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05. Januar 2015
Medienverächter

Auf Raubzug bei der Lügenpresse

Als "Lügenpresse" schmähen die Medienverächter Journalisten, Zeitungen und Fernsehen. Das hindert sie nicht daran, ein Pressefoto zu klauen und für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Ein Foto, das Demonstranten von Pegida und Antifa in Würzburg Anfang Dezember zeigt, wurde nicht nur in der Main-Post veröffentlicht, für die es entstanden ist. Vier Wochen später tauchte es in dem Portal "politically incorrect" auf, geadelt zum "Pressefoto des Jahres 2014". Wer es gemacht hat und wo es zuerst veröffentlicht wurde - dazu findet sich in den sogenannten "PI news" kein Hinweis. Auch der Verfasser der zweifelhaften Laudatio bleibt ungenannt. Von einem Impressum in der Form, wie sie in Deutschland vorgeschrieben ist, fehlt jede Spur. Dafür umso mehr Hetze gegen hier lebende Moslems und die vermeintlichen "Mainstream-Medien". Wer ideologisches Futter sucht, um sich für die Teilnahme an Pegida-Demonstrationen zu wappnen, findet es hier.

 

Dass das Portal einerseits gegen die Medien wettert, sich andererseits bei ihnen bedient, ist wenig konsequent - und stellt einen Verstoß gegen das Urheberrecht dar. Deshalb hat die Main-Post rechtliche Schritte gegen das Portal eingeleitet. Erster Erfolg: Das Foto wurde von der Seite genommen und durch Werbung für einen Händler für Fotozubehör ersetzt. Auch Hetze will bezahlt werden.

 

Hendrik Zörner


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