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10. Juli 2018
Sportjournalismus

Fehlt die Distanz?

Die Fußball-WM ist noch nicht zu Ende, da ist die Debatte um die Rolle des Sportjournalismus eröffnet. Ist das noch Journalismus oder eher Entertainment? Ein PR-Profi sucht auf meedia.de nach Antworten.

Fußballspiel: Wo bleibt die Distanz? Foto: Frank Molter

Natürlich gelten im Sportjournalismus andere Regeln als in der Politik- und der Wirtschaftsberichterstattung. Oder kann sich jemand ernsthaft vorstellen, ein Hauptstadtkorrespondent würde eine Bundestagsdebatte ähnlich kommentieren wie sein Kollege vom Sport? Mit rasender und sich überschlagender Stimme den Gang eines Bundestagsabgeordneten ans Rednerpult so kommentieren wie den Lauf des Stürmers zum gegnerischen Tor? Nicht wirklich.

 

Aber bei allen Unterschieden in der Berichterstattung und der Art der Präsentation haben die Kollegen vom Sport mit denen anderer Ressorts eines gemeinsam: Sie haben den Auftrag, kritisch zu berichten, also nicht - im übertragenen Sinn - den Spielern in der Umkleide auf dem Schoß zu sitzen. Dass es an der gebotenen Distanz immer wieder Zweifel gibt, fächert der PR-Experte Hasso Mansfeld in seinem analytischen Bericht auf meedia.de auf. Er musste wahrscheinlich in der laufenden Fußball-WM nicht lange suchen, um Beispiele zu finden.

 

Die entscheidende Frage, die er aufwirft, lautet: Ist das noch Journalismus oder Entertainment? Fernsehzuschauer und Leser mögen sich ihr eigenes Urteil bilden über den Ist-Zustand des Sportjournalismus anno 2018. Aber klar ist, wie es sein sollte und wieder werden muss, wenn da was aus dem Ruder gelaufen sein sollte: Bei aller Sportbegeisterung in der Berichterstattung muss klar sein, dass der Journalist Beobachter und nicht Teilnehmer des Spiels ist. Das gilt für die letzten Spiele der WM genauso wie für die Zeit danach.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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