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09. November 2018
Regierungskommunikation

Gut, dass wir die BPK haben

Wäre ein Eklat zwischen einem Regierungschef und einem Journalisten à la Trump gegen CNN auch bei uns denkbar? Nein, zum einen haben wir keinen Trump, zum anderen gibt es die Bundespressekonferenz.

Bundespressekonferenz: klare Regularien. Foto: BPK

Nicht genug, dass US-Präsident Donald Trump vor laufenden Kameras den CNN-Reporter Jim Acosta übel beschimpfte, weil ihm dessen Fragen nicht passten. Auch noch nicht genug, dass Acosta die Akkreditierung zum Weißen Haus entzogen wurde. Den Vogel schoss Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders ab, als sie gestern Auszüge aus Acostas Auseinandersetzung mit einer Mitarbeiterin der Pressestelle, die ihn aus dem Presseraum drängen wollte, als Video verbreitete - in Zeitlupe und aus dem Zusammenhang gerissen.

 

Professionelle Pressearbeit? PR auf Top-Niveau? Weit gefehlt. Was Sanders als kritiklose Befehlsempfängerin ihres Präsidenten da inszeniert, ist der Krieg gegen die Medien. Eine Schande für alle Pressesprecher!

 

Wäre das in Deutschland möglich? Zum Glück nicht. Denn als Lehre aus der NS-Diktatur mit ihrer Propagandamaschine wurde in der Bundesrepublik ein Instrument geschaffen, das es so in Deutschland noch nicht gegeben hatte: die Bundespressekonferenz. Als Verein der Hauptstadtjournalisten organisiert, lädt sie die Politiker zu den Journalisten ein. Wer bei ihr Platz nimmt, beantwortet Fragen. Unmöglich, dass ein Politiker in der BPK einen Journalisten beschimpft, ihm droht, ihm das Fragerecht entzieht. Als eingeladener Gast hat er keine Möglichkeit zum ungebremsten Ausrasten.

 

Vielleicht hängt ja damit zusammen, dass deutsche Politiker nicht zu solchen Höhenflügen neigen wie der Choleriker im Weißen Haus.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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