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26. August 2019
Landtagswahlen

AfD ist stark, wo die Presse schwach ist

Die Wahlen in Brandenburg und Sachsen werden der AfD erneut Stimmenzuwächse bescheren. Dass das Erstarken der Rechtspopulisten mit der Medienkrise in der Region einhergeht, ist kein Zufall.

Die Brandenburger AfD stilisiert die Landtagswahl zur zweiten Wende. Foto: Screenshot www.afd-brandenburg.de

Der Osten wählt und die Presse in (West-)Deutschland rätselt angesichts der konstant guten Umfragewerte der AfD, was denn in den neuen Bundesländern los ist? Natürlich gibt es viele Gründe für den hohen Zuspruch zu nationalistischen und rassistischen Positionen. Eine mögliche Urache, die in der Debatte aber oft untergeht, hat mit den Medien selbst zu tun: Sie sind im Osten nämlich deutlich schwächer aufgestellt als in den alten Bundesländern, weshalb Brandenburg, Sachsen und Co. gut aufzeigen, wohin das Zeitungssterben führen kann.

 

Wenn eine Region überhaupt noch über eine eigene Zeitung verfügt, ist sie bei allem Bemühen der Kollegen oft schlecht aufgestellt. Ausgedünnte Lokalredaktionen und Online-Auftritte wie vor zehn Jahren sind das Ergebnis eines nicht enden wollenden Sparzwangs und Renditedrucks. Der Mantel besteht nicht selten nur noch aus Agenturmeldungen. Je schwächer aber die Präsenz von Medien unabhängiger Verlage, desto stärker ist die Dominanz des Öffentlich-Rechtlichen.

 

Wo die Medienvielfalt fehlt, verfängt die AfD-Behauptung eines gelenkten Medienkartells besonders leicht. Wo die Medien die öffentliche Debatte nicht abbilden, weichen die Menschen in soziale Medien mit all ihren Fehlern und Risiken aus. Kurz: Wo der Journalismus besonders schwach ist, haben die Populisten leichtes Spiel. So wird der Osten zum Modelllabor für eine - nicht nur aus Sicht von Journalisten - düstere Zukunft.

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.

 

 


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