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DJV Blog

30. Mai 2018
In eigener Sache

Kommentar vom 30.05. zu Arkadi Babtschenko

Der russische Journalist Arkadi Babtschenko, dessen Ermordung gemeldet worden war, ist am Leben.

Das melden u.a. die Tagesschau und die Welt am späten Nachmittag des 30.05. Wegen des komplett neuen Sachstandes haben wir den Blog-Beitrag vom heutigen Vormittag temporär deaktiviert, bis die unklare Nachrichtenlage zumindest etwas übersichtlicher war. "Es ist gefährlich, in einer Welt zu leben, wo die Behörden, wo die Politik die Bürger und die Öffentlichkeit dreist belügen, kommentiert nun DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall den inszenierten Mord gegenüber der dpa. Auch die Glaubwürdigkeit der Medien leide unter der Irreführung. "Journalisten müssen noch intensiver und noch viel genauer hingucken", mahnte Überall. Meldung im Volltext auf ntv

Aus Transparenzgründen dokumentieren wir den ursprünglichen Kommentar vom Vormittag hier unveränderter Form:

Arkadi Babtschenko ist tot. Er wurde erschossen. Er war nach Kiew gekommen, weil sich der Putin-Kritiker dort sicher fühlte. Er hatte Russland im Februar 2017 verlassen, weil er dort Morddrohungen bekommen hatte. Eine falsche Sicherheit, wie sich nun zeigt. Einen Tag vor dem Mord hatte er noch öffentlich geklagt, dass eine Vertrauensperson des Präsidenten zu seiner Ermordung aufgerufen hatte.

 

Der Osteuropa-Experte Boris Reitschuster schreibt auf Facebook: "Ich kenne ihn seit Jahren. Ich kenne seine Frau. Seine kleine Tochter. Die jetzt keinen Vater mehr hat. Wir waren uns nahe. Jetzt werde ich nie mehr sein Lächeln sehen. Werde nie mehr schweigend neben ihm sitzen, weil uns beiden keine Worte mehr einfallen. Arkadi, Du wirst mir fehlen!!!"

 

Auch wenn  - natürlich - noch nicht klar ist, wer konkret die Ermordung Babtschenkos kurz vor der Fußball-WM in Russland veranlasst hat, so deutet doch alles in eine Richtung. Die Fußball-WM findet trotzdem statt. Klar. In einem Land, das auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 148 von 180 Staaten steht. Konsequent wäre, wenn alle EU-Staaten nach dem Giftanschlag von Salisbury und jetzt der Ermordung von Babtschenko endlich ernsthaft über einen Boykott der Fußball-WM nachdenken würden.

 

 Ein Kommentar von Eva Werner


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