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12. Juli 2018
BBC-Gehälter

Schräge Diskussion

Nur zwei Journalistinnen befinden sich auf der Liste der 20 Spitzenverdiener bei der britischen BBC. Damit Frauen beim englischen Rundfunk mehr verdienen, verzichten manche Kollegen auf einen Teil ihres Gehalts.

Die Zahlen sind schwindelerregend: 550.000, 600.000, in der Spitze gar 1,75 Millionen Pfund. So viel verdienen Großbritanniens bekannteste Fernsehmoderatoren. Nicht bei einem vor Werbeeinnahmen strotzenden Privatsender, sondern bei der BBC. Dort wird schon seit geraumer Zeit darüber diskutiert, dass Journalistinnen deutlich weniger Einkommen haben als ihre männlichen Kollegen. Einige der Star-Journalisten haben daraufhin auf einen Teil ihrer Einkünfte zu Gunsten der Fernsehfrauen verzichtet.

 

So auch jetzt, da die BBC die aktuelle Top-20-Liste veröffentlicht hat. Dass ausgerechnet die Nummer 1 auf der Liste, Sportmoderator Gary Lineker, nichts für die Kolleginnen hergeben will, sorgt für viel Unmut. Dürfte es ihm doch bei 1,75 Millionen Pfund ein Leichtes sein, einen Teil davon herzugeben.

 

Aber was ist das für eine schräge Debatte, die da läuft? Eine notwenige Besserstellung der Journalistinnen nicht durch Tarifverträge und andere Regularien herbeiführen, sondern durch mehr oder weniger freiwillig gegebene Almosen der BBC-Männer? Wenn die Debatte nicht schnell die Kurve kriegt, verpasst der britische Rundfunk die Chance, echte Gleichstellung zu verwirklichen. Die Alternative ist dann nur eine immer wieder aufflammende Neiddebatte. Das kann es doch wohl nicht sein.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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