djv

Pressemitteilungen

06. September 2013
Wahlkampf und Journalismus

Wird Social Media überschätzt?

Journalisten interessieren sich offenbar kaum für die Social Media Auftritte der Parteien.

#waszurwahl: interaktive politische Late Night zur Bundestagswahl vom WDR

Wie der „Hamburger Wahlbeobachter“ Martin Fuchs im Auftrag des IT-Verbandes Bitkom ermittelte, kommunizieren mittlerweile 90 Prozent der Abgeordneten über Social Media, ein Plus von 6 Prozent seit Anfang des Jahres. Doch wen und was wollen sie damit überhaupt erreichen? 


Für die Wählerinnen und Wählern haben Social-Media-Inhalte politischer Akteure keine große Bedeutung, wie eine Studie ermittelt hat. Im Wahlkampf 2013 bleibt das Fernsehen noch die Nummer eins. 74 Prozent der Befragten dient es als primäres Informationsmedium. Die Tageszeitung belegt – zusammen mit dem Hörfunk – den zweiten Platz in punkto Relevanz und Glaubwürdigkeit.


Auch Journalisten scheinen sich für die Facebook-Einträge oder Tweets der Politiker nicht sonderlich zu interessieren. Zu diesem Zwischenergebnis kommt eine andere Studie zum politischen Einfluss etablierter und neuer Medien, die gerade an der Uni Düsseldorf durchgeführt wird. Lediglich 5,4 Prozent der befragten Journalisten lesen häufig oder sehr häufig Social-Media-Inhalte der Politiker für ihre Berichterstattung. Die Meinungen, ob sich die Kritik an Politikern zunehmend in die sozialen Netzwerke im Internet verlagert, sind geteilt: Rund 33 Prozent stimmen dem zu, rund 28 glauben nicht daran. Die Hälfte der Befragten ist aber der Ansicht, dass diese Verlagerung der Kritikfunktion die Rolle klassischer Medien verändern wird.

Bei politischen Talk-Sendungen nutzen die User vor allem Twitter als Second Screen, um Kritik an Politikern los zu werden und mit anderen zu diskutieren. Im Bundestagswahlkampf 2013 dürften es noch mehr geworden sein. Das TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück sorgte für einen Twitter-Weltrekord, mehr als 132.000 Tweets wurden dazu abgesetzt. Das Aufgreifen solcher Stimmungsbilder aus dem Netz ist längst journalistischer Alltag. Kaum eines der TV-Formate zur Bundestagswahl kommt ohne das Vorlesen kuratierter Tweets und Facebook-Kommentare der Zuschauer aus. Nachrichten-Portale setzen in ihrer politischen Berichterstattung indessen auf eingebettete Tweets. Dass die kritische Auseinandersetzung mit "Sachthemen" dabei nicht unbedingt im Vordergrund spielen muss, kann man – Stilfrage – humorvoll nehmen oder trivial finden.

 

Anna-Maria Wagner

 

Hintergrund

Im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Forschergruppe „Politische Kommunikation in der Online‐Welt“ wird derzeit an der Heinrich‐Heine‐Universität Düsseldorf unter der Leitung von Professor Gerhard Vowe und Dr. Marco Dohle eine Studie zum politischen Einfluss verschiedener Medien durchgeführt. Dabei werden u.a. Journalistinnen und Journalisten befragt, und zwar zu zwei Zeitpunkten (2012 und 2013), so dass Veränderungen im Antwortverhalten ermittelt werden können. Der DJV hat die Untersuchung unterstützt, indem er seine Mitglieder 2012 und 2013 zur Teilnahme an der Befragung aufgerufen und fünf zusätzliche Fragen formuliert hat.   

 

Download des Ergebnisberichts

 

 

 


Termine

Mi 18/03/20
DJV-Tagung, Freie ... Frühjahrstagung "Jahr der Freien"
Fr 20/03/20
Sa 28/03/20
Journalistenkalender, DJV-Tagung ... Frau Macht Medien
Mo 30/03/20
DJV-Seminare, Betriebsräte Aufbauseminar Betriebsverfassungsgesetz
Bleilettern bilden das Wort "News"

Auf unseren News-Seiten erhalten Sie interne, aber auch externe Quellen für Ihre Berufsinformation, Recherchen oder Themen-Idee.
... mehr