Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
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Journalistisches Praktikum

Ohne Praktikum läuft nichts

Ohne Praktikum läuft (fast) nichts mehr. Ob als Schnupper-Phase vor dem Einstieg in Ausbildung oder Studium, ob zur beruflichen Neuorientierung und Spezialisierung oder als Pflichtprogramm während des Journalistik-Studiengangs: Praktika sind wichtige Bestandteile auf dem Weg in den Journalismus.

Entsprechend vielgestaltig präsentieren sich Praktika im Journalismus. Mal konzentrieren sie sich auf nur eine Redaktion, mal umfassen sie mehrere Medien. Praktika können eine Woche dauern oder auch Monate; als zwölfmonatiges Volontärspraktikum in Journalistik-Studiengängen ersetzen sie gar ein ganzes Volontariat. Sie bringen ein festes Gehalt, eine fixierte Pauschale, ein geringes Honorar – oder sie sind unentgeltlich, und der/die Praktikant/in zahlt mit Fahrt- oder Sachkosten sogar noch drauf.

Wie auch immer: Leicht zu bekommen sind Praktikumsstellen in den Medien nicht. Wenn sie nicht über die Hochschule vermittelt werden, muss man sich auf viele Redaktionsbesuche und Bewerbungen einstellen.

Praktika können sehr hilfreich sein. Sie können den eigenen Berufswunsch präzisieren oder auch revidieren. Sie können erstes journalistisches Handwerkszeug und Kontakte vermitteln. Sie können helfen, das an der Uni Erlernte in der Praxis zu erproben. Sie können motivieren und den Spaß an journalistischer Arbeit fördern. Sie können helfen, neue Berufsfelder für sich zu entdecken.

Praktika können aber auch das Gegenteil bewirken. Sie können entmutigen, weil man sich nach der Ausbildung monatelang engagiert von Praktikum zu Praktikum hangelt, aber dennoch keine berufliche Perspektive bekommt. Praktika können nutzlos sein, weil der Praktikant/die Praktikantin schlicht ignoriert wird. Praktika können verkappte Verlängerungen einer Probezeit sein. Und Praktika können bis zur Ausbeutung reichen, wenn Arbeitgeber Praktikanten mit der vagen Aussicht auf eine Ausbildung oder auf eine feste Stelle unentgeltlich über Monate für sich arbeiten lassen – und damit schlicht nur Personalkosten sparen.

Es ist nicht leicht, ein gutes Praktikum schon im Vorhinein von einem schlechten oder missbräuchlich angebotenen zu unterscheiden. Diese Checkliste soll dazu beitragen herauszufinden, wann Ihnen ein Praktikum nutzt – und wann Sie lieber die Finger davon lassen.

Eindrücke

  • Handelt es sich um ein in der Branche bekanntes und akzeptiertes Unternehmen?
  • Stellt das Unternehmen Journalistik-Studiengängen oder Journalistenschulen regelmäßig Praktikumsplätze zur Verfügung?
  • Steht die Zahl der Praktikanten in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Redakteure (bei Volontariaten gilt eins zu vier als Mindestquote)?
  • Gibt es eine schriftliche Vereinbarung, in der Ort, Inhalt, Dauer, Stationen/Projekte, Ansprechpartner/Betreuer, Arbeitszeit, Haftungsfragen, Unfallschutz, Urheberrecht, Kündigungsfristen, Kostenerstattung, ggf. Vergütung und abschließende Bestätigung/Beurteilung des Praktikums fixiert sind?
  • Handelt es sich um ein rein journalistisches Praktikum, das bewusst von anderen Branchen (z. B. PR/Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Anzeigenakquise) trennt?
  • Ist der vereinbarte Zeitrahmen dem Zweck des Praktikums angemessen (bis zu sechs Wochen Schnupper-Praktikum bzw. vorgeschriebene Praxiszeit vor/während Studium)?
  • Kann der Betriebsrat bestätigen, dass das Unternehmen nicht mit Kettenverträgen für Praktikanten arbeitet bzw. Praktikanten als Ersatz für reguläre Arbeitsverhältnisse beschäftigt?
  • Wenn das Unternehmen einen festen Ausbildungs-/Arbeitsplatz nach dem Praktikum verspricht: Ist es bereit, diese Zusage schriftlich zu fixieren?

Einblicke

  • Gibt es einen Arbeitsplatz mit der erforderlichen technischen Ausstattung?
  • Steht ein/e feste/r Ansprechpartner/in zur Verfügung?
  • Nimmt er/sie sich Zeit für Gespräche/Erklärungen/Unterstützung?
  • Herrscht im Redaktionsteam ein positives Klima für Auszubildende und Praktikanten?
  • Vermeidet die Redaktion, Praktikanten mit unbeliebten, gar berufsfremden Arbeiten zu beschäftigen?
  • Werden grundlegende Informationen über das Unternehmen und die journalistische Arbeit vermittelt?
  • Ist es möglich, sich sukzessive an der journalistischen Arbeit zu beteiligen?
  • Können kleinere Projekte auch selbstständig bearbeitet werden?
  • Werden Arbeitsergebnisse nach journalistischen Qualitätskriterien durchgesprochen, korrigiert und um Anregungen ergänzt?
  • Werden eigene Arbeitsanteile an Gemeinschaftsprojekten erkennbar ausgewiesen?
  • Lässt das Arbeitsaufkommen genügend Zeit für Einblicke ins berufliche Umfeld?
  • Wird man kollegial ins Team einbezogen (informelle Gespräche, Konferenzen, gemeinsame Mahlzeiten, Umtrunk)?
  • Gibt es Honorar für einzelne Veröffentlichungen oder eine finanzielle Vergütung der Praktikumszeit?
  • Werden Sach- und Fahrtkosten erstattet?
  • Gibt es ein Abschlussgespräch und eine schriftliche, qualifizierte Beurteilung?

Ausblicke

  • Hat das Praktikum seinen Zweck erfüllt?
  • Hat das Praktikum den eigenen beruflichen Horizont und die Fachkenntnisse erweitert?
  • Falls es entsprechende Zusagen gab: Mündet das Praktikum tatsächlich in einen festen Vertrag?
  • Verbessert das Praktikum die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?
  • Bietet das Unternehmen seine Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz an?
  • Lässt sich der Kontakt zum Unternehmen fortsetzen und ausbauen?
  • Gibt es verlässliche Ansprechpartner und neue Kontaktadressen in Berufsfragen?
  • Können journalistische Produkte aus dem Praktikum bei Bewerbungen als Arbeitsproben vorgelegt werden?

Und ein paar Tipps zum Schluss:

Neben Journalistikstudium und Journalistenschule ist das zweijährige Volontariat die gängige und tariflich fixierte Ausbildungsform im Journalismus. Darauf achten auch spätere Arbeitgeber. Ausbildungsformen, deren Anbieter den Begriff „Volontariat“ oder besser noch „Redaktionsvolontariat“ meiden und an deren Stelle „Praktikum“, „Hospitanz“ oder „Redaktionsassistenz“ verwenden, sind in der Regel nicht anerkannt – auch wenn sie zwei Jahre dauern.

Da auch im Medienbereich die an sich sinnvolle Institution „Praktikum“ zunehmend missbraucht wird, um den engagierten Nachwuchs auszunutzen und dafür reguläre Arbeitsverhältnisse abzubauen, sollte jede/r künftige Journalist/in wissen: (Mehrere) Praktika ersetzen keine Berufsausbildung. Unentgeltliche Arbeitsleistung bringt kein journalistisches Renommee und führt nicht in die hauptberufliche Professionalität. Dass sie überdies keine Existenz zu sichern vermag, versteht sich von selbst.

Unternehmen, die auf kostenloser oder gering entlohnter Arbeit aufbauen und ihr reguläres Personal dafür abbauen, sind generell keine verlässlichen Geschäftspartner. An sie die Hoffnung auf einen professionellen Einstieg zu knüpfen kann leicht ins journalistische Abseits führen.

Wenden Sie sich im Zweifelsfall an uns.

Autorin: Ulrike Kaiser

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