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12. Oktober 2018
Autoren unter Angst

Schließt euch zusammen!

Eine Umfrage des PEN-Zentrums Deutschland förderte schockierende Werte ans Tageslicht: Drei von vier Autoren sind in Sorge um die Meinungsfreiheit, viele haben Angst. Ein Alarmsignal für die Demokratie!

Schreiben: Angst frisst Seele auf. Foto: Simone Ahrendt

Repräsentativ ist sie nicht, die Studie des PEN-Zentrums Deutschland und des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock, aber dennoch ein Alarmsignal, das aufhorchen lässt. 526 Schriftsteller haben mitgeteilt, wie sie die in der Verfassung garantierte Meinungsfreiheit in Deutschland wahrnehmen. Drei Viertel sind in Sorge um die freie Meinungsäußerung und beklagen eine Zunahme von Bedrohungen, Einschüchterungsversuchen und hasserfüllten Reaktionen. Jeder Zweite hat bereits Übergriffe auf seine Person erlebt und hat außerdem Kenntnis von Angriffen auf Kolleginnen und Kollegen. Der Titel der Studie könnte kaum treffender die Situation wiedergeben: "Das freie Wort unter Druck."

 

Der Druck hat Folgen: "Aktivitäten in sozialen Medien", wie es in der Studie heißt, werden reduziert. Jeder Fünfte schreibt weniger über kritische Themen und jeder Achte beschränkt sich in der Darstellung. Um es auf den Punkt zu bringen: Das nennt man Selbstzensur.

 

Eine erschreckende Bestandsaufnahme unter der Berufsgruppe, die wie kaum eine andere Seismograph der Gesellschaft, der Demokratie, der Freiheit ist, die ohne Sensibilität und Kreativität nicht arbeiten kann. Kreativ sein in einem Klima der Angst? Das passt nicht zusammen.

 

Wo ist der Ausweg? Einfache Antworten gibt es nicht. Aber einen Tipp: Gegen das Gefühl, im Fadenkreuz von Trollen, Rechtsextremisten oder Durchgeknallten zu stehen, hilft Networking mit anderen Schriftstellern, die genauso empfinden. Das ist zumindest gut gegen das Gefühl der Vereinsamung und der Wehrlosigkeit. Also, Leute, schließt euch zusammen, überlasst den "Anderen" nicht die Kultur!

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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