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06. August 2018
Klick-Krise

Was ist nur mit BILD los?

Still und heimlich sorgten die Digitalleser von Nachrichtenportalen im Juli für eine kleine Sensation: Zum ersten Mal seit 2009 belegte Bild.de nicht mehr den Spitzenplatz, sondern musste Spiegel Online weichen.

Julian Reichelt: zu krawallig? Foto: Andreas Thelen

Wie hoch die Reichweite von Online-Medien ist, entscheidet über die Höhe der Einnahmen, die die Medienunternehmen mit ihren Portalen erzielen können. Je mehr Klicks, desto interessanter sind die Digitalseiten für Werbekunden. Und umso höher fallen die Preise aus, die ein Unternehmen für Werbung zahlen muss.

 

Jahrelang belegte Bild.de den Spitzenplatz bei der Reichweite. Kein anderes Nachrichtenportal zog so viele User an wie Springers Boulevard-Flaggschiff. Spiegel Online lag traditionell auf Platz zwei. Das hat sich im Juli gründlich verschoben, zum ersten Mal seit 2009. Spiegel Online erreichte 21,12 Millionen User, Bild.de nur 21 Millionen. Selbst T-Online und Focus Online schnitten besser ab als das Portal aus dem Hause Springer, für das Julian Reichelt verantwortlich zeichnet.

 

Warum genau ein User nicht mehr so gern Bild.de anklickt, lässt sich nicht herausfinden. Wohl aber, dass der Chefredakteur mit seiner Art, Boulevardjournalismus unter die Leser zu bringen, offenbar nicht so erfolgreich ist, wie er es sich selbst wünscht. Der Spiegel hatte Julian Reichelt im April ein ausführliches Porträt gewidmet: "Boulevardblatt im Kampfmodus", hieß es in der Dachzeile. Dass die Hamburger damit den Nagel auf den Kopf getroffen haben, stellte Reichelt erst in den letzten Tagen wieder unter Beweis. Seine Berichterstattung und Kommentierung der Rassismus-Vorwürfe von Fußballer Mesut Özil waren so deftig, dass viele BILD als die Heimstatt rassistischer Vorurteile schlechthin kritisierten.

 

Julian Reichelt wäre schlecht beraten, wenn er den Ausweg aus der Klick-Krise in noch mehr Krawall suchen würde. Wie wäre es stattdessen mit faktenorientiertem Boulevardjournalismus? Die BILD-Journalisten können das. Ob ihr Chef das auch kann?

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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