Keine verlorene, eine wichtige lehrreiche Zeit.Im Nachhinein bin ich aber doch sehr froh, dass es in Richtung Fotografie und Journalismus ging. Es ist immer noch und immer wieder ein Traumberuf. Jede Veränderung ist auch immer eine Herausforderung, mit der man es aufnehmen muß. Neue Technik, neue Arbeitswelten, neue Absatzwege und neue Ziele. Keiner kann in die Zukunft schauen, wo unser Beruf in 10 Jahren steht, ist schwer zu sagen, momentan haben wir auch genug damit zu tun die Gegenwart zu meistern.

Das Interview mit Hans Reinhard wurde mit Michael Hirschler im Febuar 2011 für den Bildjournalisten-Blog per E-Mail geführt.


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Hans Reinhard
Grasrain 9
69253 Heiligkreuzsteinach
Tel.  06220-8547 ghlighting
Fax  06220-7264
E-Mail: mailspamfilter@reinhard-tierfotospamfilter.de
Homepage: www.reinhard-tierfoto.de
Bildportal: www.reinhard-bildportal.de

“Mit Qualität am Bildermarkt” - Interview mit Dieter Klar (Archiv Klar)

Redaktion: Herr Klar, wo liegt ihr Schwerpunkt als Fotojournalist?

Klar: Unsere Schwerpunkte liegen in der People-Fotografie, politische und geografische Reportagen.

Redaktion: Arbeiten Sie allein oder mit Partnern zusammen?


Klar: Großvater Willi Klar, 1994 verstorben, Vater Dieter Klar, Sohn Reto Klar und ein technischer Glücksfall, ein Freund, Albrecht Ropers.

Redaktion: Welche Bilder verkaufen sich heute?


Klar: Im DJV-Archiv nach zwei Monaten: 1. Promi-Fotos, 2. Fotos, die gut sind und die gefunden werden.

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Redaktion: Sind die Bildredaktionen beim Bildmaterial anspruchsloser geworden – oder im Gegenteil: wachsen die Qualitätsansprüche?


Klar: Ich glaube, der Leser von Zeitungen und Magazinen ist nicht mehr so anspruchsvoll. Durch das Fernsehen und das Internet werden die Leute mit Bildinformationen überschüttet und die Dino-Bildredakteure von früher sind überwiegend ausgestorben.

Redaktion: Überall sprießen vorwiegend internetbasierte Bildanbieter, die Fotos zu Niedrigpreisen anbieten, die so genannten Microstock-Agenturen. Können Anbieter aus dem traditionellen Bildgeschäft hier überhaupt mithalten?


Klar: Ja, mit Qualität.

Redaktion: Welche Vertriebswege und Systeme haben Sie bisher genutzt bzw. nutzen Sie auch weiterhin?


Klar: Agenturen.

Redaktion: Seit rund zwei Monaten sind Sie auch Anbieter im DJV-Bildportal. Warum?


Klar: Das DJV-Portal bietet zu einem fairen Preis eine gute Basis für einen internetbasierten Betrieb.

Redaktion: Wie sind Ihre Erfahrungen bzw. ersten Eindrücke, was den Umsatz angeht?


Klar: Wir sind zufrieden. Die Resonanz, sprich High-Res-Downloads, ist gut, Preview überwältigend und auch finanziell sieht es gut aus.

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Redaktion: Worin liegen aus Ihrer Sicht die spezifischen Eigenheiten und Vorteile, Bilder über das DJV-Bildportal anzubieten?


Klar: In Zeiten, in denen sich jeder Verlag Content, ein eigenes Archiv, aufbauen will, und die Verträge mit den freien Fotografen zu ihrem Vorteil gestalten, finde ich es gut, einen starken Partner zu haben.

Redaktion: Wo sehen Sie beim DJV-Bildportal noch Verbesserungsbedarf?


Klar: Wir wünschen uns

- eine technische Verfügbarkeitsanzeige, die uns beim Einstellen auf Probleme hinweist, damit wir unsere Upload-Aktivitäten auf die Situation einstellen können.

- Mehr Mitglieder im Portal

- Ein Online-Abrechnungstool für die High-Res-Downloads, evt. mit direkter Bezahlung
nach dem Download (wie bei Musikportalen, beispielsweise iTunes, üblich)

- größeres Systemstabilität (wir hatten wiederholt doppelte und dreifache Aufnahmen ins Portal trotz einem Upload)

Redaktion: Was sagen Sie den Kolleginnen und Kollegen aus dem DJV, die immer noch mit der Entscheidung abwarten, Bilder direkt am Markt anzubieten?


Klar: Ich kann ihre Ängste verstehen, weil es immer noch etwas Seltsames ist, ein Foto digital in die Welt zu senden und jede Redaktion behält es, kann es so oft verwenden, wie sie will, und der Fotograf muss vertrauen, dass die Abrechnung korrekt erfolgt. Auf der anderen Seite erinnere ich mich, an eine Zeit vor zehn Jahren, in der ich einen Computer und eine Digitalkamera noch für Teufelszeug hielt; - natürlich Blödsinn. Wir leben heute in einer digitalen Welt und wenn wir unsere Bilder verkaufen wollen, dann eigentlich nur noch auf diesem Weg. Nach Abwägung der Chancen und Risiken sind die Chancen größer, weil Kunden erreicht werden, die wir sonst nie erreicht hätten.

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Redaktion: Was würden Sie den Kolleginnen und Kollegen aus dem DJV-Bildportal sagen, die sich über mangelnde Abrufzahlen ihrer Bilder beklagen?

Klar: Unserer Erfahrung nach profitiert der Vertrieb von der Größe der Auswahl und der Qualität der angebotenen Bilder. Wenn dann das gesuchte Thema in einem ausreichend großen Grundstock enthalten ist, greifen die Redakteure zu. Vielleicht sollten sich einige Kollegen im DJV-Archiv mehr auf regionale Verkaufsmöglichkeiten stützen. Dies bedeutet, dass die regionalen Medien das Angebot kennen und annehmen.

Redaktion: Eine freie Textjournalistin schrieb neulich in der Wochenzeitung DIE ZEIT: „Schreiben macht arm“. Gilt das auch für Bildjournalisten? Zumindest tendenziell?


Klar: Nein.

Redaktion: Wenn wir zaubern könnten und Ihnen einen erfüllbaren Wunsch gegenüber den Bildredakteuren anbieten würden: Was würden Sie sich von/für Bildredakteure/n wünschen?


Klar: Sie sollten nur noch unsere Bilder drucken.

Redaktion: Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie sich noch einmal für den Beruf als Fotojournalist entscheiden?


Klar: Ja.

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Das Interview mit Dieter Klar wurde im Dezember 2007 von Michael Hirschler ür den bildjournalisten-Blog geführt. Die Version von 2012 wurde um Fragen zur Technik gekürzt, die mittlerweile auf Grund der technischen Entwicklung überholt sind.

Über das Geschäft mit Bildern - ein Interview mit Eric Bach (Superbild)

Das Interview wurde 2007 geführt.

DJV: Herr Bach, wie lange sind Sie jetzt im Bildgeschäft tätig?


Eric Bach: Seit Oktober 1964, während meines Studiums der Journalistik in London, arbeitete ich als Freelancer für englische, amerikanische und japanische Presseagenturen. 1982 eröffnete ich meine erste Pressebild-Agentur. 1986 folgte SUPERBILD in Deutschland, 2002 das Internet-Portal A1PIX.com in London.

DJV: Ihr Team, Ihre wichtigsten Mitarbeiter bei superbild, wie viele Personen sind mit Ihnen zusammen in etwa tätig?

Eric Bach: 27 Personen, davon 10 in Teilzeit. Nahezu die Hälfte der Mitarbeiter sind bereits 15 Jahre und länger in der Firma.

DJV: Können Sie uns einige Ihrer wichtigsten Kunden nennen?

Eric Bach: Burda, Bauer, Springer. Superbild hat in Deutschland insgesamt 8798 Kunden. Mit den 30 besten Kunden erwirtschaften wir jährlich 625.000 Euro.

DJV: Welche Bilder braucht der Bildermarkt heute?

Eric Bach: Bilder mit klarem Inhalt, Richtung Featurebild und vor allem mit Citizen-Fotografen für Bildjournalisten mit aktuellem oder Tageszeitungshintergrund.

DJV: Sie haben kürzlich eine größere - ich glaube sechsstellige Summe - in den Relaunch Ihrer Datenbank investiert und dazu sogar eigene Programmierer beschäftigt. Warum genügt für den Bilderverkauf kein Kostenlos-Freeware-Programm aus dem Internet?

Eric Bach: Heute ist Globalität und schnelle Übertragungstechnik erste Priorität im Bildgeschäft. Da wir international anbieten, werden wir wie die amerikanischen Globalplayer datenbankmäßig von unseren Kunden gemessen. Unser Investment in unsere englische A1PIX.com Datenbank mit 15 Sprachen und 1,6 Millionen Keywörtern liegt bei 470.000 EUR. Der Kunde geht heute nur in Portale, die viele Suchkriterien bieten. Das kann nicht mit Freeware-Programmen funktionieren.

DJV: Immer öfter ist die Rede von den "Microstock"-Agenturen, die Bilder ab 0,99 Euro anbieten. Ist das eine reelle Konkurrenz oder nur viel heiße Luft?

Eric Bach: Ja, sie bieten Bilder ab 59 Cent an und versprechen den Fotografen, dass sie 25 Cent pro Bild erhalten. 750 Bilder zum Downloaden zum Monatspreis von 159 EUR. Mir sind bereits 29 Microstock-Agenturen bekannt. Auch im Textilbereich gibt es Massenware zu Schleuderpreisen, hochwertige Markenware und Haute Couture. Alle haben sich seit Jahrzehnten nebeneinander behauptet. Für gute Werbung werden nach wie vor angemessene Preise bezahlt. Dieser Bereich stellt hohe Anforderung an Qualität und möglichst viele Pixel, oft 80 MB und mehr pro Bild. Wo die Authentizität gleichgültig ist wird es funktionieren, bis die Urheber aufwachen.

DJV: Die großen Wettbewerber am Markt heißen Getty und Corbis: Haben mittlere und kleinere Anbieter hier überhaupt noch eine Chance?

Eric Bach: Auch große Mitbewerber liefern nicht jedes Bild, das der Markt fordert. So wird es für kleine Bildanbieter, wenn sie global aufgestellt sind, auch immer Nischen geben. Arbeiten denn die Globalen mit Gewinn???

DJV: Sie sind seit langem im Bildgeschäft tätig. Was bedeutet Ihnen die Mitgliedschaft im DJV - und was würden Sie sich mehr von ihm wünschen?



Eric Bach: Der Journalistenverband ist eine starke Gemeinschaft – das haben die Festen und Freien auch erkannt. Ein Verband kann nur so gut sein wie der Zusammenhalt seiner Mitglieder.

DJV: Weil Sie DJV-Mitglied sind, bieten Sie Ihre Bilder auch über das DJV-Bildportal an. Warum?

Eric Bach: Jedes Bildportal, in das man seine Bilder zu vernünftigen Preisen einbringen kann, ist für Urheber Überlebensstrategie. Das sollte sich jeder Bildjournalist hinter die Ohren schreiben, der heute vielleicht noch bei einigen Auftraggebern gut verdient. Es kann morgen schon anders sein! Das DJV-Bildportal bietet hier eine reale Chance für die Zukunft unseres Berufes.

DJV: Das DJV-Bildportal ist vor einem Jahr gestartet. Bisher haben sich rund 50 Kolleginnen und Kollegen dran beteiligt. Was sagen Sie den vielen, die immer noch abwarten?

Eric Bach: Wenn ich im DJV-Bildportal recherchiere, stelle ich fest, dass gerade die aktuellen Featurebilder fehlen, z. B. die Hand einer alten Frau mit Geld, die Tiefgaragen-Einfahrt, Autos in der Warteschlage, Schneeketten anlegen oder alles aus dem technischen Bereich in close-up. Alles Bilder, die jeder Journalist kostenlos aufnehmen kann. Viele Journalisten fotografieren nur selten und dann meist im Auftrag. Aus eigener Erfahrung habe auch ich bei Auftrags- produktionen weitere Themen mit fotografiert, auch wenn es nur das Stadtbild war oder Details von Menschen.

Aus der eigenen Bildagentur ist mir bekannt, dass viele Bildjournalisten ihre besten Bilder für sich behalten. Sie "lieben" ihre guten Bilder, das ist das Verhängnis, und geben die second Quality weiter. Der Markt jedoch fordert erste Qualität an Bildinhalt, Farbe, Ausschnitt!

DJV: Sind 200 Euro Anmeldegebühr, 250 Euro für die Software und 30 Euro monatlich heutzutage nicht zu viel Geld für eine Internetpräsenz?

Eric Bach: Sicher sind für einen Urheber, der nur 10 bis 30 Bilder ins Portal einstellen will, 450 EUR Einstand + Monatsgebühr zu viel. Aber hat denn ein Bildjournalist wirklich nur 30 gute Bilder? Dann soll er einmal bei einem Sonntagsausflug fotografieren!

DJV: Wenn meine Bilder nicht abgerufen oder gedruckt werden, was raten Sie mir als Bildjournalist, in welche Richtung muss ich eventuell umdenken?

Eric Bach: Immer wieder sehe ich, dass 10 bis 15 identische, nur leicht variierte Bilder geliefert werden. Der Kunde sucht nur das beste Bild! Möglichst breit gestreute Themen fotografieren und, wie gesagt, Qualität und nicht Quantität. Keine vermoosten alten Autos in USA oder einen zerfallenen Baumstumpf mit Blatt. Solche Bilder verkaufen sich fast nie.

DJV: Angesichts der heutigen Markt- und Mediensituation: Würden Sie, wenn Sie Wahl hätten und wieder 25 wären, wieder ins Bildergeschäft gehen?

Eric Bach: Das kann ich nicht sagen! Als ich anfing, gab es über 5000 arbeitslose Fotografen in Deutschland. Ich ging mit 30 DM nach Köln zur Kunstakademie! Mein Nebenjob "Fotografie" brachte mich nach London. Mit 57.000 DM kam ich vom Journalistenstudium zurück.

DJV: Die Zukunft des Bildermarktes: Spannender? Aussichtsloser? Beliebiger? Größer (mehr Nachfrage)? Kleiner (weniger Nachfrage)?

Eric Bach: Sie haben bereits die wichtigsten Positionen aufgelistet. Spannender? Ja - Beliebiger? Ja - Größer? Ja - aber auch härter. Die Luft wird dünner. Jeder muss sich der täglichen Herausforderung mit voller Kraft stellen. Der Tag hat 86.400 Sekunden und die verlorene Zeit wird nicht gut geschrieben.

Imagia Handbuch aktuelle Version zum Download

Imagia Handbuch aktuelle Version zum Download

Version 0.6 des Imagia Handbuchs

 

Teil 1  (Seite     1 - 39)

Teil 2  (Seite   40 - 79)

Teil 3  (Seite   80 - 119)

Teil 4  (Seite 120 - 161)

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