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05. Juni 2018
AfD-Debatte

Talkshows und Populismus

Die Diskussion um den medialen Umgang mit der AfD ebbt nicht ab.

Stand letzte Woche die Frage im Fokus, ob Journalist*innen, die an einem Tag gegen die Partei demonstrieren, am nächsten Tag wieder mit der gebotenen Distanz über die AfD berichten können, geht es nun mal wieder um die Talkshows.

ARD-Talker Frank Plasberg hat nun angekündigt, Alexander Gauland nicht mehr in seine Sendung einladen zu wollen. Der AfD-Chef war sich für eine Bagatellisierung des Nationalsozialismus nicht zu schade. Ulrich Schellenberg, der Präsident des Anwaltsvereins, sieht die „Vogelschiss-Aussage" Gaulands an der Grenze zur Strafbarkeit.

Andere Talkshows sind trotzdem unentschlossener, was ihre künftige Einladungspolitik betrifft. Denn die Abwägung ist und bleibt schwierig. Dialog ja oder nein: Es gibt für beide Entscheidungen gute Argumente. Wer Rechtsextreme medial ausschließe, heißt es, der riskiere, dass sie ihre Ideologie auf anderen Kanälen ungehindert verbreiten würden. Besser sei es daher, sie im öffentlichen - also auch medialen - Diskus argumentativ zu entlarven. Auf der anderen Seite verstehen gerade die sogenannten neuen Rechten diese Mechanik des Diskurses geschickt zu umgehen. Sie wollen schlicht ihre Ideologie salonfähig machen und Beobachter sagen, gerade die AfD hätte das bereits sehr erfolgreich geschafft. Dabei ist der Partei mitunter jedes Mittel recht, von offener Provokation bis hin zu Falschaussagen. Wählerstimmen scheint die unlautere Kommunikationsstrategie jedenfalls nicht zu kosten, im Gegenteil. Das macht es so gefährlich. Deutliche Worte gegen die mediale Dauerpräsenz der AfD-Provokateure fand der Werber Alf Frommer: „Oder hat man früher ständig Politiker der Republikaner, DVU oder NPD in Talkshows eingeladen?", fragte er auf Twitter. "Nein, hat man nicht und das aus gutem Grund.“ Will, Illner und Plasberg würden sich zu Komplizen der Geschichtsrevisionisten machen, indem sie ebensolchen Thesen ein Forum bieten, ergänzte er auf kress.


Ein Kommentar von Anna-Maria Wagner

 

 


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