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Generelle Überlegungen zum Sparprozesses in der Lebensversicherung

Ob es sich lohnt, eine bestehende Lebensversicherung zu kündigen, beitragsfrei zu stellen oder aber weiterzuführen, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Diese Überlegungen haben wir zu dem Thema angestellt:

1. Vertragsabschluss vor dem 1.1.2005

Die Auszahlung aus Lebensversicherungsverträgen, die vor dem 1.1.2005 abgeschlossen wurden, sind steuerfrei, vorausgesetzt, der Vertrag läuft mindestens 12 und die Beitragszahlungsdauer beträgt mindestens 5 Jahre. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Todesfallschutz mindestens 60% der garantierten Erlebensfallsumme beträgt. Im Zeitalter der Abgeltungssteuer ist die Steuerfreiheit kein unwesentlicher Aspekt.

2. Garantiezins

Gerade bei schon länger bestehenden Verträgen ist der Garantiezins in Zeiten sehr dürftiger Kapitalmarktzinsen von größerer Bedeutung. Diesen Zinssatz garantieren die Versicherer für die gesamte Dauer des Versicherungsvertrages. Der Garantiezins hat sich wie folgt entwickelt:  

Vertragsabschluss erfolgteGarantiezins
1942-19863,00 %
1987-Juni 19873,00 %
Juli 1987-Juni 19943,50 %
Juli 1994-Juni 20004,00 %
Juli 2000 –Dezember 20033,25 %
Januar 2004 – Dezember 20062,75 %
2007 - 20112,25 %
2012 - 20141,75 %
2015 - 20161,25 %
seit 2017  0,9 %

Die Kündigung eines Vertrages mit hohem Garantiezins (2,25 % und mehr) sollte angesichts des aktuell niedrigen Kapitalmarktzinses gut überlegt sein. Eine Entscheidungshilfe liefert Ihnen unser Berechnungsmodul.

4. Provision

Die Provision für Versicherungsvermittler wird in der Regel auf die Summe aller künftigen Jahresbeiträge, teils auch auf die Versicherungssumme gezahlt. Daher müsste der Versicherungsnehmer bei Kündigung gerade in den ersten Jahren oftmals sogar noch Geld oben drauf zahlen, wenn er kündigt. Das geschieht jedoch nicht, denn die Abschlusskosten werden gezillmert. Das führt insbesondere bei einer Kündigung in den ersten Versicherungsjahren zu teils hohen Verlusten.

5. Schlussüberschuss

Ein Lebensversicherungsvertrag wird gerade in den letzten Jahren der Laufzeit oftmals rentabler. Hintergrund ist, dass Versicherungsnehmer, die den Vertrag durchhalten, vom Versicherer mit sogenannten Schlussüberschussanteilen belohnt werden. Tendenziell ist daher eine Kündigung in den letzten Versicherungsjahren wenig lukrativ.

5. Konto überzogen

Wer dauerhaft seinen Dispositionskredit überzogen hat und für die Miesen teils horrende Dispozinsen zahlt, für den kann eine (Teil-) Kündigung des Lebensversicherungsvertrages angebracht sein. Der Rückkaufswert kann helfen, den Dispo auszugleichen und damit Überziehungszinsen zu vermeiden. Besser ist es jedoch, durch "Konsumverzicht" beziehungsweise eine Senkung der monatlichen Fixkosten das Konto schnell aus den roten Zahlen zu bringen. So wird die zusätzliche Altersversorgung nicht angegriffen und die Gewähr dafür, dass das Konto dauerhaft im Plus bleibt, ist höher.

6. Ratenkredite

Wer für Ratenkredite zu zahlen hat, sollte versuchen, diese durch eisernes Sparen auch regelmäßig zu bedienen. Eine schnelle Rückführung ist empfehlenswert, denn nicht gezahlte Zinsen entlasten das Budget. Eine Ausnahme kann dann nur gemacht werden, wenn dem Vertrag eine Nullprozentfinanzierung oder ähnliches zugrunde liegt. Allerdings erkauft man sich solch günstige Zinskonditionen meistens mit höheren Preisen. Eine Lebensversicherung auszulösen, um kurzfristige Konsumwünsche zu realisieren, halten wir daher falsch. Nur wenn alle Stricke reißen, kann eine (Teil-) Auflösung der Lebensversicherung angebracht sein.

7. Fondsgebundene Lebensversicherungen

Hier tun sich alle Experten, die wir kennen, schwer, bereits abgeschlossene Verträge zu beurteilen. Hintergrund ist, dass kein Mensch die künftige Wertentwicklung der Fonds voraussagen kann. Es lässt sich leider nur rückblickend feststellen, ob ein Fonds gut oder schlecht gelaufen ist. Sie sollten jedoch trotzdem zunächst die Fonds auf den Prüfstand stellen, die dem Versicherungsvertrag zugrunde liegen. Informieren Sie sich auch, welche alternativen Fonds der Versicherer für diesen Vertrag anbietet. Die Qualität der Fonds kann mithilfe der Internetplattform onvista.de und zusätzlich mit dem Fondsfinder der Stiftung Warentest bewertet werden. Auch sollten Sie prüfen, ob Garantieleistungen für Ihren Vertrag vereinbart wurden.

Fazit
Ist nicht gerade das Konto in der Dauerkreide, sollten Sie zumindest an Verträgen, die vor dem 1.1.2005 abgeschlossen wurden, festhalten. Der Garantiezins ist hoch, die Abschlusskosten sind in der Regel bezahlt und die Zinsen können Sie vermutlich steuerfrei einstreichen.