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08. April 2019
24 Stunden Zukunft

Der Sound von Spontaneität

Podcasts funktionieren nach anderen Prinzipien als klassischer Audiojournalismus. Erzählen, statt moderieren. Unterhalten, statt interviewen. Authentizität, statt zu viel Professionalität. Spiegel Audio-Chefin Yüksel erklärt im Workshop, was einen guten Podcast ausmacht.

Yasemin Yüksel ist die Stimme von Spiegel Online. Mit dem wöchentlichen Podcast „Stimmenfang“ nutzt sie das Medium Audio, um die Geschichten hinter den täglichen Nachrichten oder übersehenen Themen zu erzählen. Ihr Podcast startete im März 2017. In einer Episode über „die Wutwähler“ stellte Yüksel mit ihrer Kollegin das Gespräch mit enttäuschten und wütenden Dauergästen der Kommentarspalte des Spiegels her. Seitdem produziert das beschauliche Spiegel Podcast-Team mehr als 90 Folgen. Dort führte es mal Kollegengespräche mit Spiegel-Journalisten, organisierte Streitgespräche zwischen Politikern und ihren Wählern, berichtete im Reportagenstil zu Trends und Themen in der Politik und stellte den Dialog mit und zwischen Hörern her.

Yüksel erzählt, dass Podcasts vor allem durch die Haltung der Moderatoren und die Herstellung von Authentizität, Intimität und Nähe zu den Gesprächspartnern funktionieren. Die Podcast-Leitenden seien dafür zuständig, Menschen und Journalisten miteinander ins Gespräch zu bringen. Es komme dabei gerade nicht darauf an, die Tonlage eines Nachrichtensprechers zu treffen, sondern eine Unterhaltung herzustellen, bei der authentische Gesprächssituationen wie Versprecher oder das Telefonklingeln des Gesprächspartners bewusst nicht herausgeschnitten werden.

Eine klassische Sprecherziehung kann zur Moderation von Podcasts zwar hilfreich sein, aber bei der Herstellung persönlicher Nähe auch im Weg stehen. Unvermittelte Sounds, Fehler oder Versprecher würden der Subjektivität und der Vermenschlichung des Formats dienlich sein. Ohne Vorbereitung und Vorrecherchen sei die Produktion der Podcast-Folgen nicht möglich, allerdings müsse für das Format auch Raum für Spontaneität in den Gesprächen lassen.

Was unterscheidet das Podcast von anderen Audio-Formaten, die sich zum Geschichtenerzählen eignen? Yüksel geht darauf ein, dass Podcasts den Hörern maximalen Entscheidungsfreiraum lassen über das Format, Thema und Zeitpunkt, zu dem sie ihn hören können. Wenn Hörern den Stimmenfang-Podcast zum Einschlafen hören würden, so stelle dies eine unheimlich große Intimität zwischen dem Audio und der hörenden Person her. Zum anderen würden sich Geschichten authentisch und mit der subjektiven Stimme des Journalisten, Betroffenen, Politikers oder Experten erzählen lassen. Die Stories bekämen damit die Klangfarbe des Erzählenden und würden einen subjektiven und persönlicheren Eindruck aus der Perspektive dieser Person vermitteln.

Podcasts füllen eine Nische und erreichen neue Menschen. Sie würden, so Yüksel, ein anderes Publikum jenseits etablierter Kanäle wie die Print-Ausgabe des Spiegels erreichen. Vor allem jüngere, medienaffine Menschen würden Podcasts begeistert hören. Nicht zuletzt biete das Format auch Raum für Beschäftigung mit der Arbeit von Journalisten. Yüksel sagt, dass der Erfolg der Podcasts der neuen Generation, Journalisten die Möglichkeit gegeben hätte, persönlich über ihren Beruf und die damit einhergehende Recherchearbeit zu sprechen. Ihren Kollegen würde das Gespräch im Podcast die Möglichkeit geben, ihre Expertise einem neuen Publikum und mit subjektiven, menschlicheren Erfahrungen gefärbt durch einen anderen Kanal weiterzugeben. Dies schaffe die notwendige Transparenz und Nähe, welche die neue Formen von Journalismus in unserer Zeit bräuchten.

 


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