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24. Juni 2019
Türkei

Grund zur Hoffnung

In Istanbul hat Ekrem Imamoglu die Bürgermeisterwahl gegen den Kandidaten der AKP gewonnen. Ist das der erste Schritt auf dem Weg zum Ende der Erdogan-Diktatur über die Türkei?

Wahlsieger Imamoglu: Anfang vom Ende Erdogans? Foto: Redaktion

Das hätte vor ein paar Monaten noch niemand für möglich gehalten: Ein Kandidat der türkischen Oppositionspartei CHP gewinnt die Bürgermeisterwahl in der Millionenstadt Istanbul haushoch und lehrt den Erdogan-Vertrauten Binali Yildirim das Fürchten. Damit nicht genug: Der Wahlsieger Ekrem Imamoglu macht noch am Wahlabend klar, dass sein Sieg ein Signal für die politische Entwicklung in der Türkei ist: "Das ist kein Sieg", sagt Imamoglu, "sondern ein Neuanfang."

 

Der Bosporus-Metropole verspricht der künftige Bürgermeister "Gerechtigkeit, Gleichheit, Liebe und Toleranz". Und weiter: "Verschwendung, Luxus, Arroganz und Diskriminierung werden ein Ende haben." Schon bald wolle er den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan besuchen.

 

Wenn Imamoglus Worte mehr sind als Glücksrufe am Ende eines intensiven Wahlkampfs, muss sich das AKP-Regime auf einiges gefasst machen. Denn erstmals seit dem gescheiterten Militärputsch hat es ein Politiker der Opposition geschafft, auf demokratischem Weg in eine Spitzenposition in der Türkei aufzurücken. Der unterdrückten Opposition und den Dutzenden inhaftierter Journalisten ist zu wünschen, dass das AKP-Regime so schnell wie möglich fortgespült wird. Die Chancen dazu stehen jetzt so gut wie seit Erdogans Aufstieg nicht mehr.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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