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06. Juni 2017
London Attacks

Inszenierter Protest?

Nach dem London-Anschlag verbreiten rechte Blogger das Gerücht, der Sender CNN habe Anti-Terror-Demo muslimischer Protestler in London inszeniert und diese sogar bezahlt. In Deutschland greift vor allem die AfD die „Fake News“-Vorwürfe auf und streut sie im Netz.

CNN wies die Vorwürfe derweil unmissverständlich als "Unsinn" zurück. Die Polizei habe den Demonstranten erlaubt, sich am Schauplatz der Fernsehbilder einen Weg an der Journalistengruppe vorbeizubahnen, damit sie ihre Protestschilder zeigen konnten. CNN und weitere Medien hätten die Gruppe dabei „schlicht“ gefilmt. Die Szenerie täusche also. Dass die Demonstrierenden auch nicht von CNN bezahlt waren - ein absurder Vorwurf, der wie auf Twitter von zahlreichen Nutzern behauptet wurde - zeigt ein Foto eines AP-Fotografen. Er nahm die Gruppe bereits zuvor an einem anderen Ort in London auf. Soweit so gut. Dennoch zeigen die zuerst gezeigten Bilder nur einen Ausschnitt des Szenarios vor Ort. 


Die Geschichte zeigt erneut, wie sich der Journalismus schon längst gewandelt hat und wie er sich weiter verändern muss. Dass Staatsakte, ebenso wie politische Proteste, meist geplant und oft sogar komplett durchchoreografiert sind, ist kein Geheimnis. Es geht dabei schließlich um das Symbolische, die Macht der Bilder. Durch Smartphones und digitale Medien ist aber das Made-Off dieser Bilder mittlerweile leicht zu entlarven. Die gewollte Aussage kann damit schnell ins Unglaubwürdige oder Lächerliche kippen. Das sät Misstrauen und wird von anderen politischen Interessengruppen instrumentalisiert. Oft überspitzt, verzerrt, gespickt um Unwahrheiten. Solche Steilvorlagen sollten die Medien den Populisten und Pressefeinden nicht liefern und lieber selbst alle Perspektiven, Details und Hintergründe abbilden. 

 

Sonst droht die Inszenierung des Politischen zum Bumerang zu werden.


Ein Kommentar von Anna-Maria Wagner

 


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