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13. Juni 2018
Integrationsgipfel

Mimosenhafter Innenminister

Bundesinnenminister Horst Seehofer nimmt offenbar nicht am Integrationsgipfel im Kanzleramt teil, weil er über den Kommentar einer Journalistin verärgert ist. Ist der Mann zu zart besaitet für die Berliner Journaille?

Seehofer: Absage wegen Kommentar. Foto: Reto Klar

Ferda Ataman heißt die Journalistin, die offenbar den Bundesminister des Inneren, für Bau und Heimat, wie der offizielle Titel von Horst Seehofer lautet, von der Teilnahme am Integrationsgipfel im Kanzleramt am heutigen Mittwoch abhält. Die Kollegin engagiert sich für die Integration, etwa von geflüchteten Journalisten in die deutsche Gesellschaft - und in dieser Funktion ist sie Teilnehmerin des Gipfels.

 

Regelmäßig schreibt Ferda Ataman auf Spiegel Online. Und kürzlich auch in einer Beilage der taz, die von der Amadeu-Antonio-Stiftung kam. In ihrem Kommentar setzte sie sich kritisch mit der "Heimat"-Debatte in Deutschland auseinander und mit der Zuständigkeit des neuen Bundesinnenministers für Heimat. Kritisch, weit entfernt von konservativer Dirndl-Heimat, so schrieb Ferda Ataman. Wie Journalisten das in Kommentaren halt machen.

 

Dass Horst Seehofer deshalb den Integrationsgipfel schwänzt, wird offiziell natürlich abgestritten. "Terminprobleme", heißt es. Aber CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der gegenüber Journalisten Zweifel an der Zusammensetzung der Gipfelteilnehmer geäußert hatte, ist die authentischere Quelle.

 

Wenn der Bundesinnenminister Termine mit kritischen Journalisten künftig meidet, wird er nicht mehr viele Dienstreisen vor sich haben. Den Steuerzahler freut es.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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