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06. Februar 2017
Spiegel-Cover

Ziel erreicht

Das Titelbild des "Spiegel" spaltet die Gemüter. Von "super" bis "katastrophal" reicht die Bandbreite der Meinungen. Ist der Spiegel übers Ziel hinaus geschossen?

Das Titelbild der aktuellen "Spiegel"-Ausgabe zeigt US-Präsident Donald Trump mit einem blutigen Messer in der einen und dem abgeschlagenen Kopf der Freiheitsstatue in der anderen Hand. Dazu die Titelzeile: "America First". Das Magazin lag noch nicht am Kiosk, als sich Empörung breit machte. In Deutschland wurde sie angeführt von Julian Reichelt, dem Chef von BILD Online. Die Grafik sei das "mit Abstand abstoßendste und geschmackloseste ,Spiegel'-Cover aller Zeiten", schrieb er. Auf Echo stieß die Titelei selbst in den USA. Die Washington Post urteilte: "überwältigend".

 

Darf der "Spiegel" das? Darf das Blatt mit einer grafischen Anleihe bei der Terrororganisation IS auf die eigene Titelgeschichte aufmerksam machen? Klare Antwort gemäß Pressekodex: ja. Sind die Eingriffe des US-Präsidenten in die Freiheitsrechte der amerikanischen Demokratie so schwerwiegend, dass sie mit der Enthauptung von Miss Liberty dargestellt werden müssen? Darüber mögen die Meinungen auseinander gehen, die Entscheidung trifft die "Spiegel"-Redaktion.

 

Eine ganz andere Frage ist, ob der "Spiegel" sich mit dem Cover einen Gefallen getan hat, der über den Verlauf der aktuellen Ausgabe hinausreicht. Wer so drastisch darstellt, hat kaum noch Möglichkeiten zur Eskalation. Das könnte sich womöglich bald schon rächen. Wer weiß, auf welche Ideen Trump noch kommt?

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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