Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
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06. Januar 2015
Pegida

Wir sind gegen alles

Wieder ging es bei der Pegida-Demo vom 5. Januar in Dresden gegen die Medien. Ex-Redakteur Udo Ulfkotte heizte ein. Hier der Bericht von einem, der dabei war.

Ohne Weihnachtslieder, wie bei der letzten Pegida-Demonstration in Dresden am 22. Dezember, fehlten gestern den Demonstranten erkennbar die Slogans. "Wir sind das Volk" und "Lügenpresse" war immer wieder zu hören. Ansonsten angeregtes Gemurmel im Regen. Dabei ging es um alles: um die Politik, die das Land angeblich zwangsislamieren will, um die Medien, die nur schreiben und senden, was ihnen die Regierung vorgibt, um die Nachbarn, um die Verwandten, um den Job. Plakate, teils selbst gemalt auf Karton, dem der Regen zusetzte, gaben Sprüche wieder wie "Gegen die Regierungspropaganda - GEZ abschaffen!" oder "Gegen (Irre-)Leitmedien - für Meinungsvielfalt", Bekenntnisse pro Putin und gegen Merkel nicht zu vergessen. Ein Meer von Deutschlandfahnen, vereinzelt Friedenstauben, das sächsische Landeswappen. Wenn Kamerateams in der Nähe waren, schwoll der Ruf gegen die "Lügenpresse" an - Provokation war ebenso gewollt wie die "richtigen" Fernsehbilder und O-Töne von der Demo.

 

Bei der Kundgebung heizte Ex-Redakteur Udo Ulfkotte der Menschenmenge ein. Was er von der eigenen Zunft hielt? "Alphajournalisten als verlängerter Arm der Bundesregierung." Na klar, so einfach ist die Welt. Wahrscheinlich kam früher täglich ein Bote aus dem Kanzleramt bei Ulfkotte vorbeigeritten, um ihm die neuesten Direktiven auf den Schreibtisch zu knallen. So hanebüchen der Unsinn war, den er verbreitete, so faktenlos und wirklichkeitsfremd, so laut war der Beifall all derer, die ihm andächtig zuhörten. Emotion: 100 Prozent. Erkenntnisgewinn: null.

 

Wer einem Ulfkotte glaubt und gestern Abend durch Dresden zog, ist für die Medien als Leser oder Zuschauer längst verloren. Denn das Weltbild ist festgefügt: Die freiheitliche Bundesrepublik mit ihren garantierten Grundrechten, ihrer Meinungsfreiheit und ihrer Rechtsstaatlichkeit gibt es für viele Pegida-Demonstranten nicht. Sondern eher eine westdeutsch gefärbte DDR, in der man alles kaufen, aber sich nicht alles leisten kann. Die Optimisten unter ihnen glauben, mit ihren Demonstrationen etwas verändern zu können. Denn angeblich haben sie ja keine anderen Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen.

 

Hendrik Zörner


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