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07. November 2018
New York Times

Highlight am Abend

"Mission Wahrheit", die Arte-Dokumentation über die New York Times im ersten Jahr von Donald Trumps Präsidentschaft, war spannend wie ein Krimi und zeigte die Lust am Journalismus ebenso wie die ständige Überforderung der Journalisten.

Welch ein Fernsehabend! Ab 20.15 Uhr strahlte Arte gestern Abend alle vier Folgen der Dokumentation "Mission Wahrheit" über die New York Times im ersten Jahr von Trumps Präsidentschaft aus. Eine Filmmusik im Hintergrund, die die Spannung noch erhöhte, obwohl die Handlung eigentlich für sich sprach. Journalisten, die immer wieder überrascht und schockiert wurden von dem, was Donald Trump tat und vor allem twitterte. Und die von Informanten manch einen Insidertip gesteckt bekamen, ohne den die eine oder andere Story nicht zustande gekommen wäre.

 

Maggie Haberman, aus lange zurückliegenden New Yorker Zeiten die Trump-Kennerin in der NYT-Redaktion, schilderte am eindrucksvollsten, was dieser Präsident mit den Journalisten machte. Sie war im Wahlkampf ins Washingtoner Büro gezogen, hatte immer mehr Zeit in der Redaktion und bei Terminen verbracht, ihr Privatleben nach hinten geschoben. Weil für sie klar war, dass Trump verlieren würde und danach wieder Normalität zurückkäme. Es kam ganz anders, der Stress wurde noch stärker. Haberman sprach bei einer nächtlichen Autofahrt in die Kamera, dass sie ihr altes Leben zurückhaben wolle, aber so weitermachen müsse. Denn Donald Trump sei jetzt nun mal Präsident.

 

Besonders eindrucksvoll auch die Szene von einer Trump-Kundgebung in Phoenix, der ersten nach den Unruhen in Charlottesville. Trump wiegelt seine Anhänger im Saal gegen die anwesenden Journalisten auf: "Feinde des Volkes". Die Stimmung wird immer aggressiver, schließlich klappen die Korrespondenten ihre Laptops zu und gehen: einige aus Angst, einige aus Protest gegen diesen präsidialen Aufwiegler.

 

Spätestens an dieser Stelle ist klar, dass nicht sein eigener Stab und nicht seine Partei Trump stoppen können, sondern wahrscheinlich nur noch Enthüllungen der Medien und daraus resultierender öffentlicher Druck. Der amerikanische Originaltitel der Arte-Doku "Die vierte Gewalt" trifft es zu 100 Prozent.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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