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11. Februar 2015
Fotografie

Bonus für Promis

Der Lebensgefährte der Schwimm-Ikone Franziska van Almsick genießt vor dem Frankfurter Landgericht einen Promi-Bonus: Fotos von ihm dürfen nur verpixelt veröffentlicht werden.

Darüber freut sich jeder Angeklagte: Gleich zu Prozessbeginn öffnet der Richter seine große Aktentasche, zieht die Prozessakte heraus und breitet sie vor sich aus. Ein weiterer Griff in die Tiefen der Tasche, und mit Leichtigkeit befördert der Richter eine knisternde Plastiktüte auf sein Pult, öffnet sie mit einem Ruck und zieht ein Paar unbenutzte Samthandschuhe heraus. Mit Leichtigkeit stülpt er sie über seine Hände, zieht die Stirn in Falten und wendet sich an die anwesenden Fotografen. Mit gestrenger Miene weist er die "Herren Medienvertreter" darauf hin, dass Bildaufnahmen des Angeklagten im Gerichtssaal nur vor Verhandlungsbeginn und in den Pausen zulässig seien. Das wundert keinen der anwesenden Bildjournalisten, sind sie diese Einschränkung ihrer Arbeit doch längst gewohnt. Aber dann kommt der Hammer: Das Gesicht des Angeklagten dürfe nur verpixelt gezeigt werden. Alles andere stelle eine starke zusätzliche Beeinträchtigung des Angeklagten und seiner Familie dar. Der Grund der Verpixelung: "Die Prominenz einer gänzlich unbeteiligten Partnerin eines der Angeklagten."

 

So ähnlich vollzog sich der Beginn des Prozesses gegen Jürgen B. Harder, den Lebensgefährten von Franziska van Almsick, vor dem Landgericht Frankfurt, wie newsroom.de meldete. Dass Harder sich schon oft an der Seite seiner Freundin ablichten ließ, interessierte den Richter nicht. Das öffentliche Interesse an dem Verfahren ließ ihn offensichtlich auch kalt. Dem Angeklagten dürfte so viel Entgegenkommen kaum nützen. Wenn es keine brauchbaren Prozessfotos gibt, greifen die Medien eben ins Archiv und verwenden Bilder, die Harder und seine Partnerin bei Promi-Events zeigen.

 

Hendrik Zörner


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