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Digitaler Journalismus

Krisenberichterstattung

Mehr Dialog

10.06.2022

Wie gehen Menschen mit den Schreckensnachrichten über Ukrainekrieg, Corona-Pandemie und Klimawandel um? Das haben zwei Medienwissenschaftler jetzt untersucht - und mahnen Journalisten zu mehr Dialog mit ihren Lesern und Zuschauern.

Zeitungen: Auf die Nutzung kommt es an. Foto: Your Photo Today

Leif Kramp und Stephan Weichert haben knapp 1.000 Bundesbürger befragt und 60 Tiefeninterviews geführt, um herauszufinden, was die Nachrichten über Ukrainekrieg, Corona-Pandemie und Klimawandel mit den Menschen machen. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Zunehmend breitet sich Nachrichtenmüdigkeit aus, wächst der Trend zum Wegsehen oder -klicken. Die Symptome reichen bis zum Burn out. Je länger der Horror anhält, desto geringer die Bereitschaft, aktuelle Entwicklungen noch zu verfolgen und sich weiterhin zu informieren.
Das ist nicht nur gesellschaftlich riskant, sondern droht auch das Vertrauen zu erschüttern, das viele Mediennutzer mit Beginn der Corona-Pandemie wieder in Zeitungen und Nachrichtenportale gefasst haben. Aber Kramp und Weichert belassen es nicht dabei, den Ist-Zustand festzustellen, sondern erklären in einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung, welche Maßnahmen notwendig und erfolgversprechend sind.
Da ist vor allem der Dialog der Journalisten mit ihren Lesern, Zuschauern und Nutzern. "Medien sollten über die Stärkung der Robustheit ihrer Nutzer nachdenken, idealerweise im Gespräch mit ihnen", schreiben sie. Und weiter: "Dafür braucht es systematischen Austausch zwischen Redaktionen und Nutzern: mehr redaktionell betreute und nicht irgendwie ausgelagerte Schnittstellen ergeben mehr Gelegenheiten für Dialog mit der Bevölkerung. Auf diese Weise desillusioniert die Berichterstattung die Leser, Hörer oder Zuschauer nicht, sondern fördert Gespräche und fordert zur Mitgestaltung der Berichterstattung auf. Und sie ermutigt zu einem aktiven Austausch über eine friedvolle Zukunft. Solange Medien zu einem breiten Bewusstsein beitragen, Krisen meistern zu können, werden Bürger nicht ihre Opfer, sondern Designer von Gesellschaft sein."
Den Dialog mit den Lesern haben Experten und Praktiker schon einmal als Rezept empfohlen. Das war vor ein paar Jahren, als die "Lügenpresse"-Schmährufe der Pegida Schatten in die Mitte der Gesellschaft zu werfen begannen. Und manche Redaktionen haben auch Dialogformate eingeführt und mit großem Erfolg durchgezogen. Corona und der Lockdown brachten ein jähes Ende. Doch das muss nicht endgültig sein. Redaktionen sollten an die guten Erfahrungen anknüpfen und weiter machen. Damit nicht Ukrainekrieg und Klimakrise zum Abschalten führen.
Ein Kommentar von Hendrik Zörner

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