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Finanzierung des Journalismus

04. Mai 2017
Glosse

Herr Döpfner, wir hätten da eine Idee

Die Zeitungsverleger, lieber Herr Döpfner, klagen doch immer über ihre ach so schlechte wirtschaftliche Lage. Mal soll die Politik es richten, mal sollen die eigenen Mitarbeiter Verständnis dafür haben, dass ihr Job der Bilanz zum Opfer fällt. Und wir als Journalistengewerkschaft sollen deshalb bloß nicht mosern.

 

So könnte das ewig weiter gehen, muss es aber nicht, wie uns ein Blick über den großen Teich verrät. Da hat es nämlich ein großer Zeitungsförderer bis ins Weiße Haus geschafft. Ja, ganz recht: Donald Trump, der ständig unbotmäßigen Journalisten das Schimpfwort "Fake News" an den Kopf knallt, ist in Wahrheit verkappter Zeitungslobbyist. Eine kühne These? Nein, eine faktengestützte Behauptung. Die New York Times verdankt dem neuen Präsidenten die Rückkehr zu schwarzen Zahlen. Immer mehr Leser wollen dafür bezahlen, dass sie die NYT auf ihrem Smartphone oder Notebook lesen können.

 

Davon können Sie, Herr Döpfner, nur träumen, nicht wahr? Die guten Kontakte von Friede Springer zu Angela Merkel zahlen sich wahrlich nicht in Abos aus. Merkel ist nun mal kein Trump und wird's auch nicht mehr. Wie wäre es denn, und hier kommt die Idee ins Spiel, wenn Sie mit Ihren Kontakten und Ihrer wirtschaftlichen Stärke mal bei Trump nachfragen, ob er nicht zusätzlich deutscher Bundeskanzler werden will? Das würde der doch mit links machen. Da sein Lieblingswort "Fake News" schon in den deutschen Wortschatz übergegangen ist, müsste er nicht mal Sprachunterricht nehmen. Ein markiges Poltern von ihm zählt mehr als 100 Ankündigungen im Koalitionsvertrag, die dann doch nicht kommen. Nach einer Legislaturperiode hätten sich die deutschen Zeitungen saniert und Trump könnte sich wieder ganz auf Amerika konzentrieren. Denken Sie mal darüber nach, lieber Herr Döpfner.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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