Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
Service-Bereich

DJV Blog

08. Mai 2018
Russia Today

Welch ein Herumeiern

Der russische Propagandakanal Russia Today soll künftig keine MDR-Studios mehr nutzen dürfen. Dafür sprach sich der Rundfunkrat aus. Von der Maßnahme sind auch andere Sender betroffen.

Dass der Kreml-Kanal Russia Today ein Interview mit einem sächsischen AfD-Politiker in einem Studio des Mitteldeutschen Rundfunks führen durfte, sorgte im März für Empörung. Der MDR begründete sein Vorgehen damit, dass es eine internationale Kooperation von Fernsehsendern gebe, in deren Rahmen Studios zur Verfügung gestellt würden, wenn Kapazitäten vorhanden seien. Damit ließ der Sender den Vorwurf unbeantwortet, dass ein Propagandainstrument des Kreml und nicht ein unabhängiger Sender von der Gastfreundschaft des MDR profitierte.

 

Ähnlich unpolitisch agierte MDR-Intendantin Karola Wille auch gestern im Rundfunkrat, wenn der "Tagesspiegel" nicht völlig daneben liegt. Nach dessen Bericht nämlich soll sich Wille zwar dafür stark gemacht haben, dass die Vergabe von Studiokapazitäten an ausländische Sender ARD-weit einheitlich neu geregelt wird. Aber zugleich zitiert das Blatt aus einem Schreiben der Intendantin an den Rundfunkrat: "Eine Prüfung der Bonität oder inhaltlichen Ausrichtung der Auftragenden für Studiokapazitäten ist nicht vorgesehen." Und: "Der Name des Studiogastes und die Nutzungsart müssen durch anfragende Dritte benannt werden. Eine begleitende inhaltliche Kontrolle der Gäste von Schaltgesprächen bzw. der aufgezeichneten Inhalte durch den MDR findet nicht statt."

 

Was soll das Herumeiern? Warum macht die Intendantin nicht deutlich, dass ein demokratischer Sender künftig nicht mehr mit den Verlautbarungsorganen von Diktaturen zusammenarbeiten will? Das wäre eine klare Botschaft, die dem MDR gut zu Gesicht stehen würde.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


journalist Logo

Die Redaktion berichtet monatlich über Ereignisse und Entwicklungen in den Medien, stellt spannende Köpfe der Branche vor und ... mehr

Wir unterstützen die Europarats-Kampagne
No Hate Speech Movement