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News zur Pressefreiheit

05. September 2019
Repressalien

Moskau schikaniert Deutsche Welle

Weil die Deutsche Welle angeblich eine Putin-kritische Demonstration in Moskau unterstützt haben soll, wird der deutsche Auslandssender in die Duma einbestellt. Die DW pfeift drauf. Jetzt soll der Korrespondent des Senders seine Akkreditierung verlieren.

Wenn Journalisten kritisch über Wladimir Putin und seine autokratische Politik berichten, sind sie in Russland nicht mehr wohlgelitten. Dann können schon mal willkürliche Festnahmen durch die Polizei mit zeitraubenden "Besuchen" auf Polizeiwachen die Folgen unbotmäßiger Berichterstattung sein. So geschehen vor wenigen Wochen, als in der russischen Hauptstadt Demonstranten für freie Kommunalwahlen auf die Straße gingen.

 

So ziemlich alle internationalen Medien haben damals kritisch über das Vorgehen der russischen Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten berichtet - auch die Deutsche Welle. In einem Tweet berichtete die DW von einer ungenehmigten Demonstration in Moskau und zitierte einen Sprechchor der Demonstranten. Das war den russischen Offiziellen zu viel. Sie warfen dem deutschen Auslandssender Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands vor. Das Parlament, die Duma, richtete sogar eine Untersuchungskommission ein, die jetzt die Deutsche Welle vorlud. Antwort des Senders: Das kommt überhaupt nicht in Frage. Reden könne man immer, aber die Deutsche Welle lasse sich nicht einbestellen. Genau die richtige Reaktion. Journalisten müssen sich nicht dafür rechtfertigen, dass sie kritisch berichten.

 

Es steht jedoch zu befürchten, dass das Kapitel damit nicht abgeschlossen ist. Der Leiter der Duma-Kommission drohte damit, dass dem Sender oder einzelnen Mitarbeitern die Akkreditierung für eine Arbeit in Russland entzogen werden könne. Spätestens dann landet das Thema auf dem Schreibtisch des Bundesaußenministers.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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