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06. Juli 2018
Journalismus

Alles für lau?

Journalismus für lau? Das hätte Medienberater Thomas Knüwer wohl gern. Aber wir nicht.

Thomas Knüwer: Kritik hilft nicht weiter. Foto: privat

Thomas Knüwer mag's gern richtig billig. Er echauffiert sich in einem Blog darüber, dass ein Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Webseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hinter einer Bezahlschranke platziert wurde. "Ein für die Bundespolitik wichtiges Exklusivinterview also kann nur gelesen werden, wenn man ein Abo für über 40 Euro abschließt…", schreibt der Medienberater Knüwer. Durch ein solches Vorgehen bestehe die Gefahr, dass Informationen zum "Luxus für Wohlhabende" würden.

 

Ich frage mich, ob Herr Knüwer das Konzept von professionellem Journalismus verstanden hat. Er will alles so richtig billig, ja ganz umsonst, bezahlen ist seiner Ansicht nach offenbar "Old School". Ob er sich im Supermarkt auch immer so herrlich aufregt, wenn ihn Ladendetektive daran hindern, mit unbezahlter Wurst schnell aus dem Laden zu rennen? Es kann doch nicht sein, dass Fleischwaren zum Luxus für Wohlhabende werden?! Wer so denkt, vernichtet auf Dauer den professionellen Journalismus. Und seien wir doch mal ehrlich: Ein Zeitungsabo hat auch früher schon Geld gekostet. Natürlich kann man Inhalte verschenken, aber irgendwo müssen Journalistinnen und Journalisten doch ihr Geld verdienen.

 

Solche Debattenbeiträge wie der von Herrn Knüwer helfen uns in der Finanzkrise der Medien nicht weiter. Natürlich (!) muss man für qualitätsvolle Inhalte bezahlen. Alles andere sind Billigträume von der Resterampe. Oder mag uns Thomas Knüwer, der seine Dienste als Berater im Netz anbietet, die von seinen Auftraggebern bezahlten Expertisen künftig auch gratis für alle zur Verfügung stellen? Das wäre mal konsequent.

 

Ein Kommentar von Frank Überall


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