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Läuft Musk Amok?

30.11.2023

Zum Teufel sollten sie sich scheren, riet X-Chef Elon Musk seinen abtrünnigen Werbekunden. Hat der Mann jetzt restlos den Verstand verloren?

Elon Musk: "Zum Teufel scheren." Foto: Fox Business

Ein Gedankenspiel: Mit Ihrem Unternehmen sind Sie seit Langem Werbekunde der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Leserschaft passt in Ihr Konzept, sie ist die ideale Zielgruppe als Käufer Ihrer Produkte. Das seriöse Blatt vollzieht unter einem neuen Eigentümer jedoch innerhalb weniger Monate einen radikalen Richtungswechsel und wird zur Kampfpostille von Rechtsextremisten. Aus dem alten Werbespruch "Dahinter steckt ein kluger Kopf" wird in Anspielung auf das Outfit von Nazis: "Dahinter steckt ein kahler Kopf". Das alles verfolgen Sie mit zunehmendem Stirnrunzeln - bis die FAZ zum Sturm auf die größte Flüchtlingsunterkunft in Hessen aufruft. "Jetzt reicht's", rufen Sie. "Nicht mit meinem Werbegeld." Kurz darauf treffen Sie den neuen FAZ-Eigner zufällig auf einer Konferenz. Dort hat er nichts Besseres zu tun, als das Mikrofon zu kapern und Sie für Ihren Anzeigenboykott übel zu beschimpfen. Vor versammeltem Publikum.
Undenkbar? In Bezug auf die FAZ auf jeden Fall. Wenn man ein paar Namen austauscht, passt das Beispiel jedoch. Die Rede ist vom sozialen Netzwerk X, vormals Twitter, und seinem Eigentümer Elon Musk. Dieser hatte kürzlich ein antisemitisches Posting unterstützt und von "tatsächlicher Wahrheit" gefaselt. Das ließ bei einigen Großunternehmen das Fass überlaufen: IBM, Disney, Coca Cola, Microsoft und andere zogen ihre Werbeaufträge von X ab. Laut New York Times sind das Verluste in Höhe von 75 Millionen Dollar, X hingegen spricht von 11 Millionen.
Wieviel auch immer, Elon Musk ist angefressen. Auf einer Podiumsdiskussion polterte er jetzt, der Disney-Chef solle sich zum Teufel scheren. Er sei nicht mit Werbung und Geld erpressbar. Der Boykott könnte X "killen". Sollte dies geschehen, müssten sich die Firmen dafür öffentlich rechtfertigen.
Als ob das noch jemanden schocken könnte. Unter Musk hat das ehemalige Twitter seinen guten Ruf längst verloren und sich zur Heimstatt von Trollen und Durchgeknallten aller Art entwickelt. Die von Musk geforderte öffentliche Rechtfertigung könnte als Schuss nach hinten losgehen. Das wäre nicht das Schlechteste.
Ein Kommentar von Hendrik Zörner

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