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21. November 2016
Fake-News

Aus dem Spiel wird Ernst

Dass Falschmeldungen nicht nur Hass und gesellschaftliche Spaltung schüren, sondern auch direkten Einfluss auf den Ausgang demokratischer Wahlen haben könnten, durften wir gerade in den USA beobachten.

Eine Analyse von "Buzz­feed" zeigte, dass Meldungen von falschen Newssites und Blogs im US-Wahlkampf eine viel grössere Resonanz erhielten, als die von grossen Medien wie der "New York Times". Ist das Ökosystem der Nachrichten kaputt? 

Wie das ist, wenn man sich in einer rechtsnationalen digitalen Blase aufhält, hat SPIEGEL-Mann Jan Fleischhauer gerade in einer spannenden investigativen Reportage aufgeschrieben. Die Wahrnehmung verdüstere sich schlagartig, wenn Facebook einen als AfD-Sympathisanten identifiziere. Er habe eine Welt erlebt, in die „selten ein Sonnenstrahl fällt“, in der alles entfernt werde, was stört. Studien bestätigen, dass Nutzer dazu tendieren, Inhalte, die einem bestimmten Weltbild entsprächen, auszuwählen und zu teilen. Der Rest werde ignoriert. Wie üblich nach mehr Medienkompetenz zu rufen, scheint also wenig hilfreich. Doch welche wirksamen Gegenstrategien kann es geben? Fest steht: Ohne die großen Digitalkonzerne wird es nicht gehen.

Mark Zuckerberg räumte im Kontext der US Wahl just ein, dass Facebook ein Problem mit Falschmeldungen hat und präsentierte sieben Lösungsansätze, die allerdings noch erprobt werden müssten. Nicht alles werde funktionieren.

Und auch Google kündigte an, Projekte zur News-Verifizierung zu fördern und Fact-Checking-Artikel innerhalb der „News“-Ergebnisse erkennbar zu listen. Gute Ansätze, nur wird das allein nicht reichen. Denn wenige Nutzer lassen sich durch eine Auflistung von Fakten von ihrer Meinung abbringen, so eine weitere Studie.


Ein anderes Problem, mit dem sich Medien und Plattformbetreiber dringend auseinandersetzen müssen, ist das sogenannte "Programmatic Advertising“: Das Portal testbericht.de hat gerade herausgefunden, dass Fake-News über Online-Anzeigen von Google und anderen Werbe-Netzwerken auch auf etablierten Nachrichten-Portalen lanciert werden. Sie gewinnen damit nicht nur Reichweite, sondern werden durch das Umfeld innerhalb von Medienmarken wie SPON oder stern.de auch aufgewertet.

 

Die AfD und ihre Mitstreiter werden im Bundestagswahlkampf 2017 vor all diesen dubiosen Methoden nicht zurückschrecken. Es braucht daher dringend tragfähige Lösungen gegen Falschmeldungen und ihre Verbreitungsmechanismen wie Algorithmen, Social Bots & Co.


Ein Kommentar von Anna-Maria Wagner 

 

Auch interessant: hoaxmap.org


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