Offener Brief an die Intendanz und die Programmdirektion des Deutschlandradios
Zur geplanten Programmreform des Deutschlandfunks
Sehr geehrter Herr Raue, sehr geehrte Frau Teichmann,
mit großem Interesse verfolgen wir die angekündigte Reform des Deutschlandfunks. Als Organisationen aus Zivilgesellschaft, Journalismus, Wissenschaft, Verbraucher-, Klima- und Umweltschutz verbindet uns die Überzeugung, dass ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk unverzichtbar für unsere Demokratie ist.
Der Deutschlandfunk nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Sein Programm steht seit Jahrzehnten für journalistische Sorgfalt, fachliche Tiefe und gesellschaftliche Breite. Die „Informationen am Morgen“ prägen regelmäßig die öffentliche Debatte. Gleichzeitig sind es gerade die Fachmagazine und vertiefenden Formate im Tagesverlauf, die Themen Raum geben, die im schnellen Nachrichtentakt oft zu kurz kommen – und die erst durch kontinuierliche Berichterstattung in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung sichtbar werden.
Wir verstehen die Notwendigkeit, den Deutschlandfunk zukunftsfähig aufzustellen. Mediennutzung verändert sich, digitale Angebote gewinnen an Bedeutung und der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht in besonderer Verantwortung, mit seinen Ressourcen sorgsam umzugehen. Dazu gehören Innovation, neue Formate und der Anspruch, auch jüngere Zielgruppen zu erreichen.
Mit Sorge blicken wir jedoch auf die angekündigten Veränderungen im Programm und den weitgehenden Umbau der bisherigen Fachmagazine. Die angekündigte stärkere Bündelung von Inhalten in allgemeinen Informationsformaten und die veränderten redaktionellen Abläufe bergen aus unserer Sicht das Risiko, dass Themenvielfalt, Fachlichkeit und publizistische Tiefe an Raum verlieren.
Wir haben – mit Blick auf die angekündigten Entwicklungen – die Sorge:
- dass gesellschaftlich hochrelevante Fragen des Natur-, Klima- und Umweltschutzes künftig weniger sichtbar werden, obwohl sie den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen.
- dass für die vertiefte journalistische Einordnung künftig weniger Raum bleibt und komplexe Zusammenhänge hinter der tagesaktuellen Berichterstattung zurücktreten.
- dass etablierte Fachkompetenz und redaktionelle Kontinuität an Bedeutung verlieren und dadurch die Qualität der Berichterstattung leidet.
Gerade Sendungen wie „Umwelt und Verbraucher“ zeigen beispielhaft, welchen Wert Formate mit journalistischer Tiefe haben. Natur-, Klima- und Verbraucherthemen gehören zu den Anliegen vieler Menschen in Deutschland. Sie brauchen einen festen Platz im Programm – unabhängig von tagespolitischen Erregungswellen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen besonderen Auftrag: Er soll nicht nur Reichweite erzeugen, sondern Orientierung geben, unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven und Zielkonflikte sichtbar machen und den demokratischen Diskurs stärken. Wer, wenn nicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sichert die Vielfalt dieser gesellschaftlichen Perspektiven, journalistische Sorgfalt und eine informierte Meinungsbildung – gerade dort, wo Themen nicht dem kurzfristigen Aufmerksamkeitswettbewerb folgen?
Wir appellieren deshalb an Sie, die Reform so auszugestalten, dass die besondere Stärke des Deutschlandfunks erhalten bleibt: fachliche Expertise, Themenvielfalt, vertiefende Recherche und Raum für Themen jenseits des unmittelbaren Nachrichtenzyklus. Dazu gehört aus unserer Sicht auch, die Expertise der Umweltjournalistinnen und -journalisten einzubeziehen und ihre Arbeit angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen langfristig abzusichern.
Gern stehen wir für einen Austausch zu den geplanten Veränderungen und ihren Auswirkungen zur Verfügung. Gerade in Zeiten wachsender Desinformation und zunehmender Polarisierung möchten wir mit unseren Erfahrungen und Perspektiven dazu beitragen, dass die bevorstehende Reform auch künftig eine fundierte Berichterstattung über Natur-, Klima- und Umweltthemen sichert. Denn sie ist eine wichtige Grundlage für den gesellschaftlichen Diskurs und eine informierte Meinungsbildung.
Mit freundlichen Grüßen
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
- Deutscher Journalisten-Verband (DJV)
- Deutscher Naturschutzring (DNR)
- Deutsche Umwelthilfe (DUH)
- GermanZero
- Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV)
- MaLisa Stiftung
- Naturschutzbund Deutschland (NABU)
- WWF Deutschland