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29. November 2018
Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis

Haltung ausgezeichnet

NDR-Fernsehjournalistin Anja Reschke wurde mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet. Warum? Weil sie Haltung zeigt. Wie passt das zu dem berühmten Friedrichs-Zitat, Journalisten dürften sich nicht gemein machen?

Journalisten dürfen sich nicht mit einer Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. So wird der verstorbene Tagesthemen-Moderator und Auslandskorrespondent Hanns-Joachim Friedrichs immer wieder zitiert. Am liebsten von denjenigen, die Journalisten als emotionslose Berichterstattungsautomaten haben wollen. Kein Wunder, dass das Friedrichs-Zitat denn auch meistens als Anklage verwendet wird.

 

Das hat Anja Reschke, die streitbare Moderatorin der NDR-Sendungen ZAPP und Panorama, auch schon zur Genüge erfahren. "Ich kann nicht mehr zählen, wie oft mir der Satz vorgehalten wurde. Natürlich stets verbunden mit einer Kritik an meiner scheinbar mangelnden Objektivität bzw. meiner Haltung", wird sie auf ZAPP.de zitiert. Warum also hat Anja Reschke dann jetzt den renommierten Journalistenpreis erhalten, wenn sie angeblich dauernd mit der goldenen Regel von Hanns-Joachim Friedrichs bricht? Weil sein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen ist, weil es verkürzt wiedergegeben wird, wie ZAPP schildert.

 

Bei der Preisverleihung am gestrigen Mittwoch wurde klar, dass Haarspaltereien über die Friedrichs-Regel unzeitgemäß sind und dem Journalismus eher schaden als nützen. Anja Reschke hat in ihren Beiträgen und Kommentaren stets bewiesen, dass ihr demokratische Grundwerte heilig sind und dass sie kompromisslos die Presse- und Meinungsfreiheit verteidigt. Dass das heute notwendiger als in den zurückliegenden Jahren ist, ahnt jeder, der mit wachem Blick im Ausland das Vordringen von Populisten in höchste Staatsämter und im eigenen Land den Einzug der AfD in die Parlamente verfolgt.

 

Die Preisverleihung an Anja Reschke möge deshalb auch all den Kolleginnen und Kollegen Mut machen, die den Journalistenberuf als Berufung verstehen - gerade jetzt.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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