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23. März 2014
DJV-Landesverbandstag

Verantwortung für sich selbst

Von Burnout Betroffene müssten Verantwortung für sich und ihre Einstellung übernehmen, so Karl-Jürgen Bär.

Lutz Gerlach, erstmals Tagungspräsident, leitete die Mitgliederversammlung souverän.

Britt Mandler begündete die Verhandlungsaufforderung an die Zeitungsgruppe Thüringen.

Doreen Huth glaubt an die Reformfähigkeit des DJV. Es gibt bereits Impulse von motivierten jungen Kollegen.

Eine Erkenntnis aus der Diskussion sind für Kajo Döhring die mit Nachdruck geforderten Veränderungen im DJV. Fotos: Michael Schlutter

Sagen Sie auch mal "nein"! Finden Sie Ihre Balance zwischen beruflicher Anerkennung und privaten Interessen! Gut gemeinte Ratschläge von Prof. Karl-Jürgen Bär, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Uni-Klinikum Jena. Sie blieben nicht unwidersprochen. Personalabbau in den Redaktionen, zusätzliche Aufgaben, Überstunden in Größenordnungen würden oftmals keine andere Wahl lassen als zu funktionieren. Gesetzwidrige Umstände wie einen Tagesdienst von 13 Stunden muss jedoch niemand hinnehmen.

 

"Sie machen auch schon wieder drei Sachen gleichzeitig", die auf die Twitter-Wall beim Landesverbandstag gemünzte Bemerkung von Karl-Jürgen Bär lässt sich mühelos auf die Themen der DJV-Mitgliederversammlung übertragen. Diskussion über Burnout, Sicherung von Redakteursstellen, angemessene Honorare für Freie, gemeinsame Plattform für Journalistinnen und Journalisten mit langjähriger Berufserfahrung - an Arbeit mangelt es tatsächlich nicht.

 

Deshalb ist das Engagement der Mitgliedschaft zwingend erforderlich. Ergebnisse vorweisen können, ist zwar eine verständliche Erwartunghaltung der Mitglieder an die DJV-Gremien. Eigenes Handeln jedoch unerlässlich, weil 20 Gremienmitglieder allein die Welt nicht ändern können. 

 

Das trifft auch auf die beschlossene Verhandlungsaufforderung an die Zeitungsgruppe Thüringen zu, bei OTZ, TA und TLZ Redakteursstellen zu sichern, die Gehälter an den Flächentarif anzugleichen und anständige Honorare an Freie zu zahlen. Das wird kein Selbstläufer. Seit 1996 existiert in Thüringen keine Verlegerorganisation. Für die Fläche verhandelte Tarifverträge gelten deshalb bei den Titeln der Zeitungsgruppe Thüringen nicht. Das hatte anfangs keine Konsequenzen, weil die Verlage, mit Ausnahme der TLZ, die Tarifabschlüsse 1:1 übernahmen. Nach einigen Jahren änderte sich das. Obwohl bei der WAZ, heute Funke-Mediengruppe, ein Kodex gilt, wonach sich die Arbeitgeberseite an geltende Tarifverträge hält, beträgt der Abstand zu den Tarifen bei den ZGT-Titeln inzwischen ca. 8 Prozent. Für Berufsanfänger stellt sich die Situation noch dramatischer dar. Sie erhalten bis zu 500 Euro weniger als die tariflichen Einstiegsgehälter vorsehen.

 

Auf die Veränderungen im Journalismus muss sich der DJV einstellen. Die Notwendigkeit von Reformen im DJV sprachen in der Diskussion einige Teilnehmer des Landesverbandstages an. Deutlich wurde dabei die unterschiedliche Herangehensweise. Sie reichte von Ulrich Heusers, Vorsitzender des DJV Hessen, vertretenen Auffassung, der DJV sei nicht reformfähig, bis zur Feststellung von Doreen Huth, dass der Bundesfachausschuss Junge Journalistinnen und Journalisten an die Reformfähigkeit glaubt und sich deshalb aktiv in den Prozess einbringt.

 

Auch inhaltlich ist die Spannweite groß. Eine Diskussion über Inhalte, Strukturen und Finanzen dürfe ein Ergebnis nicht vorschreiben, wie im Antrag von Baden-Württemberg an den Verbandstag im vergangenen Jahr geschehen, so DJV-Hauptgeschäftsführer Kajo Döhring. Der DJV Thüringen hatte hingegen mit seinem Antrag (F4) einen konstruktiven Ansatz geliefert. Der darf jedoch nicht in den Hinterzimmern diskutiert werden. Der DJV müsse sich über seine inhaltlichen Kompetenzen definieren und nicht über Strukturen und verordnete Fusionen, so Landesgeschäftsführer Ralf Leifer.  

 

Deshalb ist die Gründung eines Ostdeutschen Journalisten-Verbandes auch nicht per se die Lösung, wie sie Michael Plote als sein Fazit des Landesverbandstages zieht. Eine gemeinsame gedruckte Publikation, wie von Bernd Lammel (Vorsitzender des DJV Berlin) angeregt, könnte ein Schritt zu einem solchen Verband sein, muss es aber nicht zwingend.

 

Den Prüfauftrag zur Überarbeitung des Berufsbildes Journalist/-in nahm die Antragstellerin zurück. Zuvor hatte Bundesschatzmeister Frank Überall erklärt, dass sich der Bundesvorstand bereits mit dem Berufsbild befasse. Nach Einschätzung des Gremiums sei es schon sehr weit gefasst. Einige Ergänzungen bei den Fallbeispielen in den Aufnahmerichtlinien könnten ausreichend sein. Das in der Diskussion angeführte Beispiel der KiKa-Zuschauerredaktion lasse sich schon jetzt zweifelsfrei als journalistische Tätigkeit einordnen. Bei allen Veränderungen im Journalismus, so Frank Überall, dürfe das Alleinstellungsmerkmal des DJV, ausschließlich hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten zu organisieren, nicht aufgegeben werden.  

 

 

 


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